Stand: 08.11.2017 17:45 Uhr

Kühne mischt sich wieder ein und droht dem HSV

Klaus-Michael Kühne lässt die Vereinspolitik beim Hamburger SV nicht kalt.

Kaum hat der Hamburger SV sportlich wieder in die Spur gefunden (3:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart), wird es hinter den Kulissen wieder turbulent. Investor Klaus-Michael Kühne hat sich in den Wahlkampf um den Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten eingeschaltet und mit einem Rückzug als Geldgeber gedroht, wenn das Gremium auf der AG-Hauptversammlung am 18. Dezember nicht in seinem Sinne besetzt werde. Bereits Ende September hatte der 80-Jährige angekündigt, sein Engagement zurückzufahren. Die HSV-Verantwortlichen hüllen sich derweil in Schweigen. Weder der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen noch Vereinspräsident Jens Meier nahmen zu der heftigen Attacke des Milliardärs öffentlich Stellung.

Kühne fordert Mitsprache

"Ich erkläre hiermit, dass ich der HSV Fußball AG zukünftig nur dann eine finanzielle Unterstützung gewähren werde, wenn sie über den von mir befürworteten, unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat verfügt und es diesem gelingt, Persönlichkeiten für die Führung der HSV Fußball AG zu gewinnen, die über große Managementqualität und -erfahrung verfügen", schrieb Kühne am Dienstag in einer Presseerklärung. Als wichtigster Aktionär neben dem HSV e.V. (75,1 Prozent) soll Kühne seinen Anteil an der AG laut "Bild" mittlerweile auf 20 Prozent erhöht haben. Aufgrund seiner Stellung und seines Engagements will er auf einen Vertreter im Rat nicht verzichten.

Knackpunkt Gernandt-Rückzug

Der Milliardär monierte, dass der Aufsichtsrat diesmal nicht aus unabhängigen Persönlichkeiten mit Führungs- und Wirtschaftskompetenz bestehen könnte, sondern aus "größtenteils vereinsabhängigen Personen, die einseitig von Vereinspräsident Meier nach Anhörung eines Beirats bestimmt werden sollen." Aus diesem Grund habe sich sein Vertrauter Gernandt entschlossen, "einem solchen Aufsichtsrat nicht mehr anzugehören".

Kühne fordert "HSVPlus2"-Initiative

Meier, der als Präsident des e.V. automatisch einen Sitz im sechsköpfigen Aufsichtsrat hat, ist befugt, den neuen Aufsichtsrat gemeinsam mit einem dreiköpfigen Beirat zu besetzen. Kühne fordert nun, dass "der voraussichtliche Wahlvorschlag des Vereinspräsidenten nicht zum Zuge kommt", sondern stattdessen eine "'HSVPlus2'-Initiative gestartet wird, die es ermöglicht, dass auch zukünftig ein unabhängiger Aufsichtsrat bestimmt wird".

Offene Kritik an Bruchhagen und Todt

Mit seinen Rekordverbindlichkeiten von 105,1 Millionen Euro und einem Defizit im vergangenen Geschäftsjahr von 13,4 Millionen Euro kann es sich der HSV eigentlich nicht leisten, auf den Mäzen, der sein bisheriges Engagement auf rund 60 Millionen Euro beziffert, zu verzichten. Allerdings sorgt Kühne immer wieder für Unruhe. So watschte er jetzt nebenbei Vorstandschef Bruchhagen und Sportchef Jens Todt ab: "Diese Herren waren im Kampf gegen den Abstieg erfolgreich, schafften es aber nicht, die Mannschaft zur Saison 2017/2018 so zu verbessern, dass sie sich in der Bundesliga-Tabelle gut platzieren konnte. Im Gegenteil, wieder wurde das Thema 'Abstieg' akut", schrieb Kühne in einem Statement.

Kühne: "Das werde ich doch wohl sagen dürfen"

Am Mittwoch veröffentlichte der HSV ein Interview mit Kühne auf seiner Internetseite, um "mehrere offene Fragen zu klären". Inhaltlich bekräftigte der Mäzen allerdings seinen Standpunkt und zeigte sich verwundert über die Vorwürfe, er würde sich in das operative Geschäft des Clubs einmischen. "Ich sehe die Grundausrichtung der HSV Fußball AG stark gefährdet. Und das werde ich als Gesellschafter und auch als Fan doch wohl sagen dürfen", so Kühne. Auf die Frage, ob seine Unterstützung für den HSV damit nun endgültig beendet sei, antwortete der Milliardär ausweichend: "Ich kann es Ihnen noch nicht sagen. Ich werde mir die weitere Entwicklung sehr genau ansehen. Ich traue starken Leuten an der Spitze und entscheidungsfreudigen sportlich Verantwortlichen sowie Trainer Markus Gisdol zu, dass sie in dieser Saison einen weiteren wichtigen Schritt aus dem Tabellenkeller machen werden."

Kühne-Empfehlung bei Müller und Arp

Die Namen Bruchhagen und Todt nahm er nicht nochmal in den Mund. Wohl aber die von zwei Spielern. Er wünsche sich für den HSV "Punkte, Punkte, Punkte, und dass sich Aufsichtsrat, Vorstand und Sportdirektor handlungs- und entscheidungsfreudig zeigen, was die Vertragssituation von Nicolai Müller und Fiete Arp angeht".

Dieses Thema im Programm:

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