Stand: 29.03.2020 15:01 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Sportvereine in SH: Zwischen Kurzarbeit und Gehaltsverzicht

von Norman Nawe

Die Corona-Pandemie hat für viele Unternehmen schwere finanzielle Folgen. Das gilt auch für die Sportvereine. Keine Spiele, keine Einnahmen. Mitte der Woche vermeldete Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund einen Gehaltsverzicht seiner Profis von zusammen rund 20 Millionen Euro. Kurz danach gab die TSV Hannover-Burgdorf als erster Handball-Erstligist bekannt, dass seine Spieler zu einschneidenden finanziellen Kürzungen bereit seien und für alle anderen Angestellten Kurzarbeit beantragt worden sei. Maßnahmen, die auch für viele Klubs aus Schleswig-Holstein unausweichlich sind, um finanziell überleben zu können.

SG Flensburg, THW Kiel und Lübeck-Schwartau vor Entscheidungen

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Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt: Dierk Schmäschke.

"Wir wollen noch an diesem Wochenende die Gespräche darüber zu einem Abschluss bringen", sagte der Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt, Dierk Schmäschke. Er fand zwischen zahllosen Telefonkonferenzen noch Zeit für ein kurzes Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. Ähnlich wie in Hannover werden die Spieler der Profi-Mannschaft des Deutschen Meisters auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten. "Es geht für uns mit dieser Maßnahme darum, die Struktur des Vereins erhalten zu können", sagte er weiter. Er sei sehr froh darüber, dass alle bei diesem Thema ein so großes Verständnis zeigen würden. Schmäschke kündigte für Anfang der kommenden Woche eine offizielle Mitteilung der SG an.

THW: "Jeder hat den Ernst der Lage erkannt"

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Geschäftsführer des THW Kiel: Viktor Szilagyi.

Auch beim Rekordmeister THW Kiel könnten in Sachen Gehaltsverzicht bei den Profis und Kurzarbeit für andere Angestellte des Vereins in der kommenden Woche Fakten geschaffen werden. Der Aufsichtsratsvorsitzende Marc Weinstock hatte zuletzt in einem Zeitungsinterview mit den "Kieler Nachrichten" klargestellt, dass es ohne einen finanziellen Beitrag der Mannschaft nicht gehen werde. THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi bestätigte NDR Schleswig-Holstein, dass jeder den Ernst der Lage erkannt habe und die Mannschaft in dieser besonderen Lage eine große Bereitschaft zeige, ihren Anteil zu leisten. "Man muss seriöse Berechnungen anstellen und alles bedenken. Es geht auch um eine Planung für die Zeit nach Corona", sagte der 47-Jährige.

Hauptsponsor bleibt VfL Lübeck-Schwartau treu

Bei Handball-Zweitligist VfL Lübeck-Schwartau steht die Entscheidung, ob für Spieler und Angestellte Kurzarbeit beantragt wird, kurz bevor. Das kündigte VfL-Pressesprecher Jan Brix an. Eine gute Nachricht in schweren Tagen gab es vom Hauptsponsor des Vereins. Er wird sein finanzielles Engagement beim Zweitligisten fortsetzen.

Offizielle von Holstein Kiel zurückhaltend

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Bei Fußball-Zweitligist Holstein Kiel halten sich die Offiziellen zum Thema Gehaltsverzicht noch bedeckt.

Auch Fußball-Zweitligist Holstein Kiel erhalte laut dessen Pressechef Wolf Paarmann viele positive Signale von Sponsoren, die die KSV in der aktuell schwierigen Zeit weiter unterstützen wollten. Anders als viele andere Profi-Clubs wolle man sich zu den Themen Gehaltsverzicht und Kurzarbeit jedoch noch nicht offiziell äußern, meinte Paarmann. Allerdings dürfte wie bei allen anderen Vereinen auch bei Holstein über alle Möglichkeiten von Einsparungen nachgedacht werden. Viel wird davon abhängen, ob die Saison noch mit Geisterspielen beendet werden kann - und damit auch in Kiel die dringend benötigten Zahlungen aus der TV-Vermarktung noch fließen werden. Dabei geht es für den Club um rund 2,5 Millionen Euro.

Regionalligisten mit unterschiedlichen Maßnahmen

Über möglicherweise ausbleibende TV-Gelder müssen sich die fünf Regionalligisten aus Lübeck, Flensburg, Kiel, Norderstedt und Heide vorerst keine Gedanken machen, denn die gibt es nur beim Erreichen des DFB-Pokals. Sollte die Saison allerdings vorzeitig abgebrochen werden, dann fehlen den Viertligisten wichtige Zuschauereinnahmen. Auch Sponsoren könnten bereits gezahlte Leistungen in Teilen zurückverlangen. Bei Spitzenreiter VfB Lübeck wurde laut Vorstandsmitglied Florian Möller allerdings noch keine Kurzarbeit als Sparmaßnahme beantragt, anders als beim SC Weiche Flensburg 08. "Wir haben Kurzarbeit angemeldet. Für die Spieler war das selbstverständlich, alle wissen um die Situation", sagte Flensburgs Team-Manager Marc Peetz.

Gehaltsverzicht in Norderstedt

Eintracht Norderstedt hat in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass die gesamte Mannschaft auf Teile ihres Gehalts und die Jugendabteilung auf alle Übungsleiterpauschalen verzichtet. Entspannt sieht man die aktuelle Situation in Dithmarschen. "Wir gehen nur mit einem Taschengeld durch die Saison. Ich glaube, andere haben mehr Schweißperlen auf der Stirn", sagte der Boss der Heider SV Liga GmbH, Andreas Meyenburg. Eine Feststellung mit der er recht haben dürfte.

Ein Handball liegt im Tornetz. © picture-alliance Foto: Frank Hoermann / Sven Simon

Sportvereine in SH in finanzieller Sorge

NDR 1 Welle Nord - Schleswig-Holstein Aktiv -

Auch vor den Sportvereinen in Schleswig-Holstein machen die wirtschaftlichen Folgen im Zuge der Corona-Krise nicht halt. Gehaltsverzicht und Kurzarbeit sollen die finanziellen Nöte lindern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 29.03.2020 | 15:40 Uhr

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