Stand: 06.07.2020 16:20 Uhr

Thioune wird Hecking-Nachfolger beim HSV

Fußball-Zweitligist Hamburger SV ist bei der Suche nach einem Nachfolger für Trainer Dieter Hecking fündig geworden. Daniel Thioune kommt mit sofortiger Wirkung vom Ligakonkurrenten VfL Osnabrück. Der 45-Jährige, der mit den Niedersachsen den Klassenerhalt geschafft hatte, wechselt mit seinem Co-Trainer Merlin Polzin an die Elbe und erhält beim HSV einen Zweijahresvertrag. Über die Ablösesumme wurde Stillschweigen vereinbart, sie soll dem Vernehmen nach bei 300.000 Euro liegen.

Boldt: Thioune passt zur Neu-Ausrichtung des HSV

"Uns wurde zuletzt immer klarer, dass wir uns anders ausrichten müssen. Wir wollen die Entwicklung in den Fokus stellen - und das verkörpert Daniel mit Haut und Haar", erklärte HSV-Sportvorstand Jonas Boldt bei der offiziellen Vorstellung des neuen Trainers. Thioune sprach von einer "großen Herausforderung, die ich mit viel Fleiß, Teamwork und Herz angehen möchte". Der 45-Jährige bedankte sich bei seinem Ex-Club: "Man hat mir hier den Weg als Trainer im Profibereich ermöglicht. Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge." Man müsse sich auch einmal "aus der Wohlfühloase" lösen: "Vielleicht bin ich dann doch für den Moment etwas schneller gewachsen als das Umfeld."

Erfolg mit bescheidenen Mitteln

Thioune, in Georgsmarienhütte geboren, spielte als aktiver Profi unter anderem beim VfL Osnabrück und beim VfB Lübeck (unter Trainer Hecking).

Weitere Informationen
44 Bilder

Alle HSV-Trainer seit Gründung der Bundesliga

Der Trainerstuhl beim Hamburger SV gleicht seit jeher einem Schleudersitz. Mehr als 40 Übungsleiter haben sich seit 1963 beim HSV versucht. Alle Coaches im Überblick. Bildergalerie

Seine Trainerlaufbahn begann er als Assistent in Ahlen, ehe er ab 2014 im Nachwuchsbereich des VfL tätig wurde. Im Oktober 2017 übernahm er die abstiegsbedrohten Profis in der Dritten Liga und schaffte zunächst knapp den Klassenerhalt. Trotz zwölf siegloser Partien zum Finale bekam er von Vereinsführung das Vertrauen für die Folgesaison: Mit einem Kader, der angesichts der fehlenden finanziellen Mittel allenfalls Drittliga-Durchschnitt war, gelang dann sogar als Meister der Aufstieg in die Zweite Liga und in der abgelaufenen Spielzeit der Klassenerhalt im Bundesliga-Unterhaus. Auch hier war der Personaletat mit acht Millionen Euro eher bescheiden.

"Wir können die sportliche Entscheidung von Daniel Thioune nachvollziehen, nach zweieinhalb äußerst erfolgreichen Jahren als Cheftrainer des VfL Osnabrück nun den nächsten Schritt zu einem der größten Clubs in Deutschland zu machen." Osnabrücks Sportdirektor Benjamin Schmedes

Thioune: "Fernziel Bundesliga"

Thioune gilt als Team-Entwickler, Top-Motivator und ehrgeizig - und er träumt von der Beletage des deutschen Fußballs: "Als Spieler wollte ich in die Bundesliga, habe es aber nicht geschafft. Als Trainer habe ich dieses Fernziel auch", sagte der einstige Stürmer bei seiner Vertragsverlängerung in Osnabrück vor einem Jahr.

Bei den aktuellen sportlichen Zielsetzungen gab sich Thioune jedoch sachlich und zurückhaltend: "Dass der HSV zurück in die Bundesliga möchte, weiß jeder. Aber davon zu reden, bringt uns den Zielen nicht näher. Ich werde vom ersten Tag an mit meinem Team hart daran arbeiten, dass sich alle Spieler weiterentwickeln und wir erfolgreich Fußball spielen." Gleichwohl warb der neue HSV-Hoffnungsträger um Geduld für einen "längeren Prozess": Er habe aber im Kader viele Spieler entdeckt, die "brutales Potenzial" hätten und "den nächsten Step" gehen wollten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 Aktuell | 06.07.2020 | 11:00 Uhr