Stand: 23.07.2020 09:51 Uhr

Millionen-Paket für Vereine - klingt gut, aber reicht das?

Es war die Nachricht, auf welche die Sportvereine in Zeiten der Corona-Krise so sehnsüchtig gewartet hatten. 200 Millionen Euro insgesamt als Finanzhilfe für die Profiligen im Handball, Eishockey, Basketball und Volleyball sowie weiteren betroffenen Vereinen in diesen und vielen anderen Sportarten - dieses Hilfspaket hat der Deutsche Bundestag am 2. Juli auf seiner Sitzung mit großer Mehrheit bewilligt. Begünstigt werden zudem die Clubs der dritten Fußball-Liga sowie der Frauenfußball-Bundesliga. Die Vereine und die Verbände - darunter auch die vielen aus Norddeutschland - warten nun darauf, wie es weitergeht.

"Alle Vereine sind antragsberechtigt"

Frank Steffel, CDU-Abgeordneter im Sportausschuss des Bundestages, gab darüber im Gespräch mit NDR 2 erste Aufschlüsse. Grundsätzlich sei es zunächst wie folgt, so Steffel: "Dort, wo Zuschauer durch Corona ausbleiben, werden 80 Prozent der entgangenen Einnahmen erstattet. Alle Vereine der Ersten und Zweiten Liga in den olympischen Sportarten sind antragsberechtigt."

Steffel: "Wollen schnell und unbürokratisch helfen"

Mehr als 1.000 Vereine - ob aus dem Handball, Tischtennis, Wasserball, Ringen oder anderen Sportarten - sollen von dem Hilfspaket profitieren.

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Die Höhe der jeweiligen Zuschüsse wird auf höchstens 80 Prozent der erwarteten Ticketeinnahmen für den Zeitraum April bis Dezember begrenzt sein, die maximale Zuwendung beträgt 800.000 Euro. Für die Antragstellung bedürfe es "lediglich des Formulars und der Unterschrift eines Steuerberaters oder Wirtschaftsprüfers", so Steffel.

"Wir wollen schnell und unbürokratisch helfen und dafür sorgen, dass die Vielfalt im deutschen Sport erhalten bleibt. Denn wenn ein Sportverein, wenn ein Leuchtturm des Sports, in einer Region erst einmal verschwunden ist, dann wird für ein, zwei Jahrzehnte wahrscheinlich dieser Sport in der Region keine oder nur eine deutlich geringere Rolle spielen", führte der ehrenamtliche Präsident des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin aus. Steffel hat lange für die Millionen-Hilfe geworben.

DOSB-Präsident: Vereine brauchen die Zuschauer

Das Bundesinnenministerium arbeitet derzeit die Details aus. Ende August soll es die Anträge geben, teilte das Ministerium auf Anfrage des NDR mit. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB) zeigte sich erleichtert darüber, dass das Hilfspaket zustande gekommen ist. Hörmann betonte aber auch, dass die Vereine in absehbarer Zukunft auch wieder Zuschauer bei ihren Spielen benötigten. "Andernfalls werden auch die 200 Millionen - hart formuliert - bald verbraucht und keine dauerhafte Lösung sein", sagte er.

Maennig: "Tropfen auf dem heißen Stein"

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Sportökonom Wolfgang Maennig: "Es wird nicht reichen, um alles zu kompensieren."

Diese Gefahr benannte auch Wolfgang Maennig, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Hamburg und Sportökonom, im Interview mit NDR.de. "Das ist natürlich ein Tropfen auf den heißen Stein. Es wird nicht reichen, um alles zu kompensieren. Es wird bei den Vereinen stärker sein, die stark am Marktgeschehen dran sind, also im Basketball oder im Volleyball", sagte Maennig. Wichtig sei aber, dass unterstützt wird.

"Wir haben Vereinsstrukturen, die sind positiv und gut für das Land. Es wäre schade, wenn aufgrund einer kurzfristigen Störung Strukturen wegbrechen, die ansonsten hätten überdauern können", betonte Maennig. "Wenn sich ein Sport dauerhaft nicht trägt, dann soll er auch ausscheiden, aber nur aufgrund einer kurzfristigen Störung wäre das schade."

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 22.07.2020 | 16:25 Uhr