Stand: 05.03.2018 09:53 Uhr

Wolfsburgs Didavi: "Die Angst spielt mit"

von Andreas Bellinger, NDR.de

Es ist wieder da, das Gefühl zu versagen. "Wir sind komplett verunsichert", sagt Daniel Didavi. Der Mittelfeldakteur des VfL Wolfsburg kennt dieses Szenario des Schreckens, wenn man mit seinem Verein am Abgrund steht, den Abstieg vor Augen und die Fans im Nacken. "Die Köpfe fangen an zu rattern", sagt der 28-Jährige und bekennt im NDR Sportclub: "In die Relegation zu müssen, das will man nicht ein zweites Mal erleben." Nach der verdienten 1:2-Heimschlappe gegen Bayer Leverkusen trennt die "Wölfe" aber nur noch die bessere Tordifferenz im Vergleich zu Mainz 05 (0:0 beim HSV) von eben diesem 16. Tabellenplatz, der wie im vorigen Jahr die beiden Entscheidungsspiele bedeuten würde. Damals reichte es mit zweimal 1:0 gegen Eintracht Braunschweig. Doch für die hartgesottenen VfL-Fans stand schon am Samstag nach der Niederlage gegen Leverkusen fest: "Wir steigen ab, wir kommen nie wieder - wir haben Bruno Labbadia."

Daniel Didavi im Sportclub

Didavi: "Die Köpfe fangen an zu rattern"

Sportclub -

Wolfsburg-Profi Daniel Didavi über das Schreckgespenst Relegation, Verletzungspech, eine Reise nach Afrika und die Folgen sowie Bruno Labbadia, seinen dritten Trainer in dieser Saison.

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Fit und gesund wie lange nicht  

Spott und Häme der Anhänger treffen den sensiblen Techniker aus der Wolfsburger Mittelfeldzentrale augenscheinlich besonders hart. Ein Blick in sein Gesicht verrät dies, als die Mannschaft sich den Schmähgesängen stellte. "Wir woll'n euch kämpfen seh'n", skandierten die wütenden Fans nach Abpfiff noch immer. Labbadia verfolgte die Szenerie aus der Ferne vom Rasen aus - ein eigenartiges Bild. Der dritte Trainer allein in dieser Saison nach Andries Jonker und Martin Schmidt muss eine aus den Fugen geratene Mannschaft zurück in die Erfolgsspur bringen. Nur wie soll das gehen? "Der Prozess von einem Trainer zum anderen braucht Zeit. Die aber haben wir nicht", sagt der fünffache U21-Nationalspieler Didavi, der in dieser Saison wenigstens gesundheitlich keine Probleme hat.

"Nur keine Fehler machen"

Das war wahrlich nicht immer so. Vom VfB Stuttgart am Anfang seiner Profikarriere für ein Jahr nach Nürnberg ausgeliehen, zog er sich 2011 einen Meniskusriss zu. Kurz vor seiner Rückkehr nach Stuttgart folgte ein Knorpelschaden - wieder das linke Knie. Sieben Monate Pause und gleich der nächste Rückschlag: Zweite Operation und einjährige Zwangspause bis zum Februar 2014. Ein halbes Jahr später ein Muskelbündelriss im linken Oberschenkel. "Du kannst froh sein, wenn du noch in der Landesliga kicken kannst", habe er mehrfach zu hören bekommen. Der größte sportliche Tiefschlag aber war der Abstieg mit den Schwaben vor zwei Jahren. Didavi flüchtete und hoffte in Wolfsburg auf den großen Fußball. Statt der Champions League aber wartete nach einer verkorksten Saison die Relegation. Und auch im zweiten Jahr sieht es nicht besser aus. Didavi: "Wenn der Gegner gut spielt, werden wir sofort eingeschüchtert und jeder denkt: Nur keinen Fehler machen. Die Angst spielt wieder mit."

Vater Ignace als Lehrmeister

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Ignace Didavi hat den Weg des Juniors streng begleitet.

Das Déjà-vu quält den Spielmacher und Topscorer der Wolfsburger, der in dieser Saison bislang nur zwei Partien verpasst und nach 23 Spielen sechs Tore und sechs Vorlagen vorzuweisen hat. Natürlich. Doch er hat mittlerweile gelernt, nicht immer gleich schwarz zu sehen. Didavi hat sich verändert, erzählt er. Sein Vater Ignace hat dazu seinen Teil beigetragen. Streng war er, als der Filius in Nürtingen zum Fußballer heranreifte. "Schule, Fußball - alles musste laufen, sonst hätte ich Ärger bekommen", sagt Didavi junior. "Hart aber fair", nennt es der Vater und lacht so herzhaft und lebensfroh, dass die Sonne aufzugehen scheint. Diesen Frohsinn, diese Leichtigkeit musste sich der schüchterne Daniel erst mühevoll erarbeiten. "Wenn er Autogramme schreiben sollte, hat er sich immer versteckt", sagt Ignace Didavi, der aus dem westafrikanischen Benin stammt.

Für Tore beten? Schluss mit "Schwachsinn"!

In seiner alten Heimat zeigte er dem Sohn, was aus seiner Sicht wirklich zählt im Leben. Der gemeinsame Besuch in Afrika hinterließ Spuren, hat den Menschen Daniel Didavi ("Ein total einschneidendes Erlebnis, wenn du nur die Sonnenseite kennst") erwachsen werden lassen. "Hier kannst du sehen, wie schlecht es manchen Menschen geht. Und trotzdem lachen sie", habe der Vater ihm gesagt. Früher habe er manchmal zu Gott gebetet: "Lass mich ein Tor schießen." Heute weiß er: "So ein Schwachsinn. Meine Gedanken und mein Charakter haben sich komplett verändert." In Afrika sei das Glas immer halb voll. "Hier aber schauen viele nur danach, was sie nicht haben."

Im Strudel Richtung Zweite Liga

Die Reflexion des Lebens ist das eine. Doch die Realität des hochdotierten Berufsfußballers sieht anders aus - zumal im Abstiegskampf. Dabei hatte er bei seinem Wechsel in die Autostadt geglaubt, nie wieder in den Strudel Richtung Zweite Liga zu geraten. Vielleicht halten sich auch deshalb Gerüchte, Didavi ziehe es heimwärts nach Stuttgart. Dem Vernehmen nach haben die Schwaben aber kein Interesse an ihrem Eigengewächs, das keinen Hehl daraus macht, dass "der VfB immer in meinem Herzen bleiben wird". Seine Brötchen verdient Didavi in der niedersächsischen Provinz - wie es heißt, soll er bis 2021 rund vier Millionen Euro pro Jahr bekommen. Inklusive der Angst vor dem zweiten Abstieg seiner Karriere nach 2016 mit dem VfB Stuttgart.

Daniel Didavi vom VfL Wolfsburg © dpa - Bildfunk Fotograf: Peter Steffen

Didavi: Zwischen Bibeltreue und Familienbande

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Ignace Didavi trainierte seinen Sohn Daniel einst. Sein Motto: "Hart, aber fair." Den Anfängen in Stuttgart folgte eine Traumkarriere. Doch schwere Verletzungen sorgten immer wieder für Probleme.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 04.03.2018 | 22:50 Uhr

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