Die Hannoveraner jubeln, die Hamburger sind enttäuscht. © WITTERS Foto: Valeria Witters

1:0-Sieg im Nordduell: Hannover 96 verschärft HSV-Krise

Stand: 05.12.2020 15:46 Uhr

Nach der dritten Niederlage in Serie ist der Hamburger SV auf Platz vier der Zweitliga-Tabelle abgerutscht - allerdings mit nur zwei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Kiel. 96 stoppte mit dem ersten Auswärtssieg der Saison seinen Abwärtstrend.

von Ines Bellinger

Der HSV rannte am Sonnabendnachmittag im Volksparkstadion nach einer Gelb-Roten Karte gegen Sonny Kittel 65 Minuten in Unterzahl einem frühen Rückstand hinterher. Doch wie schon in den vergangenen vier sieglosen Partien fehlten der Mannschaft von Trainer Daniel Thioune die Ideen - und am Ende auch das Glück -, um die streng defensiv eingestellten Gäste in die Knie zu zwingen. Kenan Kocak hatte es geschafft, das bis dahin in der Fremde noch sieglose 96-Team über weite Strecken kompakt und diszipliniert einzustellen.

Terodde: "Normalerweise schieße ich drei Tore"

"Wir müssen das Positive mitnehmen, wir haben 70 Minuten auf ein Tor gespielt", sagte Simon Terodde, der etliche Torchancen liegen ließ, dem NDR. "Normalerweise schieße ich heute drei Tore. Ein Zentimeter hat gefehlt - oder es war Unvermögen." Man kann - wie Terodde - das Positive für den HSV herausstreichen, und das ist vor allem der Konkurrenz an der Tabellenspitze zu verdanken, die ebenfalls patzte. Trotz fünf siegloser Spiele hat der Aufstiegsfavorit nur zwei Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Holstein Kiel.

Matchwinner Weydandt: "Es war nicht alles gut"

Hannover kletterte auf Platz elf und hat nur noch vier Punkte Rückstand auf den HSV (4.). "Nach vier schwierigen Wochen und schwachen Spielen von uns waren das ganz wichtige drei Punkte", sagte 96-Matchwinner Hendrik Weydandt. Aber: "Es war nicht alles gut." Der Stürmer kritisierte, dass Hannover nach dem Platzverweis gegen Kittel keinen Nutzen aus seiner numerischen Überlegenheit zog. "Intensität und Einstellung waren da, aber die taktische Disziplin war nicht ganz bei hundert Prozent."

Ducksch erstmals auf der Bank

Beide Trainer hatten vor dem Nordduell auf Schlüsselpositionen an der Personalschraube gedreht. Thioune wollte mit Klaus Gjasula anstelle von Moritz Heyer das defensive Mittelfeld stabilisieren. Kocak verordnete dem glücklosen Marvin Ducksch erstmals in dieser Saison eine Denkpause und ließ offensiv Patrick Twumasi von Beginn an spielen.

Weydandt bringt Hannover in Führung

Hannover startete mit der Maßgabe in die Partie im Volksparkstadion, das Heft des Handelns den Gastgebern zu überlassen. Dieser Plan ging zunächst komplett auf, weil zum einen der Defensivverbund von 96 funktionierte und zum anderen, weil der HSV zwar viel Ballbesitz hatte, aber so gut wie nichts Intelligentes daraus machte. Auf eigene Gelegenheiten musste Hannover nicht lange warten. Ein Versuch von Twumasi aus der Distanz, bei dem Sven Ulreich die Fäuste auspacken musste, war der erste Warnschuss (12.). Der nächste Anlauf glückte. Eine Ecke des sehr präsenten Twumasi verlängerte Jaka Bijol per Kopf ans Schienbein von Khaled Narey. Weydandt staubte zum 1:0 ab (13.).

