Stand: 23.08.2020 12:40 Uhr

Celles Krüger: Pokalheld nach langer Leidenszeit

von Bettina Lenner, NDR.de

Ein paarmal musste Felix Krüger schlucken, brach ihm beinahe die Stimme. "Ich hatte drei ganz schlimme Jahre. Das ist wirklich unbeschreiblich jetzt, für die Mannschaft, für die Fans und natürlich auch mich persönlich." Kurz zuvor hatte der 27-Jährige seinen MTV Eintracht Celle mit einem Doppelpack zum späten 3:2-Triumph im Niedersachsen-Pokal der Amateure gegen den MTV Gifhorn und in den DFB-Pokal geschossen. "Das ist das Größte, das man sich als Amateurspieler wünschen kann. Das ist ein Kindheitstraum, der in Erfüllung geht", jubelte der Torjäger.

VIDEO: Celle-Held Krüger: "Es ist unbeschreiblich" (2 Min)

Immer wieder schwere Verletzungen

Dabei war der große Traum zwischenzeitlich schon in weite Ferne gerückt. Syndesmoseriss, Kreuzbandriss, Schambeinentzündung - insgesamt drei Jahre war Krüger wegen mehrerer schwerer Verletzungen ausgefallen. Aus dem nächsten Karriereschritt beim Regionalligisten TSV Havelse wurde deshalb nichts, im vergangenen Sommer kehrte der Industriekaufmann zum MTV zurück. Erst in diesem Jahr wurde der Angreifer, der einst bei den Junioren von Hannover 96 zusammen mit Niclas Füllkrug kickte, wieder fit - und avancierte zum Celler Pokalhelden. Schon im Halbfinale hatte der fast zwei Meter große Sturmriese mit seiner zweiten Ballberührung den Siegtreffer beim 3:2 gegen den FC Hagen/Uthlede markiert. Im Oberliga-Duell mit Gifhorn wechselte Trainer Hilger Wirtz den Linksfuß dann in der 68. Minute ein - und bewies damit abermals ein goldenes Händchen.

Trost für die Gifhorner Gegner

Nur drei Minuten später setzte sich Krüger stark im gegnerischen Strafraum durch und glich per Flachschuss aus, bevor er mit einem Volleyschuss (82.) seine wundersame Erfolgsgeschichte krönte - 3:2, der Sieg und unbeschreiblicher Jubel beim Goalgetter, der aber auch ein Herz für Verlierer zeigte und die Gifhorner Spieler nach dem Abpfiff tröstete: "Ich finde, dass man in solchen Momenten auch immer die andere Seite sehen muss. Das ist eine schwere Zeit, wenn man so ein Spiel verliert. Das gehört auch zum Sport, dass man dem Gegner Respekt zollt."

Vater Ralf spielte gegen die Bayern

Der erste Sieg von Eintracht Celle im Landespokal geht nicht nur in die Annalen des Clubs, sondern auch in die der Familie Krüger ein. "Bei mir schließt sich so ein bisschen der Kreis. Mein Vater hat das auch einmal geschafft, vor 36 Jahren, das ist einfach traumhaft", schilderte der Angreifer.

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MTV Gifhorn - Eintracht Celle: Das Spiel in voller Länge

Eintracht Celle hat den niedersächsischen Landespokal für Amateurteams gewonnen. Der Oberligist setzte sich mit 3:2 gegen den MTV Gifhorn durch. Das komplette Spiel und die Siegerehrung. 122 Min

Vater Ralf hatte 1984 beim TSV Friesen Hänigsen im Tor gestanden, mit der Mannschaft den Niedersachsenpokal gewonnen und sich für den DFB-Pokal qualifiziert. In der ersten Runde sorgte der Club dann mit einem 5:2-Sieg nach Verlängerung beim VfL Osnabrück für eine Überraschung, bevor die Reise mit einem 0:8 gegen den großen FC Bayern endete. Friesen-Keeper Ralf Krüger durfte daraufhin in der Sportschau die dritte Runde auslosen.

In der ersten Runde gegen Augsburg

Für Filius Felix geht es nun mit Eintracht Celle und dem Rückenwind des größten Erfolgs der Vereinsgeschichte in der ersten Pokalrunde (11. bis 14. September) gegen Bundesligist FC Augsburg. Der 27-Jährige will auch dann auf den Punkt fit sein und überzeugen: "Ich gehe stark davon aus. Ich habe ja noch zwei Wochen Zeit, um noch ein bisschen zu regenerieren."

Weitere Informationen
Der DFB-Pokal im Konfetti-Regen © picture alliance/Maurizio Gambarini/dpa

Ergebnisse und Ansetzungen im DFB-Pokal

Die Spielpaarungen im DFB-Pokal der Saison 2020/2021 hier im Überblick. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 22.08.2020 | 19:30 Uhr

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