Stand: 29.07.2020 14:11 Uhr

Werder Bremen plant Verträge mit Krisen-Klausel

Werder Bremens Sportchef Frank Baumann © imago images / foto2press
Sportchef Frank Baumann will an die Verträge der Werder-Profis ran.

Wer künftig für Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga spielen will, muss wohl eine Klausel der besonderen Art in seinem Vertrag akzeptieren. Wie Sportchef Frank Baumann dem "Weser-Kurier" sagte, wollen die Grün-Weißen als Lehre aus der Corona-Krise die Arbeitspapiere mit den Profis modifizieren. "Es gibt Bestrebungen, eine solche Klausel einzubauen, um das finanzielle Risiko nach einem unvorhergesehenen Ereignis abzufedern." In Zukunft soll dieser Krisen-Zusatz in Vertragsgesprächen mit den Spielern und deren Beratern thematisiert werden. "Ich gehe davon aus, dass wir das bei allen Spielern mit in die Verträge nehmen werden", sagte Baumann.

DFL kann keinen Einfluss nehmen

An einen Einbau einer möglichen Klausel in die Musterverträge der Deutschen Fußball Liga (DFL) glaubt Baumann dagegen nicht: "Weil es um finanzielle Auswirkungen zwischen Verein und Spieler geht. Da möchte die DFL keinen Einfluss nehmen und kann das auch nicht. Der 44-Jährige rechnet jedoch mit einer entsprechenden Empfehlung der DFL. Fraglich ist, ob sich die Spieler darauf einlassen, wenn andere Vereine nicht mitziehen.

Finanzexperte: Staatshilfen legitim

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Werder hatte daher einen Hilfskredit bei der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aufnehmen müssen - dem Vernehmen nach in Höhe von 15 Millionen Euro. Während der Corona-Krise musste ein Großteil der Werder-Mitarbeiter in Kurzarbeit, die Profis verzichteten auf einen Teil ihrer Gehälter.

Während der Sportökonom Wolfgang Maennig im NDR-Interview Kritik an Staatshilfen für Fußballprofis übte, hält der Wirtschafts- und Finanzexperte Rudolf Hickel solche Kredite für legitim. Im "Weser-Kurier" sagte der 78-Jährige, der viele Jahre das Institut Arbeit und Wirtschaft an der Universität Bremen geleitet hat: "Die Kosten der Schließung des Profifußballs an der Weser wären gegenüber der preiswerten Kredithilfe gigantisch." Zudem koste die Finanzhilfe den Staat letztlich nichts: "Die staatliche Risikoübernahme sowie der angemessene Zinssatz, den Werder bezahlt, ist für die Banken ein gutes Geschäft", sagte Hickel.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 29.07.2020 | 14:25 Uhr

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