Stand: 30.06.2018 10:44 Uhr

Rekordmann Jonathas verlässt Hannover 96

Abschied auf Raten: Jonathas wechselt zunächst auf Leihbasis nach Brasilien - und dann ganz?

Wenn Hannover 96 am Montag in die Vorbereitung startet, wird Jonathas fehlen. Der Brasilianer, der 2017 für die Rekordablöse von rund neun Millionen Euro von Rubin Kasan an die Leine gewechselt war, hat die "Roten" verlassen. Der bullige Angreifer wechselt zunächst auf Leihbasis für ein Jahr zu den Corinthians nach São Paulo. Der brasilianische Erstligist sicherte sich allerdings auch eine Kaufoption. "Wir finden es schade, dass Johnny uns verlässt, haben aber Respekt vor dem Wunsch des Spielers", sagte 96-Manager Horst Heldt.

Der Wechsel hatte sich in den vergangenen Wochen bereits angedeutet. Über seine Social-Media-Kanäle verbreitete der 29-Jährige regelmäßig Bilder von seinem Training in Brasilien - er fehlte jedoch, als seine Mitspieler in Hannover in den vergangenen Tagen die obligatorischen medizinischen Untersuchungen absolvierten. Jonathas hatte im vergangenen Jahr mit einigen Verletzungen zu kämpfen und kam nur zwölfmal zum Einsatz.

"Er hatte unsere Erwartungen übertroffen"

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Präsident Martin Kind hatte deshalb zuletzt öffentlich erklärt, Trainer André Breitenreiter und Heldt müssten entscheiden, ob sie dem Spieler noch ein Comeback bei den Niedersachsen zutrauen würden. Die Worte des Managers legen nun nahe, dass die Antwort ein "Jein" war. "Bevor ihn im letzten November eine schwere Verletzung über Monate zurückgeworfen hat, hat er im 96-Trikot Super-Leistungen gezeigt und unsere Erwartungen an ihn übertroffen", betonte Heldt: "In diesem Jahr hatte Johnny privat eine schwere Zeit nach einem Schicksalsschlag, daraus ergeben sich seine Beweggründe für den Wechsel nach Brasilien, die wir sehr gut nachvollziehen können."

Jonathas' Einstand war in der Tat verheißungsvoll: Der teuerste Neuzugang der Clubgeschichte traf im ersten Einsatz zum 1:0 gegen Schalke, nach sechs Bundesliga-Spielen hatte er drei Tore und drei Vorlagen verbucht. Doch danach kamen die Verletzungen: Oberschenkelzerrung, Sehnenanriss, Muskelfaserriss. Auch mit Migräne soll Jonathas zu kämpfen haben. Im April ereilte den Familienmenschen zudem die Schock-Nachricht vom Tod seines Vaters. In den weiteren sechs Einsätzen kam keine Torbeteiligung mehr hinzu.

"Die Familie steht für mich über allem"

"Aus meiner Zeit bei Hannover 96 nehme ich viele schöne Erinnerungen mit nach Brasilien - begonnen natürlich mit dem Tor bei meinem ersten Jokereinsatz", sagte Jonathas, der nach zehnjähriger Europa-Tour durch die Niederlande, Italien, Spanien, Russland und Deutschland mit neun Clubs wieder "in der Nähe all meiner Lieben" sein wollte. "Ich habe nun ganz bewusst entschieden, dass ich wieder in meiner Heimat spielen möchte. Die Familie steht für mich über allem."

Vertrag lief noch bis 2020

Dass 96 ihm keine Steine in den Weg gelegt hat, dürfte auch mit einer guten Nachricht zu tun haben: Niclas Füllkrug bleibt in Hannover. Der Abgang von Jonathas lässt sich so verschmerzen. Auch wenn die Suche nach Offensiv-Verstärkungen für die neue Saison weitergehen dürfte. Durch den Abgang von Jonathas Cristian de Jesus Mauricio, wie er mit vollem Namen heißt, wird nun Geld für weitere Zugänge frei. Zu Vertragsdetails und der Leihgebühr machten die "Roten" zwar wie üblich keine Angaben, 96 spart allerdings das sicher üppige Gehalt, das bis zum Ende des Kontrakts bis 2020 noch gezahlt werden müsste.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 29.06.2018 | 22:40 Uhr

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