Stand: 28.08.2019 09:00 Uhr

100 Jahre VfB Lübeck: Fußball-Tradition an der Lohmühle

von Utz Rehbein, NDR.de
1969: Szene aus dem Spiel VfB Lübeck gegen den VfL Osnabrück.

Wenn ein Club mit einer Vita, wie sie der VfB Lübeck aufweist, im Jubiläumsjahr den Aufstieg in die Drittklassigkeit verpasst, fallen die Feierlichkeiten etwas bescheidener aus. Seit seinem bislang letzten Auftritt in der Zweiten Bundesliga 2004 kickt der Club unterm Radar der deutschen Fußball-Öffentlichkeit - deutlich unter Wert. Dabei war es die Fußball-Abteilung gewesen, die den Verein jahrzehntelang im Gespräch gehalten hatte, allenfalls die Bundesliga-Tischtennisteams mit Stars wie Olga Nemes und Peter Franz in den 1990ern konnten in Sachen Popularität zeitweilig mithalten. Die großen Schlagzeilen produzierte allerdings viel zu oft nicht das kickende Personal, sondern die Chefabteilung. Anfang der 1970er-Jahre stand der VfB vor der Zahlungsunfähigkeit, 2010 und 2013 ging er jeweils in die Insolvenz.

Sportlich gesehen ging’s für die Lübecker seit ihrer Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder auf und ab. Schon 1950 musste das Team den ersten Oberliga-Abstieg hinnehmen, zunächst ein Betriebsunfall, der zwei Jahre später korrigiert wurde. Als es 1954 wieder nicht für den Klassenerhalt reichte, hatte der VfB endgültig den Ruf einer "Fahrstuhlmannschaft" weg.

Turbulenzen schon in den 1950er-Jahren

Ein weiterer Aufstieg scheiterte an Unklarheiten bei einem Vereinswechsel: "Hansi" Kubsch kehrte 1954 vom SC Concordia zum VfB zurück, hatte bei den Wandsbekern aber noch nicht alle Mitgliedsbeiträge abgeführt. Der Fußballverband erklärte Kubschs Freigabe für nichtig und zog dem VfB vier Punkte in der Aufstiegsrunde ab - es soll um eine Summe von 37,50 Mark gegangen sein.

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Ein gutes Jahr zuvor, im Januar 1952, ein weiteres Skandälchen: Die Vereinschronik verzeichnet erstmals Zuschauerausschreitungen auf der Lohmühle - so etwas wie ein Vorbote für die Probleme, die Lübecks Polizei seit den 2000er-Jahren immer wieder mal mit einer Anhängerschar hat, die sich hinter einem Banner mit der Aufschrift "Ultra Kollektiv" versammelt.

Der VfB - schon damals ein starkes Stück Lübeck, aber auch immer mal gut für manches starke Stück. In all den turbulenten Jahren gab es immerhin eine Konstante, Keeper Albert Felgenhauer, für die Fans nur "Jonny". Der Schlacks mit dem ausgeprägten Kinn hatte schon vor Kriegsende Partien in der ersten Mannschaft bestritten, seinen Ausstand gab er gut 900 Spiele später im Jahr 1962, wieder einmal in einem Aufstiegsrundenspiel. Torwart sei er geworden, weil er als Junge seine Schuhe habe schonen müssen, gab der gebürtige Harburger Jahrzehnte später zum Besten. Die ersten Nachkriegs-Spiele habe er auf Strumpfsocken bestritten.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 25.08.2019 | 19:30 Uhr