Stand: 04.09.2020 13:04 Uhr

Bundesliga-Start: VfL-Frauen mit "geschärften Sinnen"

Lena Goeßling vom VfL Wolfsburg
Lena Goeßling und ihre "Wölfinnen" müssen die Niederlage gegen Lyon schnell abhaken.

Lena Goeßling hat in ihrer Karriere gelernt, dass es sich nicht lohnt zu lamentieren. "Die Männer sind noch mal in den Urlaub gefahren, das DFB-Pokal-Spiel wird verlegt - und wir spielen halt wieder um die Meisterschaft", sagte die 34 Jahre alte Fußballerin des VfL Wolfsburg. Während die Männer vom FC Bayern sich erholen dürfen, hatten die "Wölfinnen" gerade einmal vier Tage Pause nach der bitteren 1:3-Niederlage im Finale der Champions League gegen Olympique Lyon am vergangenen Sonntag. Schon heute startet das Team von Trainer Stephan Lerch vor bis zu 500 Zuschauern in die neue Bundesliga-Saison. Um 19.15 Uhr wird die Partie gegen die SGS Essen in Wolfsburg angepfiffen.

"Wir haben immer den Anspruch, den maximalen Erfolg anzustreben. Und wir wollen auch in dieser Saison Titel nach Wolfsburg holen", betonte Lerch vor dem Auftakt. Der Erfolgscoach geht auf Abschiedstournee, der 36-Jährige hat bereits angekündigt, die VfL-Frauen im kommenden Sommer zu verlassen.

Lerch kritisiert Harder nach Wechsel zu Chelsea

Schon jetzt nicht mehr dabei ist ausgerechnet die beste Wolfsburgerin der vergangenen Jahre: Pernille Harder hat sich in der kurzen Pause zum FC Chelsea verabschiedet. Ein Wechsel mit Nachgeschmack, zumindest für Lerch, der der Dänin schlechten Stil vorwarf.

"Pernille hat ihre Wechselabsichten mehrfach deutlich in einer nicht angenehmen Art und Weise formuliert. So etwas entspricht nicht meinen Überzeugungen, und ich würde es anders machen." Trainer Stephan Lerch

"Eins zu eins ist sie nicht zu ersetzen"

Unbestritten ist, dass der Abgang der 27-Jährigen eine große Lücke beim VfL hinterlässt. "Vom Zeitpunkt her ist das eine extrem schlechte Situation. Da muss ich schon sagen, dass mich das aufgewühlt und beschäftigt hat", erklärte Lerch, der weiß: "Eins zu eins ist sie nicht zu ersetzen." 27 Tore hat Harder in der vergangenen Saison geschossen und wurde gerade als erste ausländische Spielerin Deutschlands Fußballerin des Jahres.

Vizemeister FC Bayern wittert Morgenluft

Der Gewinn der "Königsklasse" wird in der Saison 2020/2021 ohne Harder noch deutlich schwieriger - Bundesliga-Titel und Pokal-Sieg sind erneut das erklärte Ziel. Es wären die fünfte Meisterschaft und der siebte Cup-Triumph in Folge.

Doch der Serienmeister wirkt angeschlagen wie lange nicht. Und damit ist nicht nur die personelle Situation gemeint - Sara Doorsoun (Innenbandverletzung im Knie), Fridolina Rolfö (Gehirnerschütterung) und Ewa Pajor (Kniebeschwerden) haben sich gegen Lyon verletzt und fehlen teilweise wochenlang. Der ärgste Verfolger, Vizemeister Bayern München, wittert Morgenluft. "Wir wollen den Titel, nicht immer Zweiter sein", sagte Nationaltorhüterin Laura Benkarth. Erstmals sichert sich auch der Tabellendritte einen Startplatz in der Champions League.

Popp: "Wir haben alle Sinne geschärft"

Alexandra Popp und Stephan Lerch vom VfL Wolfsburg
Alexandra Popp und Stephan Lerch und haben gemeinsam schon viele Erfolge gefeiert.

Die Wolfsburgerinnen interessiert allerdings weiter nur der erste Platz - und der Harder-Abgang soll durch noch mehr Teamwork aufgefangen werden. Mit Pauline Bremer, Lena Oberdorf und Kathrin Hendrich, die im Sommer aus München nach Wolfsburg gewechselt ist, hat der VfL gleich drei deutsche Nationalspielerinnen unter Vertrag genommen. "Letztlich ist es so, dass es in Deutschland keine leichten Aufgaben mehr gibt. Wir werden vom ersten Tag an die Gejagten sein", sagte Hendrich. Kapitänin Alexandra Popp hofft angesichts der "neuen Spielerinnen auf viel Positives". Durch die Titelansage aus München seien trotz der kurzen Pause nun "alle Sinne geschärft".

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 04.09.2020 | 23:03 Uhr

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