Stand: 07.07.2020 07:54 Uhr

2:2 in Heidenheim - Werder schafft Klassenerhalt

von Hanno Bode, NDR.de
Bild vergrößern
Geschafft: Die Werder-Profis bejubeln nach dem 2:2 in Heidenheim den Klassenerhalt.

Werder Bremen hat das Abstiegsgespenst nach einer Saison mit vielen gruseligen Auftritten doch noch vertreiben können. Der viermalige deutsche Fußball-Meister setzte sich in der Geister-Relegation gegen den 1. FC Heidenheim durch und verhinderte den zweite Absturz in die Zweite Liga nach 1980. Nach dem 0:0 am Donnerstag im Weserstadion reichte den Hanseaten am Montagabend bei den Schwaben wegen der Auswärtstorregelung ein 2:2 (1:0) zum Klassenerhalt.

Norman Theuerkauf sorgte per Eigentor (3.) für die Führung des Teams von Coach Florian Kohfeldt. Nachdem Tim Kleindienst ausgeglichen hatte (85.), gelang Ludwig Augustinsson das entscheidende 2:1 (90.+4). Der erneute Ausgleich durch Kleindienst (90.+8) mit dem Schlusspfiff hatte lediglich noch statistischen Wert.

Kohfeldt: "War ein Riesenkraftakt"

"Uns in dieser Katastrophen-Saison in der Liga zu halten, war ein Riesenkraftakt. Wir waren sehr, sehr häufig schon abgeschrieben und tot. Und wir mussten über eine sehr lange Zeit berechtigte Kritik einstecken. Das hat schon gezerrt", sagte der sichtlich mitgenommene Kohfeldt. Seine eigene Zukunft bei den Hanseaten ließ der 37-Jährige trotz Vertrags bis 2023 offen: "Wir werden nichts am Zeitplan ändern und uns die nächsten Tage zusammensetzten und besprechen, was das Beste für Werder ist." Gerüchten zufolge soll Kohfeldt ein Kandidat auf den vakanten Trainerposten bei der TSG Hoffenheim sein.

Werder zu Beginn wie verwandelt

Weitere Informationen

Kommentar: Werders Rettung wie ein Wunder

Werder hat den Abstieg verhindert - es war mehr ein Geschenk als ein Verdienst. Den Bremern stehen stürmische Zeiten bevor. Ein "Weiter so" darf es nicht geben, meint Andreas Bellinger in seinem Kommentar. mehr

Werder war im Vergleich zu seiner müden und fußballerisch uninspirierten Vorstellung im ersten Duell mit den Schwaben nicht wiederzuerkennen. Die Hanseaten präsentierten sich im ersten Abschnitt griffig in den Zweikämpfen, sicher im Passpiel und zielstrebig im Angriff. Bereits nach 56 Sekunden hatte der für Niclas Füllkrug in die Startelf gerutschte Joshua Sargent die Führung auf dem "Schlappen": Der junge US-Amerikaner bekam eine Augustinsson-Flanke aber nicht unter Kontrolle und schob den Ball aus der Nahdistanz in die Arme von Keeper Kevin Müller. Kurz darauf machte es Theuerkauf besser - allerdings unfreiwillig. Nach einem gefälligen Bremer Spielzug landete der verunglückte Befreiungsschlag des Innenverteidigers im Winkel. Ein Traumtor - aus Sicht der Gäste.

Bremen muss zur Pause höher führen

2.Spieltag, 06.07.2020 20:30 Uhr

Heidenheim

2

Werder Bremen

2

Tore:

  • 0:1 Theuerkauf (3., Eigentor)
  • 1:1 Kleindienst (85.)
  • 1:2 Augustinsson (90. +4)
  • 2:2 Kleindienst (90. +8, Foulelfmeter)

Heidenheim: Ke. Müller - Busch (78. Multhaup), Mainka, Theuerkauf, Föhrenbach - Griesbeck - Schnatterer (46. Otto), Leipertz (68. T. Mohr), Dorsch (68. Sessa) - Kleindienst, Thomalla (46. Schimmer)
Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic (68. Langkamp), Friedl, Augustinsson - Vogt - M. Eggestein, Klaassen - Osako (68. Bartels) - Sargent (88. Groß), Rashica (80. Füllkrug)
Zuschauer:

Weitere Daten zum Spiel

Das Kohfeldt-Team hätte nachlegen können. Zunächst scheiterte Milot Rashica mit einem fulminanten Schuss aus 18 Metern an Müller (8.), dann verfehlte Davy Klaassen aus einem Meter per Kopf das Ziel (9.). Nach zehn Minuten wäre eine 4:0-Führung des Bundesliga-16. möglich gewesen. Die Bremer Entourage hätte in diesem Fall schon einmal die Klassenerhalts-T-Shirts rauskramen können. Stattdessen musste sie mit ansehen, wie sich die Statik des Spiels langsam änderte. Heidenheim gewann ab Mitte des ersten Durchgangs etwas an Stabilität und initiierte den einen oder anderen Angriff, während Werder in der Umschaltbewegung nicht mehr so konzentriert wie noch zu Beginn agierte.

