Werder verpasst Pokalfinale, aber Kohfeldt bleibt Trainer

Stand: 01.05.2021 00:02 Uhr

Werder Bremen hat das Finale um den DFB-Pokal knapp verpasst. Die Mannschaft von Florian Kohfeldt unterlag RB Leipzig mit 1:2 (0:0, 0:0, 1:1) nach Verlängerung - aber sicherte ihrem Trainer mit der Leistung den Job.

von Florian Neuhauss

Der in der Kritik stehende Kohfeldt hatte "Herz und Leidenschaft" von seinen Spielern gefordert - und wurde nicht enttäuscht. Dass Werder in der Bundesliga zuletzt siebenmal in Folge verloren hat, war dem Team im "Endspiel für den Trainer" zu keinem Zeitpunkt anzumerken. Dass Leipzigs Emil Forsberg in der ersten Minute der Nachspielzeit der Verlängerung das 2:1 erzielte, war sehr bitter. Auch wenn sich die Norddeutschen vom guten Auftritt nichts kaufen können, hat das Team auf jeden Fall Werbung für den Coach gemacht.

Der Aufsichtsrat bestätigte der Sportschau kurz nach dem Abpfiff, dass Kohfeldt weitermachen und das Team auf das kommende Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am 8. Mai und den Bundesliga-Endspurt vorbereiten darf. "Wir haben eine Reaktion der Mannschaft erwartet, die war da", sagte Geschäftsführer Frank Baumann: "Es war ein ganz anderer Spirit auf dem Platz, eine ganz andere Leidenschaft, sich auch wirklich in die Zweikämpfe reinzuhauen und sie zu gewinnen." 

"Eine Mannschaft, wie sie heute gespielt hat, kann kein grundlegendes Problem mit dem Trainer haben." Werder-Coach Florian Kohfeldt

Zuvor hatten sich auch schon die Spieler für ihren Coach ausgesprochen. Diese Leistung sei Antwort genug auf alle Fragen zu Kohfeldts Zukunft, betonte Davie Selke. Auch sein Offensiv-Kollege Leonardo Bittencourt sprach sich für den Trainer aus: "Wir haben in den letzten Wochen nicht das gezeigt, was wir können. Aber wir haben heute gezeigt, dass die Mannschaft lebt. Wir müssen an diese Leistung anknüpfen, alles andere können wir nicht entscheiden."

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Kohfeldt selbst erklärte: "Eine Mannschaft, wie sie heute gespielt hat, kann kein grundlegendes Problem mit dem Trainer haben." Das sei für ihn ausschlaggebend. Außerdem habe er viel Energie. Vom Klassenerhalt ist er weiter fest überzeugt.

Sargent vergibt zwei gute Chancen

Die Partie begann für die Bremer mit einem Schreckmoment. Es waren noch keine vier Minuten absolviert, da kam Leipzigs großer Mittelstürmer Alexander Sörloth zum Kopfball. Doch Torhüter Jiri Pavlenka verhinderte den frühen Tiefschlag. Und die Hausherren waren dann wach. Nur eine Minute später hatte Joshua Sargent die erste Werder-Chance, scheiterte aber an Peter Gulacsi. Leipzig blieb zwar spielbestimmend, doch die besseren Möglichkeiten hatten die Norddeutschen. Sargent setzte sich nach einer halben Stunde im Laufduell stark gegen Dayot Upamecano durch und stand frei vor Gulacsi. Seinen Schuss setzte der US-Amerikaner aber am Tor vorbei.

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In der 44. Minute jubelte dann Werder - allen voran Davie Selke, der einen Elfmeter herausgeholt hatte. So dachten die Bremer jedenfalls. Denn nach Videobeweis revidierte Schiedsrichter Manuel Gräfe seine Entscheidung.

Werder gleich zweimal im Alu-Glück

Mit der Einwechslung von Christopher Nkunku bekamen die Sachsen nach der Pause mehr Zug in ihr Spiel und belagerten zeitweise den Bremer Strafraum. Aber Werder überstand die Druckphase schadlos. Gefährlich wurde es erst in der 65. Minute, als Willi Orbans Kopfball an die Unterkante der Latte prallte und Werders Jean-Manuel Mbom gerade noch vor dem heranstürmenden Nordi Mukiele klären konnte.

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Werder brauchte eine Standardsituation, um selbst wieder für Gefahr zu sorgen. Der Kopfball von Yuya Osako landete aber nur an der Hintertorstange (70.). Acht Minuten später schepperte es wieder am Gestänge des Pavlenka-Tores. Niklas Moisander brachte gerade noch seine Fußspitze an den Schuss von Nkunku, sodass der Ball nicht den Weg ins Tor fand. Am Ende hatte Leipzigs Yussuf Poulsen noch zwei gute Möglichkeiten, sein erster Kopfball verfehlte das Tor um Zentimeter (90.+3), beim zweiten war Pavlenka zur Stelle (90.+4).

Leipzig in der Verlängerung nervenstark

Mit Ach und Krach rettete sich Werder in die Verlängerung - nur, um dann keine drei Minuten später 0:1 hinten zu liegen. Die Rasenballsportler kombinierten sich nach vorn, am Ende legte Werders Theodor Gebre Selassie unfreiwillig für Hee-chan Hwang auf. Der Ex-HSVer schob eiskalt zur Gäste-Führung ein. Allerdings kamen die Bremer wieder zurück, Joker Bittencourt traf in der Nachspielzeit der ersten Hälfte der Verlängerung zum 1:1. Doch Leipzig drehte noch einmal auf. Trotzdem deutete schon alles auf das Elfmeterschießen hin, als Forsberg die Bremer mitten ins Herz traf...

Auf wen die Leipziger in ihrem zweiten Pokal-Finale nach 2019 am 13. Mai im Berliner Olympiastadion treffen, entscheidet sich am Sonnabend: Dann empfängt Bundesliga-Konkurrent Borussia Dortmund im zweiten Halbfinale den Zweitligisten Holstein Kiel.

5.Spieltag, 30.04.2021 20:30 Uhr

Werder Bremen

1

RB Leipzig

2

Tore:

  • 0:1 Hwang (93.)
  • 1:1 Bittencourt (105. +1)
  • 1:2 Forsberg (120. +1)

Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Augustinsson - Groß (119. Bargfrede) - Mbom (73. Bittencourt), M. Eggestein - Sargent - Füllkrug (66. Osako), Selke (96. Möhwald)
RB Leipzig: Gulacsi - Upamecano, Konaté, Orban - Mukiele, Haidara (46. Nkunku / 114. Forsberg), Kampl, Angelino (101. Henrichs) - Sabitzer (74. Poulsen), Olmo - Sörloth (90. Hwang)
Zuschauer:

Weitere Daten zum Spiel

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 30.04.2021 | 23:03 Uhr

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