Stand: 13.03.2018 14:36 Uhr

Titz: Tausendsassa, Taktik-Fuchs und HSV-Trainer

von Matthias Heidrich, NDR.de

"Herr Titz, wir schaffen es, wir schaffen es. Wir werden es schaffen." Aufmunternde Worte und auch ein wenig Applaus der Fans begleiteten Christian Titz bei seinem ersten Auftritt als HSV-Chefcoach am Dienstag. Der 46-Jährige, der nach Markus Gisdol und dem am Montag beurlaubten Bernd Hollerbach schon der dritte Trainer in dieser Saison beim abstiegsbedrohten Bundesligisten ist, lachte, winkte und stellte nach der ersten rund zweistündigen Trainingseinheit klar: "Ich beschäftige mich nur mit einem Spiel, und zwar dem gegen Hertha BSC."

Fokus auf das Hertha-Spiel

Am Sonnabend (15.30 Uhr, im NDR Livecenter) empfängt der Tabellenvorletzte den Hauptstadtclub. Bei einer weiteren Niederlage könnte der erneute Trainerwechsel schnell wieder verpufft und auch die letzte Hoffnung passé sein. "Ich weiß, dass es eine schwierige Aufgabe ist, ich kann die Tabelle lesen. Aber wir haben am Samstag ein Spiel, bei dem wir sehr viel rumreißen können. Deswegen liegt der Fokus darauf." Mit seiner persönlichen Zukunft über diese Saison hinaus beschäftige er sich nicht. "Das darf ich auch gar nicht, das würde mich von der eigentlichen Aufgaben ablenken."

Ein "Fußball-Nerd" aus Mannheim

Christian Titz im Stenogramm

Geboren: 1. April 1971 in Mannheim
Vereine als Spieler: SV Sandhausen (Junioren), SG Egelsbach, SC Idar-Oberstein, SV Waldhof Mannheim
Vereine als Trainer: Alemannia Aachen U19, U15-Auswahl der USA, 1. FC Passau, Viktoria Köln, FC 08 Homburg, Hamburger SV
HSV-Werdegang: 2014 übernahm Titz die U17, seit 2017 ist er Coach der Regionalliga-Mannschaft und führte das Team in dieser Saison an die Tabellenspitze. Seit 12. März Bundesliga-Coach der Hanseaten.

Der HSV-Plan mit Titz lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Das Heimspiel gegen Hertha muss gewonnen werden, egal wie. Dann steht die Länderspielpause an und Titz hätte die Möglichkeit, das seit Monaten taktisch und fußballerisch irrlichternde Team auf Vordermann zu bringen. "Ich bin ein Trainer, der für eine eigene Spielidee steht. Wir werden mit der Mannschaft am Spiel mit dem Ball arbeiten, um Lösungen zu finden, wie wir in der Offensive mehr zum Erfolg kommen können", so Titz.

Holtby: "Er hat einfach diesen Fußball-Wahnsinn in sich"

Wer sich mit der Vita des 46-Jährigen beschäftigt, dem wird schnell klar, dass der gebürtige Mannheimer ein "Fußball-Nerd" ist: Der staatlich geprüfte Betriebswirt und diplomierte Sportmanager war als Taktikexperte bei Welt- und Europameisterschaften und als Europa-Scout für den US-Verband tätig. Er hat mehr als 50 E-Books zum Thema Trainingslehre verfasst und ist der Mitinhaber des Internet-Portals "Coaching Zone". Als Individualtrainer hat er bereits einen aktuellen Profi des HSV betreut: Lewis Holtby. "Er hat einfach diesen Fußball-Wahnsinn in sich", hat der einmal über Titz gesagt. Als Jugendcoach beim HSV hat er zudem bei der U17 und später auch bei der U21 Talente wie Jann-Fiete Arp ausgebildet. Kurzum: Das Einmaleins der Fußballlehre hat Titz auf dem Kasten.

Jede Menge Vorschusslorbeeren

Bernhard Peters, bei dem sich Titz 2014 vorstellte und der nach eigener Aussage sofort Gefallen an dem gebürtigen Mannheimer fand, lobte den Beförderten in den höchsten Tönen. "Mich beeindruckt seine absolute Leidenschaft. Er ist mit Fleiß und Akribie in allen Bereichen unterwegs und ein sehr ehrgeiziger Mensch", sagte der Direktor Sport des Traditionsclubs.

Jede Menge Vorschusslorbeeren also für den neuen Trainer, der im Profibereich allerdings noch keine Erfahrungen vorweisen kann. Das muss nichts heißen. Da reicht ein Blick zum Rivalen Werder Bremen, das Nachwuchstrainer Florian Kohfeldt gerade mit taktisch anspruchsvollem Offensivfußball zum Klassenerhalt coacht. In dieser Hinsicht haben die HSV-Profis seit Monaten Nachholbedarf. Zuletzt in München kam noch eine Portion Selbstaufgabe mit anschließender Selbstzerfleischung dazu.

Titz: "Alles ist auf Null, auch die Torhüter-Position"

Dies alles wieder einzufangen und "nebenbei" der Mannschaft eine bundesligataugliche Taktik zu verordnen, ist eigentlich eine unlösbare Aufgabe für Titz. Vorstandschef Frank Wettstein hat allerdings klargestellt, dass er dem neuen Mann Rückendeckung gibt: "Sollte das neue Trainerteam Spieler identifizieren, die sich nicht mit ausreichend Engagement den gemeinsamen Zielen widmen, kann es rigoros durchgreifen." Zum Auftakt am Dienstag ließ Titz gleich mal fünf Nachwuchskräfte aus der HSV-II-Mannschaft mittrainieren, die er in der Regionalliga Nord an die Tabellenspitze gecoacht hat. "Dadurch wird der Konkurrenzkampf auf dem Platz angetrieben", sagte der 46-Jährige und fügte hinzu: "Alle haben nun wieder die gleiche Chance, alles ist auf Null, auch die Torhüter-Position."

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Christian Titz hat seine erste Trainingseinheit hinter sich gebracht. Eigentlich war alles wie immer beim HSV. Und deshalb der falsche Ansatz. Eine Glosse von Michael Augustin. mehr

Dieses Thema im Programm:

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