Beachvolleyballerin Kira Walkenhorst © Witters

Knappe Kleidung? "Leute sollen gucken, weil es cooler Sport ist"

Stand: 03.05.2021 15:44 Uhr

Die deutschen Kunstturnerinnen haben durch Ganzkörperanzüge vermutlich schon eine Trendwende in ihrem Sport eingeleitet. Auch im Beachvolleyball gibt es immer wieder Diskussionen über die knappe Bekleidung.

Sarah Voss ging voran. Mit ihrem Auftritt im Ganzkörperanzug setzte die deutsche Mehrkampf-Meisterin bei den Kunstturn-Europameisterschaften in Basel ein starkes Zeichen gegen Sexualisierung im Sport. "Ich bin stolz, die Erste zu sein", sagte die Kölnerin über ihren glitzernden Langbein-Dress in Schwarz-Rot. Andere deutsche Kunstturnerinnen wie Elisabeth Seitz und Kim Bui taten es ihr nach - und gemeinsam könnten sie die Trendwende bereits eingeleitet haben: Weg von dem an einen Badeanzug erinnernden kurzen Dress, hin zum längeren Modell. Dies könnte sich schon bald auch auf internationaler Ebene durchsetzen.

Seitz: "Dann sieht man mehr, als andere sehen sollen"

Für Seitz hat der Ganzkörperanzug eindeutige Vorteile, in einem solchen fühle sie sich schlichtweg wohler. "Klar, mit den kurzen Anzügen sieht das irgendwo auch schön aus. Aber was ich natürlich nicht so schön finde, ist: Wenn da direkt in den Schritt fotografiert wird, und wenn da mal ein bisschen etwas verrutscht, sieht man mehr, als andere sehen sollen", sagte die gebürtige Heidelbergerin im Sportclub des NDR. "Vor allem als Frau, wenn man die Periode bekommt - dann ist das noch unangenehmer."

VIDEO: Athletinnen setzen ein Zeichen: Weg mit der knappen Kleidung (4 Min)

Im Beachvolleyball: je knapper, desto besser

So wie im Kunstturnen der Frauen die Bekleidung aktuell ein Thema ist, so ist sie es auch immer wieder mal im Beachvolleyball. Dort wird traditionell bei Männern wie Frauen im knappen Outfit gespielt, wodurch der Lifestyle-Charakter am Strand zum Ausdruck gebracht werden soll - nach dem Motto: je knapper, desto besser. Die Männer spielen in Muskelshirts und Sporthosen, die Frauen in Tops und engen Höschen. Bis 2012 hatte der Weltverband FIVB in seinen Regularien noch verankert, dass diese an der Seite nur maximal sieben Zentimeter breit sein durften.

"Die Leute sollen es ja nicht gucken, weil wir da in Bikini spielen, sondern weil es ein cooler Sport ist." Kira Walkenhorst

Kira Walkenhorst, Olympiasiegerin von 2016, Weltmeisterin 2017 und zweimalige Europameisterin an der Seite von Laura Ludwig, erzählte dem NDR, dass bei Turnieren - gerade vor Finalspielen - "schon mal darum gebeten wird, dass man bitte in Bikini spielen soll". Die langjährige Spielerin des Hamburger SV räumte ein, dass sie sich darüber viele Jahre nicht so die Gedanken gemacht habe. Im Nachhinein sei das aber anders, so Walkenhorst: "Die Leute sollen es ja nicht gucken, weil wir da in Bikini spielen, sondern weil es ein cooler Sport ist."

Es habe da in den vergangenen Jahren auch Sachen gegeben, die "unterhalb der Gürtellinie" gewesen seien. "Dass da online zum Beispiel Bilderrätsel gezeigt wurden mit verschiedenen Hintern von Frauen, und dass es dazu dann die Fragerunde gab: Welcher Popo gehört zu welcher Spielerin?", sagte Walkenhorst.

"Zieht das an, wonach ihr euch fühlt"

Kunstturnerin Seitz betonte, dass mit der Einführung des Ganzkörperanzuges den Frauen nichts vorgeschrieben werden soll. "Unser Zeichen ist: Zieht das an, wonach ihr euch fühlt. Wenn eine Turnerin sagt: 'Mit diesem kurzbeinigen Anzug fühle ich mich komplett wohl' - dann ist das wunderbar! Dann soll die Turnerin genau diesen Anzug tragen. Wenn die Turnerin sagt: 'Ich fühle mich mit dem Langanzug wohl' - dann soll sie den tragen."

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 02.05.2021 | 22:50 Uhr

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