Stand: 17.04.2018 11:25 Uhr

HSV - Was würde ein Abstieg die Stadt kosten?

Der drohende Abstieg des Hamburger SV aus der Fußball-Bundesliga bereitet nicht nur den Fans, sondern auch der Politik und Wirtschaft in der Hansestadt große Sorgen. Die Marke HSV ist ein wichtiger Image- und Wirtschaftsfaktor der Elbmetropole, auch wenn die sportlichen Erfolge des Clubs lange zurückliegen. "In ganz Deutschland und Europa verbindet man Hamburg mit dem HSV", sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher. Der HSV sei von "außerordentlicher Bedeutung" für die Stadt, ergänzte der SPD-Politiker, für den der Abstieg eine "Tragödie" wäre.

Tourismus befürchtet Einbußen

Auch Michael Otremba, Chef der Hamburg Tourismus GmbH, befürchtet negative Auswirkungen für seine Branche: "Sport ist ein Feld, das auch die Prosperität einer Stadt durchaus zeigt. Von daher fehlt uns bald ein sehr scheinender Star", sagte der 47-Jährige dem "Hamburg Journal". Bis zu 5.000 Fans würden den Besuch eines Fußballspiels im Volksparkstadion mit einer Übernachtung in Hamburg verbinden. In der Zweiten Liga würde diese Zahl sinken, so Otremba, der auch Einbußen für die Gastronomie und den Einzelhandel befürchtet. Es macht eben einen Unterschied, ob der FC Bayern München in Hamburg spielt oder der SV Sandhausen.

40 Prozent weniger Einnahmen für den HSV

Der HSV erwartet in der Zweiten Liga bis zu 40 Prozent weniger Einnahmen aus TV-Geldern, Sponsoring und Ticketverkäufen. Aber auch der Standort Hamburg als Arbeitgeber würde die Auswirkungen eines Bundesliga-Abstiegs spüren. Prof. Dr. Henning Vöpel, Leiter des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), beziffert die jährliche Wertschöpfung, die der HSV über Hotelübernachtungen, Kneipenbummel, Taxifahrten oder Shoppingtouren für die Hansestadt generiert, auf bis zu 100 Millionen Euro: "Übersetzt sind das 700 bis 800 Arbeitsplätze. Das ist jetzt nicht überragend viel, aber doch ein Standortfaktor." Bei einem Abstieg würden ein Teil dieser Wertschöpfung und eben auch ein Teil dieser Arbeitsplätze wegfallen - Vöpel rechnet mit 200 bis 300.

Dauerhafte Zweitklassigkeit droht

Jedes Jahr, das der HSV nicht der Bundesliga spiele, bedeute eine Vergrößerung des Abstandes zu den anderen Vereinen, erklärte der Wirtschaftsfachmann. "Wir haben gerade im Fußball eine Situation, in der sehr viel Geld zu verdienen ist. Und wenn man da nicht mitverdient, wird der Abstand größer." Vöpel zeichnet ein düsteres Szenario für die Stadt: "Es droht die Gefahr, dauerhaft der Zweiten Liga zugehörig zu sein und im Grunde kaum noch Chancen zu haben, in die Erste Liga aufzusteigen."

Wo spielt Hamburg noch erstklassig?

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 17.04.2018 | 19:30 Uhr

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