HSV-Fans mit einer Fahne auf der Tribüne im Volksparkstadion © Witters

Corona und Fußball: Ist die Zuschauer-Party im Norden bald vorbei?

Stand: 22.11.2021 12:52 Uhr

Während das Coronavirus deutschlandweit grassiert wie nie zuvor, tummeln sich in den Stadien der Fußball-Bundesliga Zehntausende Zuschauer. In Sachsen ist die anachronistische Party schon wieder vorbei, Geisterspiele sind angeordnet. Den Nordclubs könnte es bald ähnlich ergehen.

von Matthias Heidrich

Imposant, aber irgendwie befremdlich zugleich wirkte die Kulisse beim Zweitliga-Topspiel am Samstagabend zwischen Werder Bremen und dem FC Schalke 04. Im ausverkauften Weserstadion tummelten sich 42.100 Zuschauer und lagen sich, zumindest wenn sie es mit Werder hielten, nach dem Ausgleich in letzter Sekunde in den Armen. Abstände? Fehlanzeige.

"Deutschland ist ein einziges Ausbruchsgeschehen"

Fußball ist ein Freiluftsport und das Ansteckungsrisiko geringer als drinnen, aber Menschenmassen in Zeiten von explodierenden Inzidenzwerten machen mindestens nachdenklich. Fordern sie nicht auch ein proaktives Handeln von "Vorbild Fußball" heraus?

Die Appelle vieler Virologen fallen seit Wochen dramatisch aus. "Deutschland ist ein einziges Ausbruchsgeschehen", schilderte RKI-Chef Lothar Wieler die Lage zuletzt eindringlich und sprach sich sogar für eine Absage von Sportgroßveranstaltungen aus - 2G-Regelung hin oder her.

Geisterspiele? In Sachsen wieder Wirklichkeit

Im Hochinzidenzland Sachsen hat die Politik nun notgedrungen reagiert und Geisterspiele für RB Leipzig, Dynamo Dresden oder auch Erzgebirge Aue angeordnet. In Bayern müssen die Zuschauerzahlen zumindest reduziert werden, was auch den Rekordmeister FC Bayern München trifft.

Neben mehr Impf-Tempo wird von den Experten auch wieder die strikte Reduzierung von persönlichen Kontakten ins Feld geführt, um die vierte Welle zu brechen. Bundesligist SC Freiburg hat am vergangenen Wochenende ein kleines Zeichen gesetzt und aus eigenen Stücken im Stehplatzbereich auf ein paar Prozent Auslastung verzichtet.

Freiwillige Zuschauer-Beschränkung kaum denkbar

Eine freiwillige, flächendeckende Zuschauer-Beschränkung in den Stadien über die Vorgaben der Politik hinaus wird es aber wohl kaum geben. Viele Fußballclubs haben noch an den finanziellen Auswirkungen der vergangenen Corona-Saison zu knabbern und brauchen die Einnahmen über die Fans mehr denn je.

Werder Bremens Clubchef Klaus Filbry sagte dem "Weser-Kurier" zwar, dass die laufende Saison der wirtschaftlich arg angeschlagenen Hanseaten durchfinanziert sei, doch "irgendwann wäre wieder der Zeitpunkt gekommen, an dem es wieder existenzbedrohend ist".

Beim HSV sieht es mit Blick auf die Zahlen nicht besser aus. Die Corona-bedingten Geisterspiele haben dafür gesorgt, dass bei den Hamburgern die Erlöse aus dem Spielbetrieb im Geschäftsjahr 2020/2021 von 22,1 Millionen auf 600.000 Euro eklatant eingebrochen sind.

Der Hamburger SV kann eigentlich immer auf ein sehr gut besuchtes Volksparkstadion bauen, oder doch nicht mehr? Das furiose 4:1 gegen Regensburg verfolgten lediglich 23.000 Zuschauer live in der HSV-Arena. Beim vorangegangenen Heimspiel gegen Kiel waren es noch knapp 40.000 gewesen.

HSV-Trainer Walter gibt sich nachdenklich

"Ich glaube, dass die Lage momentan in Deutschland und in der Welt auch nicht mehr zulässt", sagte Trainer Tim Walter. Vielleicht bleibt so mancher Fußball-Fan in der angespannten Pandemie-Lage auch bewusst zu Hause. "Wir versuchen, auch wenn es weniger Zuschauer sind, sie zu begeistern", sagte Walter zudem noch.

Nicht unwahrscheinlich, dass auch im Volksparkstadion demnächst keiner mehr reindarf, den man begeistern könnte.

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Sportclub | 21.11.2021 | 22:50 Uhr

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