Stand: 04.03.2019 11:07 Uhr

Doll und Hannover 96: Ich hier und ihr da drüben

von Matthias Heidrich, NDR.de
Hannover-Trainer Thomas Doll war nach dem 1:5 in Stuttgart konsterniert.

Hannover 96 präsentiert sich wie ein Bundesliga-Absteiger und Trainer Thomas Doll rechnet mit seinem Team ab - wieder einmal. Emotional verständlich, doch so wird kein Fußballwunder gelingen.

"Anfängerfehler", "Grottenkick", "ein Auftritt, für den man sich wirklich schämen muss": Hannover-96-Trainer Thomas Doll ließ nach der 1:5-Pleite beim VfB Stuttgart kein gutes Haar an seiner Mannschaft. Angesichts der Leistung, die sich wie ein vorzeitiger Bundesligaabstieg der Niedersachsen anfühlte, emotional verständlich. Auf der anderen Seite stellt sich nach Dolls neuerlicher Abrechnung mit seinem offensichtlich nicht bundesligatauglichen Team die Frage: Wie will der Coach eine Mannschaft hinter sich bringen, die er ständig öffentlich an den Pranger stellt?

Dolls Rhetorik keine Basis

Auch wenn in Hannover angesichts von fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsrang und sieben auf das rettende Ufer nun Weltuntergangsstimmung herrscht: Der Klassenerhalt ist weiter möglich, zumal noch zehn Spiele zu spielen sind. Doch Dolls Rhetorik seit Amtsantritt nach dem Motto "Ich hier und ihr da drüben" ist keine Basis, um ein kleines Fußballwunder zu schaffen. Es wirkt fast so, als wäre der ehemalige Weltklassespieler persönlich beleidigt. "Ich habe mir das alles ganz anders vorgestellt, auch meine Rückkehr in die Bundesliga. So macht es zurzeit überhaupt keinen Spaß", sagte der 52-Jährige am Sonntag.

Viel "Ich", wenig "Wir"

Das Wörtchen "Ich" war ziemlich oft zu hören bei dem Malchiner. "Wir" kam eher weniger vor. "Dafür bin ich nicht zurück in die Bundesliga gekommen. Mir geht diese Situation total auf den Sack." Dabei sucht der Beobachter beim Blick auf die von Doll zu verantwortenden Spiele (vier Niederlagen, ein Sieg) immer noch verzweifelt nach einer Idee, wie die von Verletzungen gebeutelte und schlecht zusammengestellte Mannschaft trotzdem funktionieren könnte. Unter Vorgänger André Breitenreiter war davon mehr zu sehen. Doll scheint mit seinem Latein bereits am Ende, obwohl er erst seit gut einem Monat im Amt ist. Er ist trotzdem überzeugt von seiner Arbeit: "Ich bin von morgens um 8 Uhr bis abends um 20 Uhr im Stadion. Wenn ich nicht nahe an der Mannschaft bin, ist es niemand", sagte Doll: "Wenn es besser für den Club wäre, wäre ich der Erste, der die Tasche packt und sagt: Macht es ohne mich."

Was sagt eigentlich Horst Heldt dazu?

Apropos schlecht zusammengestellte Mannschaft: Nach dem 96-Offenbarungseid von Stuttgart hätte der geneigte Hannover-Fan sicherlich auch gerne eine Einschätzung von Horst Heldt gehört. Doch der Manager, der für den Kader und den Austausch auf der Trainer-Position verantwortlich zeichnet, ward vor keinem Mikrofon zu sehen. Er verließ das Stadion aufgrund einer "familiären Angelegenheit" kommentarlos.

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Sportclub | 03.03.2019 | 22:50 Uhr