Stand: 07.05.2013 09:30 Uhr  | Archiv

Als Kung-Fu-Wiese Olic niederstreckte

von Ines Bellinger, NDR.de
Bei Tim Wiese brennen die Sicherungen durch: Der Werder-Torwart tritt Ivica Olic (r.) mit gestrecktem Bein um.

Torhüter und Linksaußen haben eine Macke. Einer, auf den diese alte Fußballer-Weisheit ganz sicher zutrifft, ist Tim Wiese. Der Torwart, der sieben Jahre für Werder Bremen spielte, schaffte es dank konstant guter Leistungen bei den Grün-Weißen bis in die Nationalmannschaft. Doch das Image, das der gebürtige Rheinländer schon in Kaiserslautern hatte, behielt er auch an der Weser, und er vertiefte es sogar noch durch Provokationen auf und neben dem Platz. Vor allem in den Derbys gegen den Hamburger SV lief der Mann mit der Gel-Frisur und der etwas prollig wirkenden Dauer-Bräune stets zu großer Form auf. Er hielt im DFB-Pokal-Halbfinale 2009 drei Elfmeter, er stand mit dem Megafon auf dem Zaun in der Bremer Ostkurve und brüllte "Scheiß HSV" - und er stellte seinen "Vorkämpfer" Oliver Kahn mit einer Kung-Fu-Einlage gegen Ivica Olic in den Schatten.

Wiese kommt mit Gelb davon

Der kroatische Stürmer in Diensten des HSV konnte am Abend des 7. Mai 2008 in Hamburg von Glück reden, dass er seinen Kopf auf den Schultern behielt. Als Olic in der 42. Minute im Laufduell mit Naldo das Bremer Tor ansteuerte, raste ihnen Wiese entgegen. Mit gestrecktem Bein sprang er an der Strafraumgrenze ab und landete auf Olics linker Schulter - aber auch nur, weil der Kroate reflexartig noch den Kopf nach rechts zog. Schiedsrichter Lutz Wagner bewertete dieses üble Foul lediglich mit einer Gelben Karte - einer von insgesamt neun in diesem von beiden Seiten überhart geführten Spiel. Außerdem stellte er die Bremer Frank Baumann und Jurica Vranjes in der zweiten Hälfte noch vom Platz. Werder gewann durch ein Tor von Hugo Almeida trotzdem mit 1:0 und qualifizierte sich am Ende der Saison für die Champions League. Die HSV-Fans und -Verantwortlichen hatten Schaum vor dem Mund.

Beckenbauer spricht von Mordversuch

Der beredte TV-Experte Franz Beckenbauer fand als einer der Ersten drastische Worte für diese Aktion: "Das war schon fast ein Mordversuch." Wiese selbst mimte nach dem Spiel das Unschuldslamm: "Ich treffe zuerst den Ball, und er läuft dann in mich rein." Später entschuldigte er sich bei Olic, der mit einer Prellung im Hals- und Schulterbereich davongekommen war. Da Wiese im Spiel Gelb gesehen hatte, wurde er auch nicht nachträglich bestraft. Dafür stellte ein Unbekannter in Hamburg Strafanzeige wegen versuchten Totschlags. Das Verfahren wurde vier Monate später eingestellt. Dass sich der Spitzname "Kung-Fu-Wiese" noch lange hielt, liegt daran, dass der Bremer Torwart Ende Januar 2011 Thomas Müller beim 1:3 gegen Bayern München ähnlich spektakulär stoppte - mit einer Beinschere. Diesmal wusste der Keeper aber, was die Stunde geschlagen hatte. Er stand auf und drehte Richtung Kabine ab, noch bevor Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer die Rote Karte zog. Drei Spiele mussten die Bremer danach auf den Wiederholungstäter verzichten.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 29.09.2012 | 22:00 Uhr

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