1982: Als Maradona mit dem FC Barcelona in Meppen spielte

Stand: 30.10.2020 09:03 Uhr

Am 3. August 1982 feierte Diego Armando Maradona sein Debüt als Spieler eines europäischen Clubs. Der FC Barcelona gastierte im Emsland: beim SV Meppen. Rund 20.000 Fans kamen.

von Johannes Freytag

"Ich spiele doch nicht in Meppen", verkündete 1988 Deutschlands Ex-Nationaltorwart Harald "Toni" Schumacher empört und verließ den Bundesligisten Schalke 04 nach dessen Abstieg in die Zweite Liga fluchtartig in Richtung Fenerbahce Istanbul. Sechs Jahre zuvor war sich ein Weltstar nicht zu fein gewesen, in der emsländischen Provinz aufzulaufen: Der Argentinier Diego Armando Maradona absolvierte am 3. August 1982 seinen ersten Einsatz im Dress des FC Barcelona in einem Freundschaftsspiel beim SV Meppen, der damals sogar nur in der Oberliga spielte.

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70.000 D-Mark Antrittsgage für Barcelona

Dass die Katalanen 1982 im Emsland spielten, war eine "reine Glückssache", sagte Gerd van Zoest NDR.de. Der damalige Leiter der Meppener Fußballabteilung hatte im Januar des Jahres den UEFA-Spielevermittler Günther Bachmann in Frankfurt angerufen und nach einem attraktiven Gegner für das 70. Vereinsjubiläum gefragt.

"Bachmann erklärte, fünf Minuten vorher den Auftrag erhalten zu haben, Barcelona zu vermitteln - ob wir Lust hätten?", sagte van Zoest. Die Meppener hatten Lust. Nach einem Tag Bedenkzeit sagten sie zu, die 70.000 D-Mark Antrittsgage zu bezahlen.

Vertrag ohne Sonderklauseln

Der FC Barcelona im Jahr 1982 © imago/Fricke Foto: Fricke
Barcelonas Startelf in Meppen mit Maradona (untere Reihe 2.v.r.).

Kurze Zeit später hielten sie bereits ein offizielles Papier in den Händen: "Das war ein ganz einfacher Vertrag. Barcelona kommt in stärkster Besetzung, drei vier Sätze, UEFA-Stempel und fertig", so van Zoest. Kein Vergleich zu heutigen Klauseln.

Aber es kam noch besser für Meppen. Denn kaum hatten die Emsländer verkündet, dass Barcelona zum Jubiläumsspiel kommt, wurde Maradonas Wechsel von den Boca Juniors zu den Katalanen bekannt. Van Zoest: "Da brachen bei uns alle Dämme. Wir mussten den Vorverkauf sofort stoppen, unsere Geschäftsstelle war dem Ansturm nicht gewachsen. Wir hatten ja auch nur zwei Telefone."

Lattek versprach: Alle Stars kommen

Van Zoest und seine Meppener Kollegen fuhren ins niederländische Trainingslager von Barcelona und trafen sich dort mit dem damaligen Barca-Trainer Udo Lattek. Der gab seinen Landsleuten das Versprechen: "Maradona spielt sein erstes Spiel auf europäischem Boden in Meppen!" Und tatsächlich: Maradona kam ebenso wie der Ex-Gladbachstar Allan Simonsen, Spaniens Torschützenkönig Quini - ja sogar der verletzte Bernd Schuster, zwei Jahre zuvor mit Deutschland Europameister geworden, reiste mit ins Emsland und setzte sich dort auf die Bank.

Alan Simonsen im Spiel gegen Meppen. © imago/Fricke Foto: Fricke
Alan Simonsen vor der provisorischen Zuschauertribüne in Meppen.

Was folgte, war eine "Mischung aus Woodstock und Schützenfest", wie sich der damalige SVM-Trainer Hans-Dieter Schmidt in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" erinnerte. Im 18.000 Zuschauer fassenden Stadion befanden sich eher 22.000, die Fans saßen bis direkt an den Spielfeldrand, auch auf den umstehenden Bäumen gab es keine freien Plätze mehr. "Wir hatten Bierkisten ins Stadion geschleppt und Holzbohlen drüber gelegt", berichtete van Zoest.

Maradona-Tricks inmitten der Fans

Der Auftritt des 21 Jahre alten Maradona geriet zum Spektakel: "Er musste von Polizisten aufs Spielfeld eskortiert werden, dann schnappte er sich einen Ball und fing an, zwischen Sechzehner und Mittellinie hin und her zu dribbeln. Fuß, Oberschenkel, Kopf, Nacken - alle möglichen Tricks. Innerhalb kürzester Zeit folgte ihm ein Schwarm aus gut 100 Fans. Immer wenn er wieder in die Gegenrichtung lief, bildete sich kurz eine Gasse. Maradona tänzelte hindurch und anschließend hängte sich die Menschentraube wieder geschlossen an seine Fersen. Ein unglaubliches Bild", beschrieb Schmidt die Szenen.

"An jedem Wurststand war ein Barca-Spieler"

Das Spiel selbst nahm den erwarteten einseitigen Verlauf. Die Spanier erhielten bereits nach 13 Minuten einen Handelfmeter zugesprochen, den Maradona sicher verwandelte - das erste Tor des Superstars für einen europäischen Club. Bis zum Pausenpfiff kassierten die Meppener noch zwei weitere Gegentreffer, am Ende hieß es dennoch "nur" 0:5 - Maradona und Co. waren gnädig. Auch nach der Partie: Die Fans stürmten den Platz, umringten vor allem den Argentinier, der bereitwillig Autogramme schrieb.

Van Zoest: "An jedem Wurststand war ein Barcelona-Spieler zu sehen. Die Stars waren absolut volksnah." Meppens Trainer Schmidt saß sogar eine halbe Stunde in der Barca-Kabine und aß am Ende noch draußen gemeinsam mit Maradona eine Bratwurst. So war dem Argentinier das vergönnt, was Schumacher sechs Jahre später schnöde ablehnte und dafür von den Meppenern bestraft wurde: Sie stellten Schumacher einen Lkw-Auflieger mit der Aufschrift "SV Meppen - das Fußballerlebnis" direkt vor die Haustür.

SV Meppen - FC Barcelona 0:5 (0:3)

Tore: 0:1 Maradona (13./Elfmeter), 0:2 Quini (22.), 0:3 Simonsen (41.), 0:4 Moran (56.), 0:5 Viktor Munoz (84.)
Schiedsrichter: Heitmann (Osnabrück)
Zuschauer: 22.000 (geschätzt)
Meppen: Kugler, Höfer, Hüring, Meiners, Faltin, H. Menke, J. Menke, Eiting, Hohmann, Gerdes, Deters
In Hälfte zwei eingewechselt: Rülander, Koopmann, Bartling, Sulmann, Woyciechowski, Winkeler, Bruns, Beckmann.
Barcelona: Urruti, Artola, Amador, Julio Alberto, Moran, Estella, Gerado, Marcos, Moratolla, Olmo, Urbano, Viktor Munoz, Migueli, Carrasco, Pichi Alonso, Alesanco, Maradona, Quini, Simonsen, Esteban.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 05.03.2017 | 22:50 Uhr

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