Stand: 26.10.2018 17:30 Uhr

Florent Muslija - Hannovers neuer Zauberfuß

Zwei Bundesligaspiele, zwei Tore - Florent Muslijas Leistungskurve zeigt nach oben.

Jan Simak, Szabolcs Huszti, Lars Stindl, Christian Pander - Fußball-Bundesligist Hannover 96 hatte schon immer gute Freistoßschützen - in dieser Saison ist eigentlich Pirmin Schwegler bei den Niedersachsen für den ruhenden Ball zuständig. Eigentlich, denn vergangene Woche beim 2:2 in Leverkusen überließ der 31 Jahre alte Routinier Florent Muslija die Ausführung. Mit Erfolg: Der Youngster zauberte den Ball spektakulär in die Maschen. "Ich sehe mich als Standard-Schützen - auch für direkte Freistöße", meldete der 20-Jährige anschließend Ansprüche an. Im NDR Hörfunk warb er indirekt um eine erneute Nominierung für das Heimspiel der Niedersachsen am Sonnabend gegen den FC Augsburg: "Das kann für solche Spiele eine Waffe sein."

Frech, unbekümmert, selbstbewusst

Tatsächlich darf Muslija nach seinem Startelf-Debüt darauf hoffen, nun auch im heimischen Stadion erstmals von Beginn an aufzulaufen. Trainer André Breitenreiter wollte dem Youngster am Donnerstag auf der Pressekonferenz zum Spiel gegen Augsburg keine Garantie geben ("Er ist eine Option"), angetan von seinem Neuzugang, der im Sommer vom Karlsruher SC kam, ist er aber dennoch. "Er strotzt vor Selbstvertrauen, ist frech und unbekümmert. Er war beweglich, hat sich auch in den Dienst der Mannschaft gestellt", lobte der 96-Coach den Auftritt des offensiven Mittelfeldspielers in Leverkusen, der top motiviert von seinem Länderspieleinsatz für die deutsche U20 wiederkam. Gegen die Schweiz erzielte Muslija ebenfalls ein wunderschönes Freistoßtor.

Aber seine Klasse zeigt sich nicht nur bei Standards: Der 20-Jährige ist darüberhinaus schnell und mit einer feinen Technik gesegnet. So suchte er immer wieder Eins-gegen-Eins-Situationen, tunnelte beispielsweise WM-Teilnehmer Julian Brandt. Ab und zu verdribbelte sich der Youngster auch, was ihm einen kleinen Rüffel von Horst Heldt einbrachte: "Vielleicht kann er in der einen oder anderen Situation den Ball noch früher spielen." Doch der Sportchef ist auch überzeugt: "Wir werden an ihm noch viel Freude haben. Er ist ein Beispiel für den Weg, den Hannover gehen muss", sagte er.

Vorbild Lars Stindl

In Leverkusen stellte Breitenreiter Muslija mutig auf der Zehnerposition auf. "Ich komme hauptsächlich über das Zentrum. Aber ich spiele da, wo der Trainer mich hinstellt", erklärte Muslija, der in Hannover auf Stindls Spuren unterwegs ist: "Für meinen Werdegang ist er ein Vorbild. Er hat sich in seiner Zeit in Hannover toll entwickelt", sagte er über den heutigen Gladbacher, der einst wie Muslija aus Karlsruhe kam und an der Leine zum Leistungsträger und Kapitän wurde.

Die Aussichten, dass in Muslija ein zweiter Stindl heranwächst, sind gut - an mangelndem Selbstbewusstsein jedenfalls wird die Entwicklung nicht scheitern. So setzte sich der Youngster bei seinem Kunstschuss in Leverkusen über den Rat seines erfahrenen Torwarts Michael Esser hinweg: "Ich habe ihm gesagt, er soll ihn in die Torwartecke schießen", sagte der Keeper. "Ich habe das getan, was ich für richtig halte", hielt Muslija dem mit einem Lächeln entgegen. Wenn er das gegen Augsburg erneut so erfolgreich macht, dürfte aus dem Lächeln ein breites Grinsen werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 27.10.2018 | 15:00 Uhr