Stand: 11.06.2020 11:27 Uhr

Allofs' Zweifel: Kann Werder Abstiegskampf?

Klaus Allofs, Ex-Manager von Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg © imago/Rust Foto: Rust
Sorgt sich um Werder: Ex-Manager Klaus Allofs.

Das kleine Zwischenhoch mit sieben Punkten aus drei Partien - jäh beendet. Nach zwei Heimpleiten gegen Eintracht Frankfurt (0:3) und den VfL Wolfsburg (0:1) ist Werder Bremen am Sonnabend in der Auswärtspartie beim Schlusslicht SC Paderborn (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) beinahe schon zum Siegen verdammt, um seine Chancen auf den Klassenerhalt zu wahren. Zumal danach der momentan unschlagbar erscheinende Klassenprimus FC Bayern München (neun Siege in Serie) seine Visitenkarte in Bremen abgibt. Doch sind die Hanseaten dem Druck gewachsen? Klaus Allofs, von 1990 bis 1993 Spieler bei Werder und von 1999 bis 2012 Manager des viermaligen deutschen Meisters, hat diesbezüglich Zweifel.

"Eigentlich ist das eine Mannschaft, die Fußball spielt. Und wenn es über Kombinationen nicht gut läuft, muss man eben in der Lage sein, andere Dinge mit einfließen zu lassen. Und ob sie dann eben diese Physis und Körperlichkeit wie einige andere Clubs haben, das bezweifle ich", sagte der 63-Jährige im Podcast der NDR 2 Bundesligashow.

Bei Abstieg "Dinge in veränderter Form angehen"

Den Bremern droht der zweite Bundesliga-Abstieg in ihrer Vereinshistorie. Die glorreichen Zeiten, in denen Werder unter der Ägide von Allofs das Double (2004) und den DFB-Pokal (2009) holte und zwischenzeitlich Stammgast in der Champions League war - lange vorbei.

Moritz Cassalette und Martin Roschitz stehen sich gegenüber. © istockphoto Foto: Aksonov

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Sollte der schleichende Niedergang des Clubs nun im Sturz in die Zweitklassigkeit münden, befürwortet der frühere Nationalspieler einen klaren Schnitt. "Der Abstieg müsste ein Signal sein, Dinge in veränderter Form anzugehen", erklärte Allofs, der nach seinem Ausscheiden als Manager beim VfL Wolfsburg 2016 bis dato keine neue Aufgabe übernommen hat. Wäre er vielleicht der Richtige für einen Neuaufbau an der Weser? "Man muss im Profifußball prinzipiell zu allen Seiten offen sein. Aber die Wahrscheinlichkeit, zu Werder zurückzukehren, ist sehr, sehr gering", sagte der in Duisburg lebende Ex-Stürmer.

Mit großem Interesse hat der 63-Jährige verfolgt, wie die aktuellen Bremer Verantwortlichen um Geschäftsführer Frank Baumann auf die Kritik von früheren Werder-Granden wie Rune Bratseth und Dieter Burdenski an ihnen reagiert haben, trotz der Krise an Coach Florian Kohfeldt festzuhalten. "Ich glaube, da war man überempfindlich. So ein bisschen Reibung und ein wenig Reizklima tut Werder ganz gut", sagte Allofs, "zumal die Mannschaft unmittelbar nach den vorsichtigen Angriffen von außen erfolgreich war."

Restprogramm für Allofs "lösbar"

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Er selbst sei "zu weit weg", um einschätzen zu können, ob es richtig sei, an Kohfeldt festzuhalten, so der ehemalige Profi. "Prinzipiell ist das Werder-Like. Das wurde zu Otto Rehhagels Zeiten und Thomas Schaafs Zeiten auch praktiziert, dass man dem Trainer sehr viel Vertrauen entgegenbringt und so ein Arbeitsverhältnis nicht leichtfertig beendet. Am Ende wird ein Trainer aber natürlich an seinen Ergebnissen gemessen", erklärte Allofs. Diese Sicht der Dinge hat im Übrigen auch Baumann, der unlängst ankündigte, dass es im Abstiegsfall "keinen Automatismus" gebe werde, was die Position des Coaches betrifft. Noch aber ist dieses Schreckensszenario nicht eingetreten.

Doch es ist eben nach der Pleite gegen Wolfsburg nähergerückt. "Vor dem letzten Spiel hätte ich gesagt: Werder steigt nicht ab. Aber da hatte ich drei Punkte einkalkuliert. Jetzt ist die Ausgangsituation nicht mehr ganz so gut, aber noch nicht hoffnungslos. Ich hoffe immer noch, dass sie es packen", sagte Allofs, dem das Bremer Restprogramm Hoffnung macht: "Das sind Spiele, die lösbar sind."

Allofs setzt große Hoffnungen in Füllkrug

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Paderborn, Bayern, Mainz und Köln heißen die vier letzten Werder-Gegner in dieser Saison. In der Hinrunde gab es aus diesen Duellen: null Punkte. Seinerzeit gingen die Hanseaten personell allerdings auch auf dem Zahnfleisch, hatten etliche Ausfälle zu beklagen. Inzwischen hat sich das Lazarett gelichtet. So steht selbst Angreifer Niclas Füllkrug nach seinem im vergangenen September erlittenen Kreuzbandriss für das Saisonfinale wieder zur Verfügung. Und auf das Comeback des 27-Jährigen setzt Allofs große Hoffnungen: "Es könnte dazu führen, dass ein neues Element im Sturm dazukommt und die anderen vielleicht mitreißt." Auf ein "anderes "Element" indes muss Werder in Corona-Zeiten verzichten: den Fan-Support.

Und dieser Umstand bereitet dem früheren Manager der Hanseaten große Sorgen. "Ich weiß nicht, ob die Mannschaft den Abstiegskampf ohne die Unterstützung der Zuschauer hinbekommen kann. Die totale Unterstützung des Publikums im Weserstadion war in den letzten Jahren ein großes Plus", erklärte der 63-Jährige. Seine realistische Einschätzung der Lage: "Werder ist in einer ganz kritischen Situation."

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Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 11.06.2020 | 06:00 Uhr

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