Stand: 14.04.2020 13:45 Uhr

Abbruch oder Geisterspiele? Zoff bei Drittligisten

Soll die Dritte Liga sich mit Geisterspielen zum Saisonende retten oder die Spielzeit abbrechen? Das ist die Frage, die während der Corona-Krise die 20 betroffenen Vereine beschäftigt. Anders als bei den Bundesligisten und Zweitligisten gibt es bei den Drittliga-Clubs keine einheitliche Linie. 13 Vereine plädieren für eine Fortführung der Saison ohne Zuschauer, sieben Clubs wollen einen Abbruch.

Hansa, Braunschweig und Meppen für Saison-Fortsetzung

Nach MDR-Informationen kam es am vergangenen Donnerstag während einer Video-Konferenz zu einem heftigen Streit über das richtige Vorgehen. Während die Erst- und Zweitligisten unbedingt die Saison beenden wollen, um so noch ausstehende TV-Gelder zu erhalten, ist die Lage in Liga drei eine andere. Die Befürworter von Geisterspielen sind in der Mehrzahl: Robert Marien, Vorstandschef von Hansa Rostock, bezeichnete Geisterspiele als "noch die beste der schlechtesten Optionen". Auch Eintracht Braunschweig und der SV Meppen teilen diese Ansicht.

Ligaweit gesehen ist es finanziell sinnvoller, die Saison ohne Zuschauer zu Ende zu spielen. Im Schnitt würde der Verlust pro Club dann geschätzt 600.000 Euro betragen. Bei einem Abbruch wären es dagegen etwa 1,5 Millionen Euro pro Verein.

Ostclubs befürchten Insolvenz

Spiele ohne Zuschauer würden andererseits einige Vereine direkt in die Pleite treiben. Zuschauereinnahmen machen in der Dritten Liga meistens über 20 Prozent des Etats aus. "Für uns wären Geisterspiele ein weiterer Genickbruch. Sollte dieser Fall eintreten, ist der Gang zum Insolvenzgericht unumgänglich", sagte Zwickaus Vorstandssprecher Tobias Leege. Denn auf der Kostenseite müsste jeder Verein wieder auf fast 100 Prozent gehen, beispielsweise Kurzarbeit für Spieler, Trainer und Mitarbeiter beenden. Vor allem die Ostclubs sträuben sich deshalb gegen Geisterspiele.

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Frage nach sportlicher Gerechtigkeit

Finanzielle Fragen sind ein wichtiger Themenbereich in der Debatte, sportliche Gerechtigkeit ein anderer. Auch hier haben Gegner und Befürworter von Geisterspielen durchaus gute Argumente für ihre Position. Rein formal ist die Fortsetzung die einzige Möglichkeit, sportliche Entscheidungen fair zu regeln. Zwei Aufsteiger stünden nach 38 Spieltagen fest, ein dritter Club spielt die Relegation, vier Vereine steigen ab. Bei einem Abbruch würde der nächste Streit drohen. Denn bei den bisherigen Diskussionen darüber waren sich die Clubs uneinig, ob die Spielzeit komplett annulliert, die Hinrunde oder der aktuelle Tabellenstand gewertet werden soll.

Andererseits würden auch Geisterspiele nur ein verzerrtes Bild liefern. Schließlich gäbe es keinen Heimvorteil mehr und die Taktung der Spiele müsste deutlich erhöht werden, um die Saison bis zum 30. Juni zu beenden. "Das hat wenig mit einem klassischen Wettbewerb zutun, wenn elf bis 13 Partien in fünf bis sechs Wochen anstehen", sagte Magdeburgs Sportchef Maik Franz der "Volksstimme".

Hohe organisatorische Hürden

Zudem gäbe es eine Reihe organisatorischer Hindernisse: Die Clubs müssten wohl die Test-Intensität bei ihren Spielern und Betreuern deutlich erhöhen. Das Gesundheitssystem wäre mit zusätzlichen Corona-Tests für Erst- und Zweitligisten allerdings ohnehin schon zusätzlich belastet. Zudem ist unklar, ob alle Vereine in ihren Stadien spielen dürften, da lokale Gesundheitsbehörden das letzte Wort haben. So hat die Stadt Jena Spiele ohne Zuschauer bis Juni bereits als "höchst unrealistisch" bezeichnet.

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Sport aktuell | 14.04.2020 | 12:25 Uhr