Stand: 08.03.2018 21:31 Uhr

Tabula rasa beim HSV: Aus für Bruchhagen und Todt

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Der HSV hat sich von Heribert Bruchhagen (l.) und Jens Todt getrennt.

Vorstandschef Heribert Bruchhagen freigestellt, Sportdirektor Jens Todt beurlaubt: Nur 18 Tage nach seinem Comeback beim Hamburger SV hat Bernd Hoffmann beim Bundesliga-Tabellenvorletzten hart durchgegriffen und in der schlimmsten Krise der Vereinsgeschichte einen personellen Neuanfang ausgerufen. "Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass wir die Neuausrichtung des HSV jetzt unmittelbar beginnen müssen", sagte der erst am 18. Februar gewählte Präsident des Gesamtvereins, der seit Mittwochabend auch neuer Aufsichtsratschef der HSV Fußball AG ist. Der bisherige Finanzvorstand Frank Wettstein übernimmt zunächst die operative Führung der AG. Als Hoffmanns Stellvertreter wurde Max-Arnold Köttgen bestimmt. Der bisherige Chef des Kontrollgremiums, Michael Krall, bleibt einfaches Mitglied.

Suche nach Sportvorstand ohne Hektik

Hoffmann bezeichnete die Beurlaubung von Bruchhagen und Todt als notwendig, der Aufsichtsrat habe einstimmig entschieden, personell in eine neue Phase einzutreten: "Das ist der Neustart. Und wir arbeiten alle gemeinsam entweder am Wunder oder an der Zweiten Liga." Gesucht werde nun ein neuer Sportchef, der im Vorstand verankert werden soll. Ohne Hektik: "Wir werden nicht den Fehler der letzten Jahre machen, sofort eine neue Lösung auf einer Position zu präsentieren."

Der ehemalige Vorstandsboss des HSV (2003 bis 2011) verwies dabei auf den VfB Stuttgart. Der hätte vor zwei Jahren ebenfalls spät Personalentscheidungen getroffen und sei dann wieder aufgestiegen: "Wir erstellen ein konkretes Anforderungsprofil und werden einen geordneten Prozess angehen, mit dem wir den besten Kandidaten für den HSV finden wollen." Der neue Sportchef könne durchaus jemand sein, der jetzt andernorts in Lohn und Brot stehe. Die Aufgaben der Mannschaftsplanung sollen im Moment Sportdirektor Bernhard Peters und Chefscout Johannes Spors übernehmen. "Wir werden einen wettbewerbsfähigen Kader haben", unterstrich Hoffmann.

Was wird aus Hollerbach?

"Wir sind voll handlungsfähig", beteuerte auch Wettstein: "Wir laufen keine Gefahr, dass der HSV auseinanderfliegt." Zur Zukunft des noch sieglosen Trainers Bernd Hollerbach sagte der bisherige Finanzvorstand: "Stand heute halte ich einen Trainerwechsel für nicht möglich. Wir werden die sportliche Entwicklung als Team entscheiden und Bernd Hollerbach ist Bestandteil dieses Teams." Der Coach bereitet die Mannschaft derzeit auf das schwere Auswärtsspiel am Sonnabend (15.30 Uhr, im NDR Livecenter) beim designierten Meister FC Bayern vor und riet seinen Spielern, sich von der Führungskrise des Clubs nicht beeindrucken lassen: "In den letzten Wochen und Monaten war es immer unruhig. Ich sage ihnen, dass sie im Moment nicht so viel lesen sollen." Er sei "von Herrn Wettstein informiert worden, dass er der neue starke Mann im Verein ist. Ich konzentriere mich auf die Spieler, die ich habe. Alles andere werde ich die nächsten Tage dann erfahren."

Bruchhagen: "Drücke dem HSV weiter die Daumen"

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Der personelle Umbruch erfolgte in einer Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend. Als erste Personalentscheidung berief der neu aufgestellte Aufsichtsrat Bruchhagen ab und setzte Wettstein als kommissarischen Vorstandsvorsitzenden ein. Wettstein wiederum beurlaubte anschließend Sportchef Todt. "Er schien mir von der Entscheidung nicht überrascht zu sein", sagte der Finanzfachmann. Bruchhagen reagierte mit Verständnis auf seine Freistellung. Er übernehme die Verantwortung für die sportliche Krise und wünsche den Hanseaten bei der Neuausrichtung alles Gute, so der 69-Jährige: "Was für den HSV das Beste ist, ist auch für mich richtig. Ich drücke dem HSV weiter die Daumen."

Hoffmann, der unterstrich, nicht neuer Vorstandsboss werden zu wollen, dankte Bruchhagen für dessen Engagement: "Heribert Bruchhagen hat sich stets schützend vor unseren Club gestellt. Ihm war und ist sehr daran gelegen, dass der HSV die aktuelle sportliche Talsohle überwindet. Es ist keine Trennung im Streit." Der Vertrag des 69-Jährigen war erst im vergangenen Dezember bis 2019 verlängert worden. Todts Arbeitspapier lief bis Ende 2018.

HSV: Vom Spitzenclub zum Absteiger

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 11.03.2018 | 22:50 Uhr

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