Stand: 06.08.2020 13:36 Uhr

Corona: Sportler in SH wegen Testspiel-Verbot frustriert

Symbolbild Amateurfußball in Zeiten der Coronakrise © Hanno Bode Foto: Hanno Bode
Testspiele bleiben in Schleswig-Holstein vorerst verboten.

Die Landesregierung hat sich dazu entschlossen, zunächst an allen aktuellen Corona-Sicherheitsmaßnahmen festzuhalten. "Es ist nicht die Zeit, zu lockern", sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Mittwoch. Für Tausende Amateursportler in Schleswig-Holstein bedeutet das: Testspiele bleiben vorerst verboten und Training darf weiterhin nur mit höchstens zehn Personen gleichzeitig stattfinden. Das sorgt für großen Frust, wie das Beispiel Fußball zeigt.

SV Grün-Weiß Siebenbäumen: Nachricht ist "ein Schock"

Der SV Grün-Weiß Siebenbäumen (Kreis Herzogtum Lauenburg) war fest davon ausgegangen, ab der kommenden Woche, wieder Testspiele bestreiten zu dürfen. "Deshalb ist das weitere Verbot ein Riesenschock für uns", sagt der Trainer der ersten Herren-Mannschaft, Manuel Plähn, im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. Er verstehe diese Entscheidung nicht, weil der Sport bisher nicht als größere Infektionsquelle bekannt sei. Der Coach und sein Team müssen die Vorbereitung auf die neue Saison in der Landesliga erneut umplanen. Plähn befürchtet, dass dadurch die Motivation bei seinen Spielern nachlässt. "Immer nur zu trainieren, führt irgendwann zur Demoralisierung", meint er. "Das bedeutet zwangsläufig, dass die Spieler die Trainingseinheiten nicht mehr so regelmäßig besuchen, wie sie es aktuell noch tun."

Hohenasper SC: Reisen in andere Bundesländer nicht finanzierbar

Ähnlich fällt die Reaktion auf die Entscheidung der Landesregierung beim Hohenasper SC (Kreis Steinburg) aus, dessen erste Herren-Mannschaft gerade in die Kreisliga aufgestiegen ist. "Schaut man sich die vollen Strände an Nord- und Ostsee an, verärgert einen die Nicht-Lockerung", meint Ligaobmann Michael Hahn. Für Testspiele in andere Bundesländer zu fahren, wo solche Partien erlaubt sind, komme für den Verein aus finanziellen Gründen nicht in Frage. Zumindest einen regulären Trainingsbetrieb mit mehr als zehn Spielern hätte Hahn sich gewünscht: "Im Amateurbereich bestehen Teams oftmals aus Freundeskreisen, die Spieler treffen sich also ohnehin privat untereinander."

SHFV: Enttäuschung - aber auch Verständnis

Ebenso enttäuscht zeigt sich der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) als Vertreter der mehr als 550 Vereine im Land. Der Vorsitzende Uwe Döring hat angesichts der zunehmenden Corona-Infektionen zwar grundsätzlich Verständnis für die Maßnahme der Landesregierung: "Da können wir uns bei denen bedanken, die zurzeit das Feiern einfach nicht lassen können." Dennoch will sich der Verband für Ausnahmeregelungen einsetzen. Laut Döring hat er bereits einen Brief an die Staatskanzlei geschickt. "Darin weisen wir noch einmal auf die Hygienekonzepte hin", sagt der Vorsitzende. Eigentlich hat der SHFV den Saisonstart für Mitte September geplant. "Dieser Termin wird nur zu halten sein, wenn bis Ende August vernünftig trainiert werden kann", meint Döring.

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Innenministerium will Gespräch suchen

Das Innenministerium scheint für die erhofften Ausnahmen offen zu sein. Staatssekretär Torsten Geerdts kündigte an, die Sportverbände im Land in der kommenden Woche zu einem Gespräch einzuladen. Dabei solle über mögliche Lösungswege diskutiert werden, wie eine Saisonvorbereitung "im Rahmen des bestehenden Regelwerkes" doch noch möglich sein könnte. Wie schnell es am Ende zu einer Entscheidung kommt, ist aber noch unklar, denn das Ministerium teilte weiter mit: "Zunächst muss - auch mit Blick auf den Schulstart und die in den kommenden Wochen auslaufende Tourismussaison - abgewartet werden, wie sich die Fallzahlen entwickeln."

Regeln in anderen Bundesländern schon gelockert

Schleswig-Holstein gehört gemeinsam mit Hamburg zu den letzten Bundesländern, die noch am Verbot für Testspiele und normales Mannschaftstraining festhalten. Im Nachbarbundesland Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise ist beides bereits seit dem 11. Juli wieder möglich. Dort sind unter Auflagen sogar Zuschauer erlaubt, sodass sich insgesamt bis zu 500 Personen auf einer Sportanlage aufhalten dürfen. In Niedersachsen darf auch gespielt werden, wenn auch unter etwas strengeren Regeln: Höchstens 50 Personen inklusive Schiedsrichter dürfen an der Partie beteiligt sein.   

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.08.2020 | 17:00 Uhr

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