Stand: 19.03.2020 11:46 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Heimtraining statt Homeoffice: Sportler im Corona-Modus

Das Coronavirus lässt die Sportwelt in Schleswig-Holstein stillstehen. Kein Fußball. Kein Handball. Kein Football. Kein Volleyball. Die Liste ließe sich fast endlos weiterführen. Erste positive Corona-Fälle in den Teams sind bekannt. Die Handball-Bundesliga (HBL) hofft weiter auf eine Möglichkeit, die Saison zu Ende zu spielen. Sie pausiert erst einmal bis zum 23. April. Die Teams müssen sich fithalten, auch ohne Mannschaftstraining. "Mental ist das natürlich eine ganz schwierige Situation", wie Meistertrainer Maik Machulla von der SG Flensburg-Handewitt zugibt. Seine Mannschaft trainiert momentan in kleinen Gruppen von maximal drei Spielern nach Plänen, die vorher individuell ausgegeben wurden.

Quarantäne bei Handballern in Flensburg und Kiel

Nicht dabei sind die beiden Norweger Magnus Rød und Torbjørn Bergerud, da sie in der Heimat in Quarantäne sitzen. Ebenfalls zwangsweise in den eigenen vier Wänden bleiben SG-Routinier Holger Glandorf und seit Dienstag (17. März) auch Kreisläufer Johannes Golla. Beide hatten Kontakt zu Corona-Infizierten. Genauso geht es den Nationalspielern des THW Kiel: Hendrik Pekeler, Steffen Weinhold und Patrick Wiencek. Alle waren in Kontakt mit Nationalmannschaftskollege Jannik Kohlbacher, der positiv getestet worden war.

Der Rest des THW-Teams hält sich selbst fit. Dafür wurde von den Trainern Filip Jicha und Christian Sprenger ein individueller Trainingsplan nach Absprache mit Athletiktrainer Hinrich Brockmann erstellt.

VfL Lübeck-Schwartau: Keine Einnahmen und Unsicherheit bei Sponsoren

Die Zweitliga-Handballer des VfL Lübeck-Schwartau trainieren gerade auch nur zu Hause. Ursprünglich sollte die Saison im Mai enden, im Juli schon die Vorbereitung auf die neue Spielzeit starten. Wie und ob die Saison 2019/20 noch weitergeht, bleibt fraglich. Sollte sie beendet werden, stünden Regressforderungen von Dauerkarteninhabern und Sponsoren im Raum. Neue Geldgeber zu finden, ist aufgrund der aktuellen Lage auch nicht leicht, wie Verantwortliche des Zweitligisten NDR Schleswig-Holstein sagten.

Der Fall Thesker und die Folgen

Am Fall von Holstein Kiels Innenverteidiger Stefan Thesker sieht man, wie ein positiver Corona-Befund einen ganzen Verein ausbremsen kann. Jeder, der nach Donnerstag (12. März) mit dem infizierten Fußballer in Kontakt war, ist eine Kontaktperson ersten Grades. Spieler, Trainer und Betreuer befinden sich in einer 14-tägigen Quarantäne. Sie dürfen ihre eigenen vier Wände nicht verlassen und arbeiten nach individuell für sie ausgearbeiteten Plänen an ihrer Fitness.

Trainer Ole Werner erzählt im Interview mit NDR Schleswig-Holstein, "dass momentan alles Mögliche aus dem Kraftraum irgendwo zu den Jungs geschaffen wird, um zu helfen, aber das ist sicherlich nicht optimal". Für ihn ist die Isolation aber gerechtfertigt: "Der Mannschaft geht es überwiegend gut, wir haben keine ernsthaften Krankheitssymptome."

Regionalliga: Stillstand von der Spitze bis in den Keller

Der Beschluss des Norddeutschen Fußballverbandes, alle Spiele aufgrund der aktuellen Lage mindestens bis zum 19. April auszusetzen, trifft die schleswig-holsteinischen Regionalligisten hart. Der VfB Lübeck hatte sich in den vergangenen Wochen den Aufstiegsplatz erkämpft und blickt nun ungewiss in die nahe Zukunft. Vorstandsmitglied Florian Möller äußerte sich gegenüber NDR Schleswig-Holstein: "Der Fußball steht derzeit sicherlich nicht an erster Stelle. Alle Teams des VfB Lübeck trainieren nicht."

