Stand: 11.12.2018 15:12 Uhr

50+1: Entscheidung über 96-Antrag im neuen Jahr

96-Boss Martin Kind kämpft um eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel.

Das Ständige Schiedsgericht der Lizenzligen hat die Entscheidung über den Antrag von Fußball-Bundesligist Hannover 96 und Clubpräsident Martin Kind auf Bewilligung einer Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel vertagt. "Beide Seiten haben ihre Argumente ausführlich dargelegt. Das Verfahren wird im kommenden Jahr fortgesetzt", teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Dienstag mit. Damit bleibt Kind vorerst im Wartestand. Trotzdem war der 74-Jährige zufrieden: "Das Gericht hat die Verhandlung professionell und lösungsorientiert geführt." Nach Angaben von Hannover 96 erwägt das Schiedsgericht, "Anfang kommenden Jahres ein Sachverständigen-Gutachten zur Frage der Erheblichkeit der Förderung des Fußballsports bei Hannover 96 in Auftrag zu geben".

Kind will alle Rechtsmittel ausschöpfen

Im Juli war der Unternehmer Kind am Votum des DFL-Präsidiums gescheitert, dass nicht alle Kriterien für eine Ausnahmegenehmigung als erfüllt angesehen hatte. Die 50+1-Regel besagt im Grundsatz, dass Investoren in Deutschland nur die Mehrheit an einem Verein halten dürfen, wenn sie diesen mehr als 20 Jahre "ununterbrochen" und "erheblich" gefördert haben. In den anderen europäischen Top-Ligen gilt diese Regel nicht.

Sollte Kind Recht bekommen, kann er wie gewünscht weitere regionale Investoren mit ins Boot holen. Wird der Antrag aber erneut abgelehnt, will der 96-Boss vor das Landgericht Frankfurt am Main ziehen. Der 74-Jährige will alle sich bietenden rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, bis hin "zum EU-Recht, da bin ich kompromisslos", wie er sagte. Für die drei Bundesliga-Clubs Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und TSG Hoffenheim besteht bereits eine Ausnahme von der 50+1-Regel. In Leverkusen (Bayer) und Wolfsburg (VW) sind die Investoren milliardenschwere Unternehmen, in Hoffenheim hatte Dietmar Hopp als Mäzen lange Jahre Millionen in den einstigen Dorf-Club gesteckt.

Stichwort 50+1

Durch die sogenannte 50+1-Regel wird bislang verhindert, dass Investoren mehr als 50 Prozent der Anteile an einem Fußball-Club erwerben können. In anderen Ligen - zum Beispiel in England - gibt es eine solche Regelung nicht. Besonders Hannovers langjähriger Clubpräsident Martin Kind macht sich dafür stark, die Regel zu kippen, um die "Kapitalsituation der Clubs zu verbessern". Die Regelung wurde bisher beibehalten, steht aber permanent in der Diskussion. Befürworter der Regelung kritisieren, dass beim Wegfall der Markt für ausländische Investoren geöffnet werden könnte, die kein sportliches Interesse an einem deutschen Bundesliga-Club haben.

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Sport aktuell | 11.12.2018 | 15:25 Uhr