Stand: 30.09.2018 19:40 Uhr

0:0 - Kein Sieger im Hamburger Stadtderby

von Hanno Bode, NDR.de

Der HSV und der FC St. Pauli haben sich im Hamburger Stadtderby schiedlich-friedlich 0:0 getrennt. In einer von fußballerischen Defiziten auf beiden Seiten geprägten Zweitliga-Begegnung waren Chancen am Sonntagnachmittag Mangelware. "Am Ende nehmen wir einen Punkt mit. Ich finde, das ist zu wenig. Wir hätten das heute für uns entscheiden müssen. Aber das Positive ist, dass wir wieder die Null gehalten haben", sagte HSV-Keeper Julian Pollersbeck im Interview mit dem NDR Hörfunk. Die Gäste konnten mit dem Teilerfolg indes gut leben. "Natürlich ist man zufrieden, wenn man einen Punkt im Volksparkstadion holt", erklärte Mittelfeldmann Christopher Buchtmann.

Kaum Offensivaktionen in Abschnitt eins

Unter den Augen von Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher‏ und Innen- und Sportsenator Andy Grote verstießen kurz vor dem Anpfiff einige im St.-Pauli-Block stehende Besucher durch das Abbrennen von Pyrotechnik gegen die Hausordnung. Insgesamt blieb es jedoch während der 90 Minuten friedlich. Auch vor und nach der Partie kam es nicht zu den befürchteten Ausschreitungen, die Polizei zog eine positive Bilanz.

Rauchschwaden zogen in den Anfangsminuten durch das Volksparkstadion, sodass der eine oder andere der 57.000 Zuschauer das Geschehen auf dem Rasen zunächst nur unklar erkennen konnte. Der richtige Durchblick fehlte beiden Teams mit wenigen Ausnahmen im ersten Durchgang auch im Vorwärtsgang. Gelungene und durchdachte Offensivaktionen hatten Seltenheitswert. Sinnbildlich für eine von vielen Stockfehlern und Fehlpässen geprägte Partie war, dass beide Teams ihre jeweils beste Chance nach einem ruhenden Ball besaßen.

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Flum prüft Pollersbeck - Bates knapp vorbei

Für St. Pauli verpasste Kapitän Johannes Flum nach einem Freistoß von Marvin Knoll per Kopf die Gelegenheit, sich in den Derby-Annalen zu verewigen. Der Versuch des Mittelfeldmanns flog direkt in die Arme von Pollersbeck (7.). Auf der anderen Seite sorgte der bei einem Eckstoß von Douglas Santos aufgerückte Innenverteidiger David Bates dafür, dass die HSV-Fans den Torschrei bereits auf den Lippen hatten. Auch er bugsierte das Spielgerät mit der Stirn in Richtung Gehäuse. Es strich - leicht abgefälscht von Daniel Buballa - haarscharf am Ziel vorbei (25.). Der Rest waren unzählige Querpässe der uninispirierten Gastgeber sowie eine gefährliche Torannäherung für den auf Konter bedachten Kiezclub durch Mats Möller Daehli. Sein Schuss aus aussichtsreicher Position blieb in der HSV-Abwehr hängen (44.). Den Fans beider Clubs schlug die schwere Fußballkost jedoch nicht auf den Magen. Sie wippten und sangen, als würden beide Kontrahenten ein Spektakel abliefern.

Sahin in Schlusssekunde beinahe Derby-Held

8.Spieltag, 30.09.2018 13:30 Uhr

Hamburger SV

0

FC St. Pauli

0

Tore:
Hamburger SV: Pollersbeck - G. Sakai, Bates, van Drongelen, Douglas Santos - Mangala, Janjicic - Hunt (53. Tat. Ito), L. Holtby, Hwang (65. Narey) - Arp (72. Lasogga)
FC St. Pauli: Himmelmann - Dudziak, Ziereis, Avevor, Buballa - Knoll, Flum (83. Zehir) - C. Sahin, Buchtmann, Möller Daehli (76. Neudecker) - Diamantakos (73. Veerman)
Zuschauer: 57000 (ausverkauft)

Weitere Daten zum Spiel

Die Gastgeber, die in den ersten 45 Minuten über 70 Prozent Ballbesitz hatten, versuchten auch nach dem Seitenwechsel, Dominanz auf den Stadtrivalen auszuüben. Lösungen, den dichten Defensivverbund St. Paulis auseinanderzureißen, fand das Team von Coach Christian Titz aber weiter fast keine. Es mangelte seinem Spiel an Tempo und Ideen. Dennoch hatte Hee-chan Hwang in der 60. Minute das 1:0 auf dem Fuß. Nach einem feinen Pass von Orel Mangala kam der Südkoreaner im Strafraum frei zum Abschluss, zielte aber knapp daneben. Kurz darauf wechselte Titz Khaled Narey für Hwang ein (65.) und brachte wenig später auch Pierre-Michel Lasogga für den völlig wirkungslosen Youngster Jann-Fiete Arp (72.). Für den nicht minder enttäuschenden Kapitän Aaron Hunt war die Partie bereits kurz nach dem Seitenwechsel beendet gewesen. Er musste für Tatsuya Ito Platz machen (53.).

Die personellen Veränderungen brachten nicht die erhoffte Wirkung. Dem HSV fehlte trotz Blutauffrischung die nötige Vitalität. Auch der Kiezclub kam in der Vorwärtsbewegung nicht über Ansätze hinaus, hatte aber in der Nachspielzeit noch eine spektakuläre Aktion, als Cenk Sahin den weit aufgerückten Pollersbeck beinahe mit einem Heber aus der Distanz überwand (90.+3). In letzter Sekunde konnte der Schlussmann den Ball über die Latte lenken, sodass es beim letztlich leistungsgerechten Remis blieb.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 30.09.2018 | 22:50 Uhr

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