Stand: 10.03.2020 20:50 Uhr

Sportveranstaltungen im Norden ohne Zuschauer

Das Weserstadion in Bremen ©  imago images / photoarena/Eisenhuth Foto: Eisenhuth
Werder - Leverkusen darf nur ohne Zuschauer stattfinden.

Wegen des Coronavirus müssen auch im Norden sportartenübergreifend zahlreiche Sportveranstaltungen vor leeren Rängen ausgetragen werden. Schleswig-Holstein und Bremen erließen entsprechende Verfügungen, allerdings für unterschiedliche Zeiträume. Auch zahlreiche Auswärtspartien werden für Nordclubs zu Geisterspielen.

Bremen erteilte am Dienstag allen Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen eine Absage. Damit ist auch das Bundesliga-Heimspiel von Werder Bremen am Montag (20.30 Uhr) gegen Bayer Leverkusen betroffen. "Werder gegen Leverkusen kann als Geisterspiel stattfinden oder gar nicht. Ich erwarte eine bundesweite Entscheidung der DFL", sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). "Sicher ist, dass am Montag keine Zuschauer im Weserstadion sein werden." Die Verfügung gilt zunächst bis zum 26. März.

"Diese Regelung ist im Sinne des Schutzes der Bevölkerung nachvollziehbar. Die Veranstalter und Sportvereine, die das betrifft, stellt das natürlich vor immense Herausforderungen", sagte Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry.

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Werder-Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald © imago/Nordphoto Foto: Ewert

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Wie reagiert die DFL?

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) forderte die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf, alle Spiele der Bundesliga am kommenden Wochenende zu verschieben. Die Zeit könnte dafür genutzt werden, um eine "einheitliche Linie für die nächsten Spieltage" abzustimmen. Auch Mäurer plädierte für eine Verschiebung: "Ein Spiel ohne Zuschauer ist nicht die ideale Lösung."

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Coronavirus: Mitteilung und Maßnahmen der DFL

Die Mitteilung und Maßnahmen der Deutschen Fußball Liga bezüglich des Coronavirus. extern

Die DFL hatte am Montagabend in einer Mitteilung die Verschiebung von Spieltagen "en bloc" nicht kategorisch ausgeschlossen. "Die DFL wird sich mit dem DFB und der UEFA hinsichtlich möglicher Terminflexibilität dahingehend austauschen, ob eine Verlagerung von Liga-Spieltagen bis Ende Mai theoretisch möglich sein könnte", hieß es. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert schloss dies für den bevorstehenden Spieltag allerdings aus.

Keine Zuschauer in Schleswig-Holstein

Auch zahlreiche Sportveranstaltungen in Schleswig-Holstein müssen vor leeren Rängen ausgetragen werden.

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Die Landesregierung untersagte alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen bis zum 10. April. Betroffen davon sind unter anderem die Bundesliga-Handballer des THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt, die Zweitliga-Fußballer von Holstein Kiel sowie die Fußball-Regionalligisten Weiche Flensburg und VfB Lübeck, die am Freitag gegeneinander gespielt hätten. "Wir werden das Spiel gegen den VfB Lübeck absagen. Ein Geisterspiel ist für uns kein Thema, da sowohl der VfB Lübeck als auch wir der Meinung sind, dass gerade dieses Landesderby einen würdigen Rahmen verdient", teilte Weiche mit.

"Es wäre sehr wünschenswert gewesen, wenn man seitens der Landesregierung und des Gesundheitsministeriums vorher mit uns als Sportveranstaltern zu dieser Entscheidung Kontakt aufgenommen hätte." SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke

Nordclubs auch auswärts vor leeren Rängen

Der Freistaat Bayern und Nordrhein-Westfalen trafen dieselbe Entscheidung, die allerdings bis einschließlich 19. April beziehungsweise für NRW ohne zeitliche Befristung gilt. Das betrifft am kommenden Wochenende in den Bundesligen die Auswärtsspiele des VfL Wolfsburg beim FC Augsburg (Sonntag) sowie die Partien Arminia Bielefeld - VfL Osnabrück, Greuther Fürth - HSV (beide Freitag) und Jahn Regensburg - Holstein Kiel (Sonnabend). Auch diese Begegnungen müssen ohne Zuschauer ausgetragen werden. Wie der HSV mitteilte, bekommen die 2.400 Fans, die über den Club bereits eine Eintrittskarte für das Auswärtsduell gekauft und bezahlt hatten, ihre Tickets zurückerstattet.

"Wir finden es aus sportlicher, atmosphärischer und wirtschaftlicher Sicht extrem schade, dass es nun zu solchen Geisterspielen kommt und wir in Fürth auf unsere treuen und lautstarken Fans verzichten müssen. Wir hoffen aber natürlich im Sinne der Bevölkerung, dass diese Maßnahmen zur Verringerung einer weiteren Ausbreitung des Virus beitragen können." HSV-Boss Bernd Hoffmann

Verbände beraten sich - DEL-Saison abgebrochen

Die DFL will sich am Montag mit den Clubs der Ersten und Zweiten Liga treffen, um den weiteren Saisonverlauf gemeinsam zu besprechen. Die Handball-Bundesliga wird ebenfalls am Montag auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung "unterschiedliche Szenarien durchspielen und dann entscheiden, wie wir reagieren", so Frank Bohmann.

Der HBL-Geschäftsführer betonte mit Blick auf die von der Politik vorgegebene Grenze von 1.000 Zuschauern: "Unsere Profiliga wäre gerne in den Entscheidungsprozess enger eingebunden gewesen. Die 1.000er-Grenze erscheint uns vollkommen willkürlich." Die Basketball-Bundesliga (BBL) kommt bereits am Donnerstag zu einer Krisensitzung zusammen.

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) brach am Dienstag die Saison ab, es wird keinen deutschen Meister 2020 geben. Die Grizzlys Wolfsburg und die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven hatten sich für die Play-offs qualifiziert.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 10.03.2020 | 14:25 Uhr

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