Kittel kassiert früh einen Platzverweis

Kurz nach dem dritten Saisontor des Hannoveraners kassierte Kittel eine Gelbe Karte (14.). Nicht weiter erwähnenswert eigentlich, hätte Kittel - erneut gegen Sei Muroya - nicht eine ebenso ungeschickte wie überflüssige Aktion folgen lassen. Direkt vor der 96-Bank packte er gegen den Japaner die Sense aus. Gelb-Rot, der erste Platzverweis seiner Karriere, war die Folge - und der HSV nach 25 Minuten nur noch zu zehnt. Fast hätten die Hausherren eine schwache erste Hälfte dennoch zu einem versöhnlichen Ende gebracht. Aber 96-Keeper Michael Esser stand kurz vor dem Pausenpfiff gegen Terodde (43.) und Josha Vagnoman (44.) jeweils goldrichtig.

Esser hält den Sieg fest - Terodde und Hunt glücklos

Aaron Hunt am Boden nach der Niederlage gegen Hannover 96. © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken
Aaron Hunt am Boden. Er vergab eine hundertprozentige Chance.

In Unterzahl tat sich der HSV beinahe leichter, Lücken im Abwehrriegel der "Roten" aufzutun. Allein den Ball brachten sie nicht im Tor unter. Symptomatisch, dass sogar Terodde beste Chancen ungenutzt ließ. Mit einer Fußparade kaufte Esser dem Toptorjäger der Hanseaten (neun Treffer) in der 76. Minute den Schneid ab. Der eingewechselte Aaron Hunt versemmelte ebenfalls freistehend und unbedrängt mit seinem schwächeren rechten Fuß eine Großchance (85.), Terodde scheiterte erneut am starken Esser (90.). Den Niedersachsen stand das Wasser in der Schlussphase bis zum Hals. Aber mit Glück und Geschick retteten sie sich über die Zeit.

Für beide Teams geht es nun mit Auswärtsspielen weiter. Der HSV muss am kommenden Sonnabend in Darmstadt antreten, Hannover in Heidenheim.

10.Spieltag, 05.12.2020 13:00 Uhr

Hamburger SV

0

Hannover 96

1

Tore:

  • 0:1 Weydandt (13.)

Hamburger SV: Ulreich - Vagnoman (75. Hunt), Leistner, Ambrosius (88. Hinterseer), Leibold - Gjasula (85. Wood), Onana (76. Wintzheimer) - Narey, Dudziak, Kittel - Terodde
Hannover 96: M. Esser - Muroya, Basdas, M. Franke, Hult - Do. Kaiser, Bijol - K. Schindler (67. Stehle), Haraguchi (86. Elez), Twumasi (84. Sulejmani) - Weydandt (67. Ducksch)
Zuschauer:

Weitere Daten zum Spiel

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 05.12.2020 | 13:00 Uhr

Mehr Fußball-Meldungen

Toni Leistner vom HSV © Witters Foto: Valeria Witters

Leistner glaubt an HSV-Aufstieg: "Geben als Team alles dafür"

Gleichzeitig warnt der HSV-Routinier vor Fortuna Düsseldorf, dem nächsten Gegner am Dienstag. mehr

Braunschweigs Marcel Bär jubelt nach seinem Tor zum 2:0. © picture alliance/dpa Foto: Swen Pförtner

Sieben Spiele ohne Sieg: Braunschweig gegen Heidenheim unter Druck

Der Zweitliga-Aufsteiger weist nach der Hinrunde die Bilanz eines Absteigers auf. Trainer Meyer glaubt jedoch fest an den Klassenerhalt. mehr

Fußballschuhe hängen an einem Zaun. © imago images / Hanno Bode Foto: Hanno Bode

Sport, Corona und die Frage: Warum dürfen nur die Profis?

Wenn die einen dürfen, was anderen verboten bleibt, sind gute Erklärungen gefragt. Der Versuch einer Betrachtung des Für und Wider.   mehr

Fußball-Nationspielerin Tabea Waßmuth © imago images / Markus Endberg

Nationalspielerin Waßmuth wechselt zum VfL Wolfsburg

Die 24-Jährige ist bereits die zweite Spielerin, die die Niedersachsen vom Bundesliga-Konkurrenten Hoffenheim loseisen. mehr

Fußball im Netz © Mikael Damkier

NDR Fußball-Tippspiel - Jetzt mitmachen!

Das NDR Tippspiel für die Saison 2020/2021 läuft. Einsteigen, mittippen und Teams gründen: Wir suchen den Fußball-Experten im Norden. mehr