Eine kleine Hoffnung hat er aber: "Wir sind in Gesprächen mit der Gesundheitsbehörde und schauen, ob die Trainingssperre für die Regionalligamannschaft als Berufsfußballer auch gilt." Stand jetzt heißt es auch in Lübeck: Individualtraining.

Einsamer März beim SC Weiche Flensburg 08

Bild vergrößern
Dominic Hartmann, einer der Spieler vom SC Weiche Flensburg 08, hält sich zu Hause fit. Mannschaftstraining wird es für Weiche frühestens Ende März geben.

Ähnlich sieht es momentan beim Tabellendritten SC Weiche Flensburg 08 aus. Kapitän Christian Jürgensen schaut im Interview mit NDR Schleswig-Holstein mit einer gewissen Besorgnis auf die kommenden Monate: "Da kommt viel zusammen, auch arbeitsrechtlich. Viele Verträge laufen nur bis zum 30. Juni. Ich bin gespannt, aber noch froher Hoffnung." Auch die Teams von Eintracht Norderstedt und dem Heider SV setzen auf individuelles Training.

Das Ei ruht bei den Football-Teams

Mit den Kiel Baltic Hurricanes und den Elmshorn Fighting Pirates spielen in dieser Saison zwei Mannschaften aus Schleswig-Holstein in der höchsten deutschen Spielklasse im American Football. Eigentlich sollte die neue Spielzeit am 2. Mai starten. Als erste Corona-Maßnahme hat der Verband nun den Saisonstart auf Ende Mai verschoben. Ein möglicher Totalausfall wäre eine Katastrophe für alle norddeutschen Vereine.

Bild vergrößern
Für die Footballer der Kiel Baltic Hurricanes ist die Trainingspause kurz vor Saisonbeginn fatal. Spieler wie Benedikt Engelmann müssen zu Hause trainieren.

Tickets für die Flüge der Stars aus den Staaten sind bereits gebucht, sämtliche Absprachen mit Lieferanten und Sponsoren schon getätigt. Wenigstens die Gehaltskosten für die amerikanischen Legionäre werden momentan gespart, da diese erst später zu den Mannschaften stoßen sollten. Geisterspiele, wie sie beim Fußball diskutiert werden, sind für beide Mannschaften kein Thema, schließlich sind die Zuschauer eine der wichtigsten Einnahmequellen. In Kiel kommen regelmäßig bis zu 2.000 Fans ins Stadion, und auch in Elmshorn sind es im Schnitt mehr als 1.000.

Volleyballer fürchten um die Beachsaison

Der Volleyballverband hat bereits erklärt, in dieser Saison keine Spiele in der 2. Bundesliga mehr auszutragen. Die KTV Adler aus Kiel hatten den Klassenerhalt fünf Spieltage vor dem eigentlichen Ende der Saison schon längst sicher, als entschieden wurde, dass niemand aus der Liga absteigt und sie stattdessen aufgestockt wird.

Dass also mehrere Partien komplett ausfallen, ist für die Kieler nur insoweit ärgerlich, als dass bereits getätigte Buchungen für Hotels und Reisen nicht zurückerstattet werden. Der Verein bleibt nach eigenen Angaben auf Kosten in Höhe eines mittleren vierstelligen Betrags sitzen. Zudem fragen sich die Spieler, wie es mit der Strandsaison im Sommer weitergeht. Im Beachvolleyball soll es zwar wieder die Deutsche Meisterschaft in Timmendorfer Strand (Kreis Ostholstein) geben, aber die Qualifikationstour durch die Republik dafür findet nicht statt. Droht nach dem vorzeitigen Abbruch der Saison nun auch das Aus für die Beachsaison? Eine Antwort darauf gibt es wohl erst in einigen Wochen.

Weitere Informationen

Coronavirus in SH: Videos, Infos, Hintergründe

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 in Schleswig-Holstein steigt weiter an. Hier finden Sie Videos, Informationen und Hintergründe zu dem Thema. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 18.03.2020 | 17:40 Uhr