Die Führung der Hanseaten zur Pause war dennoch hochverdient, da beim Kontrahenten kein nennenswerter Abschluss zu Buche schlug. Das änderte sich unmittelbar nach Wiederbeginn. Die zur Pause eingewechselten Stefan Schimmer (46., 47.) und David Otto (48.) hatten binnen 180 Sekunden drei Großchancen zum Ausgleich.

Im Bewusstsein der eigenen anfälligen Defensive schaltete das Kohfeldt-Team daraufhin wieder in den Angriffsmodus um und sorgte so nicht nur für Entlastung, sondern hatte auch zwei ausgezeichnete Möglichkeiten, auf 2:0 zu erhöhen: Augustinsson (58.) und Sargent (59.) scheiterten jeweils an Torwart Müller.

Erst der Ausgleich, dann trifft Augustinsson

Bildergalerie
24 Bilder

Viele Probleme, späte Rettung: Bremens Saison in Bildern

Werder Bremen hat die schlechteste Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte gespielt, aber in der Relegation gegen Heidenheim den Klassenerhalt noch geschafft. Ein Rückblick in Bildern. Bildergalerie

Hernach hatten die Bremer das Geschehen weitgehend im Griff. Wie aus dem Nichts kam Heidenheim durch Kleindienst, dem der Ball nach einem Pfostenschuss von Tobias Mohr vor die Füße fiel, zum Ausgleich. Werder zeigte sich vom späten 1:1 unbeeindruckt, verteidigte klug und ging nach Vorlage von Finn Bartels durch Augustinsson erneut in Führung. Dass die Schwaben in der Nachspielzeit per Foulelfmeter durch Kleindienst abermals egalisieren konnten, fiel nicht mehr ins Gewicht.

Der Rest war grenzenloser grün-Weißer Jubel - nicht nur bei den an diesem Abend in schwarz gekleideten Werder-Profis. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) schrieb bei Twitter: "Erst kein Pech und dann kam noch Glück dazu. Ich freue mich riesig! Ganz herzlichen Glückwunsch an Mannschaft und Trainer zum Klassenerhalt." Hunderte Fans des Bundesligisten feierten den Klassenerhalt in Bremen mit Hupkonzerten, lauten Gesängen und Feuerwerksböllern. "Nie mehr Zweite Liga", sangen die teils tanzenden Anhänger vor den Kneipen unweit des Weserstadions, wo bei den beiden Toren für Werder die Stadion-Sirene ertönt war.

Mehrere Festnahmen nach Ausschreitungen

Zunächst hätten sich die bis zu 700 Fans noch friedlich verhalten, so die Polizei. Nach Mitternacht kippte die Stimmung jedoch, es kam zu Ausschreitungen in der Hansestadt. Polizisten seien mit Flaschen und Böllern beworfen sowie mit Tritten attackiert worden, teilten die Behörden mit. Ein Passant erlitt durch einen Flaschenwurf eine Kopfverletzung und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Mehrere Personen seien vorläufig festgenommen worden, die Polizei setzte Reizgas ein, es gab diverse Strafanzeigen.

Weitere Informationen

Nicht Fisch, nicht Fleisch: Werder 0:0 gegen Heidenheim

Von der Euphorie nach der Rettung war nichts mehr übrig: Werder Bremen hat sich im Relegationshinspiel gegen Heidenheim zu einem torlosen Remis gemüht. Besonders offensiv enttäuschte der Favorit. mehr

35 Bilder

Werder Bremens bewegte Jahre

Viermal Meister, sechs Erfolge im DFB-Pokal, Europapokal-Sieger 1992: Werder Bremen gehört zu den erfolgreichsten Mannschaften im deutschen Fußball. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 06.07.2020 | 20:00 Uhr

Mehr Sport

59:26
Sportclub
02:20
Schleswig-Holstein Magazin