Stand: 28.06.2020 17:20 Uhr

Werder-Wahnsinn: Bremen rettet sich in die Relegation

von Matthias Heidrich, NDR.de

Was für ein Wahnsinn von Werder Bremen: Die Hanseaten haben sich am letzten Bundesligaspieltag in die Relegation gerettet. Während Union Berlin Schützenhilfe leistete und Fortuna Düsseldorf in die Zweite Liga schoss, feierten die Grün-Weißen am Sonnabend einen fulminanten 6:1 (3:0)-Heimerfolg gegen den 1. FC Köln. Auf dem Relegationsrang hatte Werder zuletzt Anfang Februar gestanden. "Wir haben unter immensem Druck eine großartige Leistung abgerufen", sagte Bremens Trainer Florian Kohfeldt.

Kohfeldt: "Dürfen uns das nicht mehr nehmen lassen"

Es war erst der zweite Heimsieg für die Kohfeldt-Mannschaft in dieser Saison, in der zuletzt alles auf den direkten Abstieg hingedeutet hatte. Und er war wichtiger denn je. Nicht zuletzt für den Coach, der zusehends in die Kritik geraten war.

Kohfeldt war nach dem Schlusspfiff sofort in den Katakomben verschwunden, zeigte sich im ARD-Interview aber sehr aufgeräumt. "Ich muss Union Berlin für ihren Sportsgeist ein großes Kompliment aussprechen. Mein Mitgefühl gilt aber auch Fortuna Düsseldorf", sagte der 37-Jährige, der schon nach vorne blickte: "Wir dürfen uns das jetzt nicht mehr aus der Hand nehmen lassen." Der Gegner in der Relegation sei ihm egal. Wichtig war Kohfeldt vielmehr ein Appell an die eigenen Fans:

"Auch wenn die Emotionen jetzt immer höher werden. Egal, was passiert, bitte bleibt zu Hause. Wir sind immer noch in einer Pandemie. Egal, wer kommt am Donnerstag: Bitte guckt zu Hause Fußball!" Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Viele Fans am Weserstadion

Nach dem "kleinen Wunder" an der Weser gegen Köln konnten mehrere Hundert Werder-Fans trotz Corona nicht an sich halten und feierten vor dem Weserstadion ihr Team. Der Verein rief seine Anhänger via Twitter auf, nicht zum Stadion zu kommen.

Relegationsduell mit Heidenheim

Die Freude über zwei weitere Endspiele war einfach riesig in Bremen. Einem Relegations-Duell mit dem großen Nordrivalen HSV entging Werder. Die Hamburger blamierten sich am letzten Zweitliga-Spieltag. So trifft Bremen am 2. und 6. Juli auf den 1. FC Heidenheim. Die Hanseaten haben zunächst Heimrecht.

Drei Werder-Tore binnen sieben Minuten

34.Spieltag, 27.06.2020 15:30 Uhr

Werder Bremen

6

1. FC Köln

1

Tore:

  • 1:0 Osako (22.)
  • 2:0 Rashica (27.)
  • 3:0 Füllkrug (29.)
  • 4:0 Klaassen (55.)
  • 5:0 Osako (58.)
  • 5:1 Drexler (62.)
  • 6:1 Sargent (68.)

Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Friedl - Vogt (81. Bargfrede) - M. Eggestein, Klaassen (75. Bartels) - Osako (87. Pizarro), Füllkrug (46. Sargent), Rashica (87. Bittencourt)
1. FC Köln: T. Horn - Leistner (34. Höger), Bornauw, Czichos - Ehizibue, Drexler, Skhiri, Jakobs (75. Lemperle), Rexhbecaj (46. Thielmann) - Uth (46. Katterbach), Modeste (75. Clemens)
Zuschauer:

Weitere Daten zum Spiel

Möglich machte Werder das durch eine Gala gegen Köln - mit gewitzter Einleitung. Vor dem Abstiegsendspiel erklang im Weserstadion die Vereinshymne von Union Berlin. Und als ob es die "Eisernen" gehört hätten, ließen sich diese nicht lumpen. In der 26. Minute gingen die Berliner mit 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf in Führung - durch ein Tor des Ex-Bremers Anthony Ujah. An der Weser markierte nur eine Minute später Milot Rashica bereits das 2:0 für die Hanseaten, nachdem Yuya Osako die Führung besorgt hatte (22.). Füllkrug, nach seinem Kreuzbandriss erstmals wieder in der Startelf, kurbelte kurze Zeit später den Werder-Wahnsinn weiter an, erhöhte auf 3:0 (29.). Drei Bremer Tore innerhalb von sieben Minuten - wären Fans im Weserstadion gewesen, es hätte Ausnahmezustand geherrscht.

Werder spielte jetzt wie im Rausch, auch ohne Zuschauer. Davy Klaassen staubte zehn Minuten nach dem Seitenwechsel ab - 4:0 (55.). Osako stellte kurze Zeit später auf 5:0 (58.). Und Düsseldorf? Die Fortunen hatten in Berlin in der 54. Minute bereits das 0:2 kassiert (Christian Gentner traf) und brauchten nun drei Tore, um das Ruder noch einmal herumzureißen.

Sargent setzt den Schlusspunkt - Pizarro eingewechselt

Es lief alles für die Bremer, die nach einer Nachlässigkeit aber das 1:5 durch Dominick Drexler hinnehmen mussten (62.). Aus der Bahn warf es die Grün-Weißen nicht. Josh Sargent, für Füllkrug nach der Pause eingewechselt, traf zum 6:1 für die Kohfeldt-Elf (68.). Die Partie war endgültig gelaufen und aus Berlin kam die Meldung des dritten Treffers der "Eisernen". Kohfeldt nutzte die Chance und brachte sogar noch Werder-Legende Claudio Pizarro ins Spiel, der seine herausragende Karriere nach der Saison beendet. Ein Abschieds-Tor war dem Peruaner nicht mehr vergönnt. Dafür hat "Piza" jetzt ja noch zwei weitere Spiele Zeit, was wohl die wenigsten gedacht hätten.

11:04
Sportclub

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 28.06.2020 | 22:30 Uhr

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