Die ehemalige Bundesliga-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Sven Hoppe

DFB reagiert - Steinhaus-Webb: Frauen nicht grundsätzlich ausschließen

Stand: 20.05.2021 16:15 Uhr

Das Positionspapier neun prominenter Frauen für mehr weibliche Führungskräfte im Fußball hat schnell Wirkung gezeigt. Der DFB hat auf den Vorstoß von Bibiana Steinhaus-Webb und Co. reagiert.

"Wir laden die Gruppe gerne ein, mit uns in den Dialog zu treten und uns gemeinsam für Vielfalt im Fußball stark zu machen", teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Donnerstag mit. Tags zuvor hatten die Initiatorinnen der Aktion "Fußball kann mehr", zu denen neben der ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichterin Steinhaus-Webb auch Nationaltorhüterin Almuth Schult und Ex-HSV-Funktionärin Katja Kraus gehören, in einem Positionspapier unter anderem eine verbindliche Frauenquote von 30 Prozent in leitenden Positionen beim DFB und in Proficlubs gefordert.

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Das schließt das Amt an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes mit ein, das nach dem Rücktritt von Präsident Fritz Keller vakant ist.

"Ich wehre mich einfach gegen den Gedanken, grundsätzlich auszuschließen, dass es sich bei der nächsten Führungsfunktion im DFB auch um eine Frau handeln könnte, die diese Position einnimmt und die Geschicke des Fußballs leitet." Bibiana Steinhaus-Webb

"Unser Fußball ist bunt und divers. Nur leider findet sich diese Abbildung eben noch nicht in allen Führungsstrukturen des Fußballs wieder", sagte Steinhaus-Webb, die ihre aktive Karriere im vergangenen Herbst beendet hat, dem NDR. Aktuell ist im DFB-Präsidium nur eine Frau vertreten. Gleichwohl ist für die 42-Jährige, die Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe als mögliche Kandidatin ins Spiel gebracht hatte, eine Frau an der Spitze des DFB keine Zwangsläufigkeit: "Der nächste DFB-Präsident muss nicht zwangsläufig eine DFB-Präsidentin sein. Der beste Kandidat oder eben die beste Kandidatin sollte die Funktion ausfüllen."

Schult: "Frauen können Führungsposition"

Das sieht auch Wolfsburgs Torhüterin Schult so. "Ich habe keinen einzelnen Kandidaten als Wunsch. Mein Wunsch wäre, dass es nicht nur um einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin geht, sondern um eine neue Führung, die miteinander arbeitet. Das ist nicht nur eine Person, sondern das sind mehrere Personen", sagte die 30-Jährige im NDR Interview. "Das muss meiner Meinung nach mindestens zwei, drei Frauen beinhalten."

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Das Angebot zum Dialog seitens des DFB nimmt Schult gerne an. "Ich freue ich mich auf den Austausch." Als Bittstellerin will die Weltklasse-Torhüterin aber nicht auftreten. Sie findet klare Worte. Die Männer-Dominanz im DFB sowie in den Landesverbänden sei "peinlich. Wir haben in Deutschland eine Bundeskanzlerin. Das heißt, Frauen können Führungsposition", betonte sie. Gerade im Fußball sei es aber immer noch so, "dass Frauen in Führungspositionen Exotinnen sind. Aber aus Exotinnen entsteht keine Kraft, sondern das passiert nur, wenn man auch eine gewisse Breite darin hat."

Steinhaus-Webb: "Möchte Vorbildfunktion nutzen"

Der Geist für Veränderungen sei da, sagte Schult dem NDR: "Es geht gerade in der Öffentlichkeit sehr viel um Gleichstellung, das ist gut so." Doch nicht alle ziehen mit. So soll es gegenüber Steinhaus-Webb im Vorfeld der Initiative zu Stör- und Einschüchterungsversuchen gekommen sein. "Ich wusste, dass ich mit meiner Positionierung zu diesem Positionspapier polarisieren werde", sagte die Hannoveranerin. "Aufgrund meiner Schiedsrichtertätigkeit und auch als erster Frau in der Bundesliga wurde mir immer eine Vorbildfunktion zugeschrieben. Warum ist man also jetzt überrascht, wenn ich diese Vorbildfunktion annehme und sie nutzen möchte?"

Auch Schult hat keinerlei Bedenken oder gar Furcht: "Ich bin von jeher eine meinungsstarke Spielerin, das ist ja im Verein auch bekannt. Ich bin beim VfL Wolfsburg als Vielfaltsbotschafterin auserkoren worden, der VfL setzt sich klar für Diversität ein, daher habe ich alle Rückendeckung", berichtete sie: "Ich hoffe, dass wir die Ziele gemeinsam umsetzen."

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 20.05.2021 | 15:25 Uhr

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