Stand: 06.09.2012 11:19 Uhr  | Archiv

Große Abende in der Königsklasse gegen Juve

HSV-Torhüter Hans-Jörg Butt (M.) wird von Niko Kovac (l.) und Roy Präger gefeiert. © imago/Camera 4
HSV-Torhüter Hans-Jörg Butt (M.) verwandelte im Hinspiel einen Strafstoß.

Die großen Tage des Hamburger SV auf internationaler Bühne sind im Jahr 1999 lange her. Zweimal spielten die "Rothosen" in den 1990er Jahren im UEFA-Cup, schieden aber beide Male bereits in der dritten Runde aus. Es ist Frank Pagelsdorf vorbehalten, den HSV wieder auf die ganz große Bühne zu führen. Sein Team belegt in der Liga Rang drei und setzt sich in der Qualifikation zur Champions League dann gegen Dänemarks Vizemeister Bröndby IF durch (2:0 auswärts, 0:0 daheim). Die Hamburger sind wieder jemand und starten in der Champions-League-Gruppe E. Die Gegner sind Juventus Turin, Deportivo La Coruna sowie Panathinaikos Athen. Zwar erweist sich die Hürde als insgesamt zu hoch, der HSV scheidet als Dritter aus, die Spiele gegen Juve werden den Fans jedoch ewig in Erinnerung bleiben und sind in die HSV-Historie eingezogen.

Hinspiel: 13. September 2000, HSV - Juve 4:4

Zum Auftakt kommt es für den HSV zu einem richtigen Kracherspiel: Die Turiner geben ihre Visitenkarte in der Hamburger Arena ab und Erinnerungen an den Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1983 gegen die Italiener kommen hoch. Zwar geht es dieses Mal nicht um einen Pokal, dafür bieten die Spieler den Zuschauern eines der spannensten Spiele der Cup-Geschichte. Igor Tudor bringt die Gäste nach einer Ecke per Kopf früh in Führung (6.). Zwar gleicht Anthony Yeboah vor 48.500 ekstatischen Fans zehn Minuten später aus, doch Italiens Nationalstürmer Filippo Inzaghi sorgt mit einem Doppelschlag (36., 52.) für lange Gesichter auf den Rängen. Die Pagelsdorf-Elf lässt sich allerdings nicht hängen und dreht innerhalb von nur 17 Minuten die Partie. Mann des Abends ist Mehdi Madavikia. Der Iraner trifft erst selbst (65.), holt dann einen Foulelfmeter heraus, den Torhüter Hans-Jörg Butt wie gewohnt verwandelt (69.), und bereitetet auch das 4:3 von Niko Kovac (82.) vor. Das Stadion gleicht spätestens jetzt einem Hexenkessel - die Italiener schmälern die Partylaune allerdings noch gewaltig: Nach einem Trikotzupfer von Sergej Barbarez tritt Inzaghi zum Elfmeter an und markiert den Endstand (88.).

Hamburger SV - Juventus Turin 4:4 (1:2)

Tore: 0:1 Tudor (6.), 1:1 Yeboah (16.), 1:2 Inzaghi (36.), 1:3 Inzaghi (52.), 2:3 Mahdavikia (65.), 3:3 Butt (69./Foulelfmeter), 4:3 Kovac (82.), 4:4 Inzaghi (88./Foulelfmeter)
Zuschauer: 48.500
HSV: Butt - Panadic, Hoogma, Hertzsch - Groth (27. Töfting), Kovac, Cardoso (67. Präger), Hollerbach (46. Ketelaer) - Mahdavikia, Yeboah, Barbarez
Juve: van der Sar - Tudor, Ferrara, Iuliano (59. Birindelli) - Tacchinardi, O'Neill (71. Bachini), Davids, Pessotto - Zidane - Inzaghi, del Piero (59. Kovacevic)

Rückspiel: 24. Oktober 2000, Juve - HSV 1:3

HSV-Angreifer Roy Präger feiert sein Tor in Turin © picture alliance/dpa
HSV-Angreifer Roy Präger (l.) feiert seinen Treffer zum 1:0 in Turin.

Dem verheißungsvollen Beginn folgt die Ernüchterung. Der HSV unterliegt in La Coruna (1:2) und zu Hause gegen Panathinaikos (0:1). Mit lediglich zwei Punkten (nach dem Auftaktremis gibt es noch ein 0:0 in Griechenland) ist das Erreichen der Zwischenrunde vor dem Rückspiel in Turin in weite Ferne gerückt. Doch Butt und Co. glauben offenbar an ihre Chance: Die Hanseaten spielen von Beginn an gut mit und Roy Präger bringt die "Rothosen" in der 24. Minute mit 1:0 in Front. Juve gibt zudem Hilfestellung und schwächt sich wenig später selbst: Hitzkopf Zinedine Zidane fliegt wegen einer Tätlichkeit gegen Jochen Kientz mit Rot (29.), Edgar Davids vier Minuten später mit Gelb-Rot vom Platz. Als Yeboah für die Norddeutschen kurz nach der Pause auf 2:0 erhöht, scheint der Sieg beschlossene Sache. Doch trotz der zwei Mann weniger auf dem Platz kommt Juve durch Darko Kovacevic noch einmal heran (56.). Das war es dann aber, die Hamburger hätten noch mehr Tore als das 3:1 von Andrej Panadic (62.) nachlegen können. Plötzlich ist das Weiterkommen wieder möglich, das 1:1 im abschließenden Gruppenspiel gegen La Coruna reicht dazu aber nicht. Nur Juventus lässt der HSV hinter sich.

Juventus Turin - Hamburger SV 1:3 (0:1)

Tore: 0:1 Präger (24.), 0:2 Yeboah (48.), 1:2 Kovacevic (56.), 1:3 Panadic (62.)
Rote Karte: Zidane (29./Tätlichkeit)
Gelb-Rote Karte: Davids (33.)
Zuschauer: 48.500
HSV: Butt - Panadic, Hoogma, Hertzsch - Kovac (17. Maul), Kientz (50. Mahdavikia), Töfting - Präger, Barbarez, Ketelaer (74. Heinz) - Yeboah,
Juve: van der Sar - Tudor, Ferrara, Iuliano (59. Birindelli) - Tacchinardi, O'Neill (71. Bachini), Davids, Pessotto - Zidane - Inzaghi, del Piero (59. Kovacevic)

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 29.09.2012 | 22:00 Uhr

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