Stand: 05.08.2020 09:53 Uhr

Clubs für DFL-Konzept zur Rückkehr von Zuschauern

Die 36 Profi-Vereine der Deutschen Fußball Liga (DFL) haben am Dienstag ein einheitliches Vorgehen zur möglichen Rückkehr einiger Fans in die Stadien beschlossen. Keine Stehplätze und kein Alkohol zunächst bis Ende Oktober, Verzicht auf Gästefans und die Einführung personalisierter Tickets zur Nachverfolgung von Infektionsketten bis Jahresende: Auf diese vier Maßnahmen einigten sich Vertreter der Clubs der Ersten und Zweiten Liga in der Hoffnung auf Zuschauer in Zeiten der Corona-Pandemie.

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Spielszene einer Partie aus der zweiten Fußball-Bundesliga im Stadion des FC St. Pauli in Hamburg. © dpa picture alliance Foto: Stuart Franklin

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Die Eckpunkte dieses Konzepts wurden bei einer virtuellen DFL-Mitgliederversammlung per einfacher Mehrheit verabschiedet. "Priorität in Deutschland haben nicht volle Stadien, sondern die gesundheitliche Situation", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert: "Aktuell spielt Corona eben noch mit und eine sehr bedeutende Rolle. Dennoch darf man nicht kapitulieren, nur auf einen Impfstoff hoffen und warten, dass es endlich vorbeigeht."

Die Politik entscheidet

Ob tatsächlich bald wieder vor Publikum im Stadion gespielt werden kann, womöglich schon im DFB-Pokal ab dem 11. September oder zum geplanten Bundesliga-Start am 18. September, entscheidet die Politik. Die Gesundheitsminister der Länder wollen das Thema auf einer Konferenz am kommenden Montag besprechen. Seifert: "Wann wie viele Zuschauer wieder in die Stadien kommen dürfen, ist keine Entscheidung der DFL. Wir erwarten nichts und fordern nichts, sondern bereiten uns darauf vor." Man werde jede Entscheidung der Politik akzeptieren.

"Sehnsucht ersetzt keine Pläne. Der Profifußball kann nur in Etappen zurück zur Normalität kommen. Wir werden in kleinen Schritten die Normalität zurückerobern müssen, das geht nicht von 0 auf 100." DFL-Geschäftsführer Christian Seifert

Weil und Mäurer sind skeptisch

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald gab sich zuversichtlich: "So wie wir mit den beteiligten Behörden im Moment sprechen, habe ich schon eine große Hoffnung, dass wir zum ersten Heimspiel der Saison zumindest Teile der Tribünen wieder mit Zuschauern befüllen können."

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Die Bremer Politik blickt allerdings kritisch auf die Pläne. "Ich stehe dem Vorschlag der DFL, Bundesliga-Begegnungen wieder vor Zuschauern zu veranstalten, sehr skeptisch gegenüber", sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) dem "Weser-Kurier". "Niemand kann im Augenblick absehen, wo wir im September stehen werden und mit welchen Herausforderungen wir umzugehen haben werden." Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) äußerte Zweifel: "Auf dem Papier lässt sich vieles darstellen. Ob das dann auch in der Praxis so durchzuhalten ist, das wird erst noch sehr genau zu prüfen sein, auch wenn ich mir es als Fußballfan wünschen würde."

Clubs müssen individuelle Konzepte ausarbeiten

Im Frühjahr war ein von DFL und DFB entworfenes Hygiene- und Sicherheitskonzept zur Fortsetzung des Spielbetriebes von der Politik durchgewunken worden - es funktionierte einwandfrei und galt in Europa als vorbildhaft.

Damit die Tribünen bald wieder zumindest teilweise gefüllt werden können, müssen die Clubs bis zum Saisonstart in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden individuelle Konzepte ausarbeiten. Borussia Dortmund plant etwa mit 12.000 bis 15.000 Zuschauern, normalerweise kommen über 81.000 Menschen zu den Heimspielen des BVB. Einheitlich geregelt werden der Umgang mit den Eintrittskarten sowie das Alkoholverbot. Die genaue Ausgestaltung der Nachverfolgung von Infektionswegen liege in der Verantwortung der Clubs, sagte Seifert.

DFL-Pläne kontrovers diskutiert

Die aktuellen Pläne der DFL waren breits im Vorfeld unter Politikern und Virologen kontrovers diskutiert worden. Auch unterschiedliche Fan-Gruppierungen äußerten Kritik an dem Konzept, da sie langfristige Beschneidungen ihrer Rechte fürchten. Seifert betonte indes erneut, dass keinerlei Grundsatzentscheidungen für die langfristige Zukunft des Profi-Fußballs in Deutschlands getroffen worden sei.

"Wir wissen sehr genau, wie schwer das auch vor unserem Verständnis eines begeisternden Stadionerlebnisses wiegt, weswegen für den FC St. Pauli die zeitliche Begrenzung von großer Bedeutung ist. Auch um dem Eindruck zu widersprechen, dass es sich um die schleichende, längerfristigere Einführung dieser Maßnahmen handelt. Im Sinne der Gesundheit aller halten wir diese Maßnahmen für angemessen." St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich

"Unsere Kurve" will Lösungen für Gästefans

Das Fan-Bündnis "Unsere Kurve" nahm das am Dienstag verabschiedete Konzept mit gemischten Gefühlen auf. Man könne "nachvollziehen, dass die Beschlüsse unter dem Aspekt des Gesundheitsschutzes getroffen wurden", sagte Vorstandsmitglied Markus Sotirianos. Den Versuch, auch Gästefans zuzulassen, hätte man allerdings "deutlich begrüßt. Uns verwundert, dass einerseits viele Schritte unternommen werden, um Fans wieder zuzulassen, andererseits aber scheinbar Skepsis hinsichtlich derer Verhalten herrscht, was der vorläufige Ausschluss von Stehplatz- und Gästefans zeigt. Hier wünschen wir uns noch mehr Gespräche vor allem auf lokaler Ebene, um zu Lösungen zu kommen, hinter denen alle Beteiligten stehen können."

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 04.08.2020 | 15:25 Uhr

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