Stand: 13.05.2018 08:00 Uhr

Special Olympics: Junge Fußballer auf großer Bühne

von Maja Bahtijarevic

Bunte Hütchen markieren den Parcours auf dem Fußballfeld. Vor dem ersten reihen sich die Kinder und Jugendlichen ungeduldig hinter einem kleinen Haufen Bälle auf, gespannt darauf, was Trainer Jörg Dreyer gleich erklären wird. Denn heute ist kein gewöhnlicher Trainingstag für die Fußballmannschaft der Schule Unter den Eichen in Nortorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde). "Heute üben wir den Einstufungstest", sagt der junge Mann, "damit ihr die Aufgaben schon mal gesehen und gelernt habt."  Die neuen roten T-Shirts der jungen Fußballer, frisch ausgepackt und angezogen, verraten in leuchtend weißen Lettern, worum es geht: "Special Olympics - Team SH". Die kleine Mannschaft hat sich qualifiziert - für die wohl aufregendste Sportveranstaltung in Deutschland für Menschen mit geistiger Behinderung.

Special Olympics: Trainieren für das große Turnier

Bei den Special Olympics soll jeder einen angemessenen Gegner finden

Vom 14. bis 18. Mai 2018 messen sich in Kiel rund 4.600 Sportler in 18 Sportarten, ein wettbewerbsfreies Angebot wird es auch geben. Für die Nortorfer Schulmannschaft herrscht eine ganz aufregende Zeit. "Die Resonanz der Kinder ist super positiv", erzählt Dreyer. "Die freuen sich sehr - in den letzten drei Wochen täglich mehr - auf diesen sportlichen Wettkampf," sagt Dreyer. "Im Moment ist es so, dass ich jeden Morgen in der Schule von den Schülern darauf angesprochen werde."

Ihren großen Auftritt haben die Nortorfer Schüler beim Turnier am Dienstag und Mittwoch - doch schon am Montag geht es auf das Fußballfeld der Special Olympics zu der offiziellen Leistungseinstufung. "Die Klassifizierungstests werden gemacht, damit die Mannschaften, die gegeneinander spielen, möglichst gleich stark sind", erklärt der junge Trainer. "Das ist ja ein grundsätzliches Ziel bei den Special Olympics: Es wird nicht rein nach Kategorien sortiert wie bei den Paralympics - hier bemüht man sich, für jede Leistungsgruppe einen angemessenen Gegner zu finden."

Dreyer lächelt, freut sich sichtlich für seine Schützlinge. "Ein sehr angenehmes Prinzip, wenn man mich fragt." Beim Training an diesem Tag geht Dreyer mit Kollege Oliver die Übungen schon mal durch: "Damit unsere Kinder und Jugendlichen das schon mal gelernt und gemacht haben. Nächste Woche haben sie dann einfach schon Erfahrung damit."

"Fußball ist das Beste, was ich für mich habe"

Natascha, Jule, Linus, John, Leon, Marlon, Alex, Jan-Lukas und Oli sind an diesem Tag beim Training, zwei Teamkameraden fehlen. Sie sind alle zwischen 10 und 17 Jahren jung, dribbeln hochkonzentriert und schießen begeistert aufs Tor. Die Übungen an diesem Tag treffen den Geschmack der Fußballer. "Die Übung da hinten ist ganz toll - aus 16 Metern Torschuss!", sagt Alex aufgeregt, während John die Übung bei praller Sonne zwar gut, aber recht anstrengend findet. Dem können Marlon und Jule, gerade den Schatten auf der Bank genießend, nur beipflichten.

Jan-Lukas, der Jüngste im Team, nutzt die Gelegenheit für ein kleines Lebensmanifest: "Fußball finde ich gut. Es ist das Beste, was ich für mich habe." Bei einer der Übungen zeigt er gerne, was er kann: Er rutscht nach dem Ball und schießt ihn in letzter Sekunde durch das Hütchentor. "Hat jemand meine Grätsche gesehen?", ruft der Zehnjährige triumphierend, "das machen echte Fußballer: ausgrätschen!" Er freut sich sehr - trotz des kleinen Schmerzes am aufgeschrammten Knie.

Große Chance - fürs Team, für die Gesellschaft

Am Montagabend sind einige des Nortorfer Schulteams schon bei der Eröffnungsveranstaltung dabei. Danach übernachten sie noch mal gemeinsam in der Schule, bevor es am Dienstag losgeht. "Aufgeregt" und "ein bisschen nervös" beschreiben die Kinder und Jugendlichen ihre Emotionen. Dreyers Trainerkollege Oliver muss grinsen: "Sie merken erst langsam, was das alles überhaupt bedeutet", weiß er, "und wenn sie dann bei der Eröffnung sehen, wie groß das wirklich ist, dann erst wird der Groschen fallen."

Über Größe und Bedeutung der Special Olympics ist sich das Trainerteam schon bewusst. Dreyer sieht in den Nationalen Spielen aber nicht nur für sein Team eine ganz besondere Möglichkeit, sondern auch für die Gesellschaft. "Die Special Olympics sind eine Chance für die breite Öffentlichkeit, Zugang zu Kindern und Erwachsenen mit geistigen Einschränkungen zu bekommen", sagt er. "Einfach mal Kontakt aufbauen und dann sehen, dass das auch ein Bereich ist, der einfach viel Spaß mitbringt. Und es ist auch eine Chance, Vorurteile abzubauen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 13.05.2018 | 18:05 Uhr

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