Stand: 03.03.2019 18:45 Uhr

96-Blamage im Kellerduell - Doll schämt sich

von Hanno Bode, NDR.de
96-Keeper Michael Esser (M.) verhinderte gegen den VfB eine noch höhere 96-Pleite.

Die Fußballer von Hannover 96 haben ihr Sammelsurium an sportlichen Minusleistungen um eine Bankrotterklärung erweitert. Im Kellerduell beim zuvor acht Mal in Folge nicht siegreichen VfB Stuttgart präsentierten sich die Niedersachsen in schauerlicher Verfassung. In keinem Mannschaftsteil erreichte der Tabellenvorletzte beim 1:5 (0:3)-Desaster am Neckar auch nur annähernd Erstliga-Niveau. Bei Trainer Thomas Doll waren dennoch nicht etwa Enttäuschung oder Ernüchterung die vorherrschenden Gefühle - es war viel schlimmer. "Es ist mehr, dass man sich für so eine Leistung eigentlich schämt. Da fehlen mir, der so lange im Fußball schon tätig ist, wirklich die Worte", gab der Coach im Anschluss zu Protokoll: "So viel Angst und so viele individuelle Fehler wieder - wenn du in der Liga bleiben willst, dann geht so was nicht."

Doll: "Habe mir meine Rückkehr anders vorgestellt"

Tatsächlich wären die Vereinsverantwortlichen in Anbetracht der peinlichen Vorstellung des Teams gut beraten, die Planungen für die Zweite Liga zu intensivieren. Bei nun bereits fünf Zählern Rückstand auf Relegationsplatz 16 und gar sieben auf einen direkten Nichtabstiegsplatz ist dies ohnehin nahezu Pflicht für sie. Dolls Rettunsgmission scheint indes bereits gescheitert, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. "Ich habe mir das wirklich alles ganz anders vorgestellt, auch meine Rückkehr in die Bundesliga", bekannte er im NDR Interview. Welche Ideen hat er noch? "Wir werden jetzt nicht den Spielbetrieb einstellen. Wir werden weiter vernünftig trainieren, schauen, dass wir mehr Power reinkriegen in die ganze Geschichte", sagte der 52-Jährige fast ein bisschen trotzig und kritisierte seine Spieler einmal mehr scharf: "Bei dem einen oder anderen reicht es für höhere Aufgaben einfach nicht aus, das muss man so klar analysieren. Da werden wir nächste Woche genau hinschauen."

96 von Beginn an ohne jeglichen Zugriff

Dass die Dienstreise nach Stuttgart in einer neuerlichen Demontage enden würde, war bereits sehr früh abzusehen. Genau genommen nach 44 Sekunden. Da besaß VfB-Stürmer Mario Gomez die erste von vielen noch folgenden Riesenchancen für seine Elf. Esser hatte der Routinier bereits umkurvt, schoss dann jedoch überhastet ans Außennetz. Eigentlich hätten die Gäste nun wachgerüttelt sein müssen. Doch sie schliefen weiter den Schlaf der Gerechten. Hannovers Strafraum war ein Königreich für jeden Stürmer. Und als er zum zweiten Mal zum Toreschießen eingeladen wurde, mochte Gomez dann auch nicht mehr Nein sagen. Er stand nach einem Pass in die Schnittstelle der Viererkette völlig frei und überwand Esser mit einem Linksschuss (4.). In welchen Zuständigkeitsbereich der frühere Wolfsburger in diesem Moment fiel, war nur schwer auszumachen. So richtig "bewerben" wollte sich aber auch fortan keiner um die heikle Aufgabe, den 33-Jährigen in Obhut zu nehmen.

Einzig Esser hat bei 96 Erstliga-Format

24.Spieltag, 03.03.2019 15:30 Uhr

VfB Stuttgart

5

Hannover 96

1

Tore:

  • 1:0 Mar. Gomez (4.)
  • 2:0 Kabak (16.)
  • 3:0 Kabak (45.)
  • 3:1 Jonathas (68.)
  • 4:1 Zuber (78.)
  • 5:1 Zuber (81.)

VfB Stuttgart: Zieler - Kabak, Pavard, M. O. Kempf - Beck, Ascacibar, Castro, Insua - Esswein (88. Donis), Zuber (84. Thommy) - Mar. Gomez (73. Gentner)
Hannover 96: M. Esser - Sorg, Felipe (46. Bakalorz), Wimmer - Haraguchi, Anton, Schwegler (75. N. Müller), Albornoz - Asano - Wood, Weydandt (46. Jonathas)
Zuschauer: 55781

Weitere Daten zum Spiel

Und auch zu den anderen neun Stuttgarter Feldspielern hielten die Niedersachsen überwiegend höflichen Abstand. Ozan Kabak konnte bei so viel leidenschaftlich vorgetragener Passivität des Gegners einfach nicht widerstehen. Zweimal schraubte sich der 18 Jahre alte Verteidiger nach Eckstößen in die Luft - zweimal war er per Kopf erfolgreich (16., 45.). Zwischendurch "durfte" Esser dann einmal mehr in dieser Serie unter Beweis stellen, dass zumindest er gehobenes Bundesliga-Format hat. Einzig dem Schlussmann hatten es die "Roten" zu verdanken, dass sie zur Halbzeit nicht mit 0:4 oder 0:5 zurücklagen.

Doll schlug der taktisch abenteuerliche und fußballerisch geradezu groteske Auftritt seines Teams sichtlich auf den Magen. Nichts von dem, was der 52-Jährige seit seinem Amtsantritt gebetsmühlenartig einfordert, setzte sein Team um. Allein die Verletztenmisere für den blutleeren Auftritt verantwortlich zu machen, wäre jedenfalls zu einfach. Denn auch ohne die fehlenden Kevin Akpoguma, Timo Hübers, Matthias Ostrzolek, Linton Maina, Edgar Prib, Ihlas Bebou, Noah Sarenren Bazee und Niclas Füllkrug stand noch eine Mannschaft mit sechs Nationalspielern auf dem Platz.

Jonathas betreibt Ergebniskosmetik

Warum es Kevin Wimmer, Bobby Wood und Co. erst im zweiten Abschnitt hinbekamen, ein bisschen "kerniger", wie Doll es gerne formuliert, zu Werke zu gehen, war ein Mysterium dieser Hannoverschen Dienstreise. Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Oder in diesem Fall der VfB. Denn der Sieg der Schwaben geriet trotz des Anschlusstreffers des eingewechselten Jonathas (68.) nicht mehr in Gefahr. Zumal Steven Zuber bald darauf wieder den alten Abstand herstellte (78.). Der Schweizer war es auch, der acht Minuten vor Ultimo den Endstand erzielte. Zu diesem Zeitpunkt war Hannovers Abwehr lediglich noch körperlich anwesend.

Esser: "Schwer anzugucken"

"Wenn wir so auftreten wie heute, bleibt nicht mehr viel Hoffnung übrig", sagte Keeper Michael Esser dem NDR: "Unser Spiel ist schwer anzugucken." Das befand auch Doll: "Das kann nicht der Anspruch sein von Hannover 96, sowas abzuliefern. Mit so einer Leistung hast du aber gar nichts zu suchen in der ersten Bundesliga, das muss man deutlich sagen."

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Sportclub | 03.03.2019 | 22:50 Uhr

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