Stand: 14.03.2018 17:00 Uhr

Von Heesen: HSV-Comeback mit Diskussionsstoff

Thomas von Heesen ist zurück in offizieller Funktion beim krisengeschüttelten Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, als Ansprechpartner für den neuen Trainer und Bindeglied zum Vorstand. Diese Personalie ging am Montag beim ersten größeren Nachbeben im Volkspark, als Bernd Hollerbach gehen musste und Christian Titz übernahm, ein wenig unter. Dabei laufen abseits des Rasens nun die Fäden bei dem 56-Jährigen zusammen, der im Februar 2015 seinen Hut als stellvertrender Aufsichtsratsvorsitzender HSV Fußball AG genommen hatte. Aber was genau macht der ehemalige Spielgestalter, der 14 Jahre für die Hanseaten gespielt hat (426 Partien, 116 Tore), jetzt beim Dino?

Sparringspartner und Bindeglied

"Ich bin im ständigen Austausch mit den Spielern und auch der Trainer braucht jemanden, mit dem er sich austauschen kann", sagte von Heesen am Mittwoch. Für die zukünftige strategische Ausrichtung des Vereins oder die Mannschaftsplanung für die kommende Saison sei er nicht zuständig. "Das ist nicht vorgegeben oder geplant. Da gibt es klare Absprachen." Allerdings hatte Vorstandschef Frank Wettstein erklärt, dass von Heesen auch Ansprechpartner für die Spielerberater sei. So gesehen wird der Europokalsieger von 1983 wohl gar nicht darum herumkommen, beim HSV auch ein bisschen Neuaufbau zu betreiben. "Als Sparringspartner für das Trainerteam und Bindeglied zu Direktor Sport Bernhard Peters und auch zu mir im Vorstand", so Wettstein.

Über Erfahrung verfügt der 56-Jährige jedenfalls. Seine Verdienste als Trainer oder Sportchef bei Stationen in Hannover, Saarbrücken, Nürnberg, Limassol, Kapfenberg und Danzig lesen sich allerdings eher bescheiden. Die Arminia führte von Heesen als Trainer 1999 immerhin zum Aufstieg in die Bundesliga.

Treffen mit dubioser Sportmarketingfirma "Doyen Sports"

Mit von Heesens Installation als Interimsmanager kochte auch sofort eine Episode der jüngeren HSV-Vergangenheit aus dem März 2015 hoch. Der "Spiegel" deckte im Zuge seiner "Football Leaks"-Recherchen Ende 2016 auf, dass sich von Heesen zu dieser Zeit mit Unterhändlern der Sportmarketingfirma "Doyen Sports" getroffen hatte, nur wenige Tage nach seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat. Hinter der in Malta registrierten Firma mit Sitz in London steht der kasachisch-türkische Arif-Familienclan. Die "Spiegel"-Recherchen förderten zutage, mit welchen dubiosen und zum Teil auch illegalen Methoden "Doyen Sports" arbeitet.

Demnach soll von Heesen Doyen Spieleranteile von sechs HSV-Profis, darunter Pierre-Michel Lasogga, Cléber, Jonathan Tah und Maximilian Beister, für 12,2 Millionen Euro angeboten haben. Zu diesem Zeitpunkt war das vom Fußball-Weltverband FIFA auf den Weg gebrachte Verbot TPO ("Third Party Ownership") - die Beteiligung Dritter an Spielerrechten - bereits beschlossen und trat wenig später, im Mai 2015, in Kraft. Zur Erinnerung: In dieser Zeit ging es dem HSV finanziell derart schlecht, dass Mäzen und Investor Klaus-Michael Kühne dem Club im November 2015 mit einem Millionen-Darlehen über eine Liquiditätslücke hinweghalf.

"Dietmar Beiersdorfer hat das Gespräch geführt"

Am Mittwoch nahm von Heesen zu den Vorgängen aus dem Jahr 2015 Stellung und schilderte es ein wenig anders: "In Absprache mit Dietmar Beiersdorfer (Anm. d. Red.: damaliger Vorstandschef des HSV) sind wir auf Anfrage von Doyen nach London geflogen. 'Didi' hat das Gespräch geführt. Ich hatte keine Handlungsbefugnis und keinen Auftrag der HSV Fußball AG. Ich bin einfach nur mitgeflogen. Am Ende des Tages hat sich herausgestellt, dass dieses Geschäftsmodell überhaupt nicht infrage kommt", sagte der 56-Jährige.

Wettstein, der schon damals Finanzvorstand beim HSV war, hatte sich bereits am Montag zu dem Thema geäußert: "Das ist für mich überhaupt kein Problem. Ich kann inhaltlich dazu nichts sagen, weil ich in die Gespräche nicht eingebunden war." Für den Club ist das Thema also abgehakt. Im Volkspark soll der Blick nur nach vorne gehen - zum Spiel gegen die Hertha.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 18.03.2018 | 22:50 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/sport/fussball/Bundesliga-Hamburg-HSV-von-heesen,hsv20468.html

Mehr Sport

04:17
NDR//Aktuell

FIFA WM: DFB-Team trainiert für Schweden-Spiel

21.06.2018 14:00 Uhr
NDR//Aktuell
29:59
Sportclub
03:52
NDR//Aktuell

FIFA WM: DFB-Elf blickt nach vorn

20.06.2018 14:00 Uhr
NDR//Aktuell