Stand: 20.01.2019 13:15 Uhr

96 am Boden: "Kein Mensch glaubt mehr an uns"

Ein Bild mit Symbolcharakter: Miiko Albornoz ist mit 96 seit sieben Spielen sieglos.

Es hatte der Brustlöser sein sollen. Ein Neuanfang inmitten einer bis dato so ernüchternden Saison. Stattdessen jedoch war das Nordduell mit Werder Bremen für Hannover 96 lediglich ein weiterer Beleg dafür, dass die Substanz des momentan zur Verfügung stehenden Kaders wohl nicht für den Klassenerhalt ausreicht. "Wir haben uns viel vorgenommen in der Vorbereitung, haben es heute aber nicht auf den Platz gekriegt. Es ist natürlich zu wenig - da brauchen wir nicht drüber reden", sagte Keeper Michael Esser nach dem 0:1 gegen die Hanseaten im NDR 2 Interview.

Dass der Schlussmann mit Abstand bester Akteur seiner Farben war und mit 14 abgewehrten Torschüssen in nur einer Partie einen bestehenden Erstliga-Rekord einstellte, zeugte davon, wie unterlegen die Niedersachsen waren. Umso bemerkenswerter war ob der schwachen 96-Vorstellung Essers Antwort auf die Frage, ob die Qualität des Teams für den Klassenerhalt reiche: "Ja, auf jeden Fall."

Hoffnung auf Besserung nicht in Sicht

Die Einschätzung des 31-Jährigen teilen derzeit allerdings vermutlich nicht allzu viele Fußball-Experten. Oder wie es Hannovers Coach André Breitenreiter im Gespräch mit dem NDR Hörfunk drastisch ausdrückte: "Es ist doch sowieso klar, dass kein Mensch mehr an uns glaubt und auch keiner auf uns setzt." Nach dem siebten sieglosen Spiel in Serie ist ein direkter Nichtabstiegsplatz zwar weiter nur vier Zähler entfernt. Hoffnung, dass die "Roten" sich bald freischwimmen und den ersehnten 15. Rang übernehmen könnten, machte ihr Auftritt gegen Werder aber nicht. 96 zeigte dieselben Schwächen wie vor dem Jahreswechsel, war in der Abwehr anfällig und im Angriff harmlos. Zudem mangelte es der Mannschaft nach lediglich elf Hinrunden-Zählern verständlicherweise an Selbstvertrauen. "Erfolgserlebnisse sind wichtig, die haben wir derzeit in der Liga nicht. Und da helfen auch keine guten Testspiele oder Trainingseinheiten", stellte Breitenreiter fest.

Breitenreiters Wünsche bleiben wohl unerfüllt

Der 45-Jährige hatte vor dem Rückrunden-Beginn mehrfach (auch öffentlich) darauf hingewiesen, dass der Kader weiter verstärkt werden müsse. Die Leistung der Mannschaft gegen Werder hat ihn in dieser Ansicht noch einmal bestärkt. "Ich habe ja meine Empfehlung ausgesprochen. Entscheiden muss der Verein, was er für notwendig hält, um alles möglich zu machen, dass wir die Klasse halten", sagte Breitenreiter nach der Partie. Dass seine personellen Wünsche erfüllt werden, scheint jedoch mehr als fraglich. "Es ist abgestimmt, dass erst mal keine weiteren Transfers möglich sind", erklärte Manager Horst Heldt bei "Sky". Somit bleibt es wohl bei den Winterzugängen Kevin Akpoguma, Nicolai Müller (beide ausgeliehen) und Jonathas, dessen Ausleihe an Corinthians vorzeitig beendet wurde.

Kein Geld für weitere Zugänge vorhanden

Dass Breitenreiter zumindest dieses Trio hinzubekommen hat, war keineswegs selbstverständlich. Denn das "Festgeldkonto" von 96 ist leer, wie Heldt offen zugab: "Alles, was wir im Winter gemacht haben, hat der Präsident aus seiner eigenen Tasche bezahlt, weil der Verein nicht in der Lage ist, es selbst zu finanzieren. Martin Kind und sein enger Freund Dirk Rossmann haben sich dazu bereit erklärt, den Verein zu unterstützen." Es sieht also nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich düster aus bei den Niedersachsen. Ein Abstieg aber würde für den Club gewiss noch teurer werden, als nun noch einmal irgendwo ein paar Groschen für dringend benötigtes Personal zusammenzusuchen.

Gegen Werder fehlten Breitenreiter gleich fünf verletzte Offensivspieler aus Verletzungsgründen. Zudem weilt Genki Haraguchi mit Japan beim Asien-Cup. Dass sich das Lazarett bald entscheidend lichtet, ist unwahrscheinlich. Und da die kommenden Gegner Dortmund und Leipzig nicht gerade zur Rubrik "Laufkundschaft" zählen, könnte Hannover bereits früh in der Saison den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze verlieren.

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Sportclub | 20.01.2019 | 22:50 Uhr

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