Stand: 19.05.2020 15:10 Uhr

Trotz Gegenwind: DFB plant Drittliga-Start am 30. Mai

Die festgefahrene Situation in der Dritten Liga soll sich nach dem Willen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Ende Mai entspannen. "Wir gehen davon aus, dass wir am 30. Mai wieder starten können", sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius am Dienstag. DFB-Präsident Fritz Keller bekräftigte: "Die Saison sollte auf dem Rasen entschieden werden und nicht am grünen Tisch." Man kämpfe derzeit an allen Fronten um eine Fortsetzung der Spielzeit 2019/20, die von der Mehrheit der Vereine gewünscht werde.

Allerdings wird die Zeit langsam knapp, das weiß auch der DFB. "Wenn wir bis zum 15. Juni nicht starten können, ist ein Saisonende auf dem Platz unrealistisch", sagte Curtius: "Wir müssen abwarten, was die Politik entscheidet. Ich bin zuversichtlich, dass wir in den kommenden zehn Tagen eine Genehmigung bekommen werden."

Dem DFB macht die zerstrittene Lage zu schaffen. "Das belastet uns alle, das kann man nicht beschönigen", sagte Curtius: "Eine deutliche Mehrheit möchte spielen." Dies hätten neun Vereine gerade noch einmal in einer gemeinsamen Mitteilung an den DFB bekräftigt. Sieben Vereine wollen allerdings abbrechen, sechs davon stehen ganz unten in der Tabelle. Halles Sportdirektor Ralf Heskamp warnte angesichts des Coronafalls in Chemnitz vor einer Wettbewerbsverzerrung. Eine Verlängerung der Spielzeit über den Juni hinaus sei "nicht akzeptabel", bekräftigte Magdeburgs Geschäftsführer Mario Kallnik am Dienstag. Die Verträge würden auch trotz Corona definitiv nur bis Ende Juni Gültigkeit haben. Curtius widersprach dem. Sollte ein Saisonabschluss bis zum 30. Juni nicht möglich sein, könne man dennoch weitermachen: "Wenn es der 15. oder 30. Juli ist, muss man darauf reagieren und Lösungen finden."

DFB schließt neue Umfrage aus

Unterstützung bekommen die Abbruchwilligen aus der lokalen und regionalen Politik. Mittlerweile sind somit nicht nur die Clubs untereinander uneins, sondern es gibt auch Zwist zwischen Politik und DFB. Eine neue Umfrage unter den 20 Clubs schloss Curtius aus: "Wir brauchen kein neues Meinungsbild einzuholen. Da würde sich wohl kaum etwas ändern. Das Konzept ist bekannt. Die klare Mehrheit der Clubs will weiterspielen."

Der Dachverband war in der vergangenen Woche von seinem ursprünglichen Plan, den Spielbetrieb am 26. Mai aufzunehmen, abgerückt. Der DFB behielt sich jedoch die Option vor, bei einem Veto der Bundesländer die Spielorte zu verlegen. Dann könnten Vereine, die durch behördliche Vorgaben gebremst werden, in andere Bundesländer ausweichen. Das könnte besonders den Osten Deutschlands treffen. Allerdings gibt es auch große Unterschiede im Trainingsbetrieb: Während einige Teams seit Wochen gemeinsam auf dem Platz stehen, ist wegen behördlicher Verfügungen in Sachsen-Anhalt derzeit das Mannschaftstraining bis 27. Mai nicht erlaubt, in Thüringen sogar bis 5. Juni.

"Wir befinden uns in der 80. Minute und liegen 0:1 zurück. Aber wir können noch gewinnen. Wir werden alles daran setzen, alle Entscheidungsträger in den Bundesländern zu überzeugen, weil wir für den Fußball sind." DFB-Präsident Fritz Keller

Keine zweigeteilte Liga, keine Aufstockung

Alternativen Vorschlägen zur Zukunft der Liga erteilte der DFB eine Absage. So war zuletzt aus dem Saarland eine zweigeteilte Liga vorgeschlagen worden. "Ich glaube nicht, dass das eine Mehrheit finden wird", sagte Curtius. Auch die Anregung aus Jena, künftig mit 24 oder 25 Mannschaften von September bis Mai zu spielen, lehnte er angesichts der dann unumgänglichen Spieltagsflut ab.

Am kommenden Montag will der Drittliga-Ausschuss beim Außerordentlichen DFB-Bundestag eine Task Force beantragen, die sich "mit externer Hilfe der wirtschaftlichen Stabilität und strukturellen Weiterentwicklung der 3. Liga widmen" soll, teilte der DFB mit.

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