Stand: 19.02.2018 11:58 Uhr

Allein kann Hoffmann den HSV nicht retten

von Sebastian Ragoß, NDR.de
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Der neue HSV-Präsident Bernd Hoffmann.

Die Sehnsucht nach dem einen Heilsbringer, der von heute auf morgen alle Probleme lösen kann, sie ist beim Hamburger SV noch immer weit verbreitet. Obwohl in der Vergangenheit so viele vermeintliche "Retter" gescheitert sind. Für viele tritt der neue Vereinspräsident Bernd Hoffmann nun in diese Rolle, schließlich hat er deutlich ausgesprochen, dass ein "Weiter so" für ihn nicht in Frage kommt und er eine "Trendwende" will.

Nur eines von sechs Aufsichtsratsmitgliedern in der AG

Hoffmann strebt eine Führungsrolle auch innerhalb der HSV Fußball AG an, die für den Profi-Fußball verantwortlich ist. Wie groß ist sein Einfluss aber tatsächlich? Hoffmann hat als Vereinschef einen Platz im sechsköpfigen Aufsichtsrat der AG. Er sitzt dort mit fünf anderen Mitgliedern zusammen, die erst vor zwei Wochen ins Amt gekommen und noch von Hoffmann-Vorgänger Jens Meier vorgeschlagen worden waren. Es bedarf keiner großen Fantasie, um sich auszumalen, dass Hoffmann dort nicht nur mit offenen Armen empfangen wird. Zwar betonte der neue Präsident im NDR Sportclub: "Ich stehe für ein Miteinander." Sehen das seine Aufsichtsratskollegen auch so? Und lässt Hoffmann seinen Worten auch Taten folgen? Die Mitgliederversammlung hat die tiefe Spaltung des Vereins jedenfalls deutlich gezeigt.

Hoffmanns Wunsch, gravierende Veränderungen in die Wege zu leiten, lässt sich aus vielen seiner Aussagen deutlich heraushören, etwa: "Der Erfolg eines Bundesligisten hängt von sieben bis acht Personalien ab. Wir werden alles in der AG auf den Prüfstand stellen." Doch alleine kann der HSV-Präsident überhaupt nichts ändern, schon gar nicht kurzfristig.

Bei einem Abstieg bleibt kein Stein auf dem anderen

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Und doch dürfte ihm bei der Zukunftsgestaltung eine gewichtige Rolle zukommen. Sollte nämlich der sich anbahnende Zweitliga-Abstieg feststehen, dürfte beim HSV kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. AG-Chef Heribert Bruchhagen dürfte dann ebenso Geschichte sein wie Sportchef Jens Todt. Auch Trainer Bernd Hollerbach dürfte trotz Vertrags bis 2019 kaum eine Zukunft haben. Der Totalcrash könnte also eine Chance zum kompletten Neuanfang mit veränderten Strukturen werden, beispielsweise mit dem von Hoffmann geforderten Sportvorstand.

Zunächst dürfte es aber um die Frage gehen: Erhält der HSV überhaupt eine Lizenz für Liga zwei? Hoffmann hat das selbst öffentlich angezweifelt, gleichzeitig aber auch gefordert, sich von Investor Klaus-Michael Kühne wenigstens ein bisschen zu emanzipieren. Doch ohne das Geld des Investors ist der HSV nicht überlebensfähig. Wenn der HSV-Präsident das angeknackste Verhältnis zum Milliardär wieder reparieren könnte, würde er dem Verein damit eine Menge Ärger ersparen. Doch seriös lässt sich derzeit so gut wie nichts voraussagen in Hamburg. Klar ist aber: Allein wird Bernd Hoffmann den tief gefallenen HSV nicht retten.

Dieses Thema im Programm:

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