Stand: 28.09.2018 10:46 Uhr

Asamoah und Pliquett: Derby-Helden für immer

von Florian Neuhauss, NDR.de
Gerald Asamoh (l.) und Benedikt Pliquett standen beim Derby 2011 besonders im Fokus.

Der 16. Februar 2011 hat sich tief ins Fußball-Gedächtnis Hamburgs gebrannt: An jenem Mittwochabend gewann der FC St. Pauli mit 1:0 im Volksparkstadion beim HSV. Die wichtigsten Protagonisten waren Torschütze Gerald Asamoah und Keeper Benedikt Pliquett. Ausgerechnet bei seinem Bundesliga-Debüt, in dem Spiel, das Trainer Holger Stanislawski dem Ersatztorwart "geschenkt" hatte, rettete er St. Pauli den ersten Derbysieg seit 1977. Es war nicht nur ein denkwürdiges Hamburger Stadtduell, in dem Asamoah und Pliquett zu Helden wurden, sondern bis dato auch das letzte. St. Pauli stieg am Ende der Saison ohne einen weiteren Sieg ab - und erst an diesem Sonntag (13.30 Uhr/im NDR Livecenter) treffen die beiden Rivalen im Volksparkstadion wieder aufeinander, zum ersten Mal in der Zweiten Liga.

Asamoah wird "überall" auf sein Tor angesprochen

Dass die Geschehnisse von damals für viele unvergesslich sind, merkt dieser Tage auch Asamoah: "Ich werde überall auf das Tor angesprochen." Persönlich von St.-Pauli-Fans im Ruhrgebiet, wo der 39-Jährige mittlerweile als U23-Manager bei Bundesligist Schalke 04 arbeitet, oder über seine Social-Media-Kanäle. "Die Fans bedanken sich heute noch. Da merkt man genau, was das Tor für eine Bedeutung hat", so Asamoah.

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St. Pauli lebte damals vom großen Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Viele Spieler hatten schon in der Dritten Liga gemeinsam gekickt. Asamoah hingegen war ein Zugereister, spielte nur die eine Saison auf dem Kiez. Doch mit Derbys kannte er sich aus. Mit Hannover 96, seinem ersten Proficlub, spielte er das Niedersachsenderby gegen Eintracht Braunschweig und schoss die “Roten” zur Regionalliga-Meisterschaft. Mit "seinen" Schalkern gelangen ihm zwei Treffer gegen Dortmund. In der Saison 2010/2011 dann Hamburg und natürlich traf "Asa" auch im Hamburger Derby.

"Wurde auf einmal ganz anders angeschaut"

Als 20-Jähriger habe er in Niedersachsen noch nicht verstanden, was ein Derby wirklich ausmacht. Das lernte er dafür umso schneller auf Schalke: "Gegen Dortmund bin ich immer richtig heißgelaufen", sagt der ehemalige deutsche Nationalspieler und lacht. "Mit dem Tor gegen den HSV habe ich dann gemerkt, dass ich auch andere Leute glücklich machen kann. Auf einmal wurde ich ganz anders wahrgenommen, auf einmal wurde ich in der Stadt anders angeschaut."

Pliquett: "Ich gebe keine Interviews mehr"

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Feste druff auf die Raute: Benedikt Pliquett nach dem Derbysieg beim HSV.

Das galt auch für Pliquett, der mit 19 Jahren beim Hamburger SV aussortiert worden war, aber auch auf dem Kiez nur in der zweiten Reihe stand. Der Derbysieg war jedoch nicht nur deshalb eine große Genugtuung: Kurz zuvor war Pliquett, als er mit St.-Pauli-Fans von einer Auswärtsreise zurückkehrte, von Anhängern des HSV überfallen worden.

All das brach sich nach dem Derbysieg Bahn. Jubelnd trat der damals 26-Jährige im Sprung eine der Eckfahnen samt HSV-Flagge um, provozierte Gegenspieler Mladen Petric, indem er sich vor ihm aufbaute, gleich zweimal dessen typischen Bogenschützen-Torjubel nachmachte und ihn auslachte. Im Kabinentrakt soll Pliquett dann noch geschrien haben: "Und ihr habt mich vom Hof gejagt, ihr Lutscher."

Immobilienmarkler und Kneipenbesitzer

Zu all dem will er sich heute nicht mehr äußern. "Ich gebe keine Interviews mehr, da ich so viel glücklicher bin und meine Ruhe habe. Ich brauche keine Öffentlichkeit", teilt Pliquett mit. Zwischenzeitlich verdiente der Ex-Profi als Makler mit Immobilien auf Mallorca und Ibiza sein Geld. Nun betreibt er eine Kneipe auf dem Kiez.

Lob von den alten Weggefährten

Lob gibt es immer noch von den ehemaligen Weggefährten. "'Bene' hat ausgerechnet im Spiel der Spiele das Spiel seines Lebens gemacht. Dass er uns den Sieg rettet, war für ihn mehr als überragend. Gerade auch, weil er das St.-Pauli-Wappen im Herzen getragen hat”, meint Club-Ikone Fabian Boll, der längst hauptberuflich bei der Kriminalpolizei arbeitet, damals aber selbst mit "durchgehend 140 Puls" über den Platz gelaufen ist. Und Asamoah betont: "Er hatte einen super Tag und hat alles gehalten."

Die Kiezkicker waren damals der glückliche Sieger, da sind sich alle einig. Eineinhalb Mal habe man nur aufs Tor geschossen, erinnert sich Boll. Doch der Mittelfeldmotor hielt im entscheidenden Moment den Fuß in die Ecke von Max Kruse und verlängerte den Ball so auf den Kopf von Asamoah. Oder um es mit den Worten von Edelfan König Boris von der Band Fettes Brot zu sagen: "Wir waren natürlich schlechter, das muss man auch sagen. Der HSV war besser. Aber wir haben eben das eine Tor gemacht."

"Das Hamburger Derby hat mir imponiert"

Der 44-Jährige erinnert sich noch gut daran, wie es war, als er zurück nach St. Pauli kam: “In den Bars im Viertel lagen sich die Leute in den Armen. Es war so eine Weihnachtsstimmung." Auch viele Spieler ließen sich die Party nicht entgehen. Asamoah hingegen kann nicht viel über die Nacht der Nächte auf dem Kiez sagen. Der Torschütze war zwanzig Minuten vor dem Ende ausgewechselt worden und wollte nur schnell nach Hause, um das schmerzende Knie zu kühlen. Drei Tage später stand das Auswärtsspiel in Dortmund an (in dem er letztlich fehlte) - ein fast noch wichtigerer Termin für den gebürtigen Ghanaer, dessen Herz als Schalker blau-weiß ist. Trotzdem blickt der 39-Jährige auch siebeneinhalb Jahre später noch freudig zurück: "Ich habe das Hamburger Derby kennenlernen dürfen. Es hat mir imponiert, was da in der Stadt los war." Und das wird auch in der Zweiten Liga nicht anders sein.

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