Ein Ordner mit Mund-Nasen-Schutz im Fußballstadion © IMAGO / Poolfoto

Corona-Gipfel: Der bange Blick des Sports nach Berlin

Stand: 16.11.2021 15:38 Uhr

Die sich wieder zuspitzende Corona-Lage könnte auch erhebliche Auswirkungen auf den deutschen Profisport haben. 2G, 2Gplus oder gar die Rückkehr von Geisterspielen? Die Bund-Länder-Beratungen am Donnerstag lassen die Liga-Bosse bangen.

Wenn Bund und Länder am Donnerstag über neue Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie entscheiden, könnte es - wieder einmal - zu tiefgreifenden Veränderungen kommen. Selbst das Schreckgespenst eines Zuschauer-Ausschlusses, wie kürzlich in den Niederlanden verfügt, schwebt vor der Ministerpräsidentenkonferenz erneut über dem deutschen Profisport.

"Erneute Geisterspiele werden nicht verhandelbar sein." BBL-Chef Stefan Holz

"Die Gefahr ist real. Es scheint alles wieder von vorne zu beginnen, wie im letzten Jahr", sagte Handball-Boss Frank Bohmann. Aktuell sieht der HBL-Geschäftsführer solch eine Einschränkung zwar nicht, doch mit diesem Szenario befasse man sich "zwangsläufig auch". Die Verantwortlichen im Basketball beobachten die Entwicklungen laut Stefan Holz ebenfalls "mit Sorge". Allerdings: Auch wenn sich die Basketball-Bundesliga mit den "wie auch immer kommenden Zuschauerregelungen arrangieren" müsse, seien "erneute Geisterspiele nicht verhandelbar", betonte der BBL-Geschäftsführer.

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RKI warnt vor Großveranstaltungen

"Wenn das RKI letztens vor Großveranstaltungen sogar 'warnt', ist das natürlich nicht hilfreich", sagte Holz. Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, hatte zuletzt betont, dass es "fünf nach zwölf" sei. Die vierte Welle treffe Deutschland jetzt mit voller Wucht. Holz verwies erneut darauf, "dass der Zuschauersport nachgewiesenermaßen kein Infektionstreiber ist, siehe auch die veröffentlichten Zahlen der Luca App".

Corona-Zahlen steigen dramatisch

Anfang September hatte die Deutsche Fußball Liga (DFL) eine erste Bilanz der Teil-Rückkehr von Zuschauern in die Stadien gezogen. Bei den bis dahin 73 Partien unter Organisation der DFL hatte es demnach sechs positive Corona-Tests gegeben. "Wenn jetzt immer noch kommuniziert wird, dass Fußballspiele potenzielle Superspreader-Events sind und es gefährlich ist hinzugehen, das ist in der Zwischenzeit vorsätzlich falsch", sagte DFL-Chef Christian Seifert damals. Zwei Monate später aber haben sich die Corona-Zahlen in Deutschland dramatisch verändert. Zu Wochenbeginn stieg die Inzidenz erstmals auf über 300.

Chefs der Spitzensportverbände rechnen mit 2G-Regelung

Als sicher gilt in den Chefetagen der deutschen Spitzensportverbände, dass die Politik auf ihrem Corona-Gipfel eine verpflichtende 2G-Regelung für Zuschauer treffen wird. Heißt: Wer ein Spiel seines Clubs live in der Arena sehen will, muss entweder geimpft oder genesen sein. Deutschland ist bei diesem Thema bislang ein Flickenteppich aus bereits praktizierter 2G-Regel und 3G (Geimpft, Genesen, Getestet).

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Während für Bohmann eine 2G-Vorgabe für die Handballer "kein großes Thema" sei, "da schon jetzt nur ein winziger Teil der Zuschauer 2G nicht erfüllt", steht Holz dem skeptisch gegenüber. "Wenn jetzt weitere Verschärfungen kommen, wird es mit Sicherheit nicht besser", sagte der BBL-Chef. Aktuell seien die Fans mit der uneinheitlichen 2G- beziehungsweise 3G-Lösung "schon sehr zögerlich".

2Gplus-Modell stößt auf Ablehnung

Einig sind sich die Spitzenverbände in ihrer Haltung zu einer möglichen 2Gplus-Regelung, bei der für alle Besucher zusätzlich zu einem vollständigen Impfschutz oder einer Genesung negative Tests verpflichtend wären. "Dies würde ein erhebliches Problem bedeuten", so Bohmann. Es würde "vermutlich dazu führen, dass eine Vielzahl von Zuschauern nicht mehr kommen würden. Es wird sich die Frage stellen, ob sich der hohe Aufwand dann überhaupt noch lohnt."

Darüber hinaus halte er 2Gplus für keine angemessene Maßnahme, "da es am eigentlichen Problem vorbei geht. Die hohe Hospitalisierungsrate, das zeigen alle Zahlen, ist vor allem ein Problem der Ungeimpften. Mit einem flächendeckenden 2G würden wir dieser Tatsache voll und ganz Rechnung tragen", so der 57-Jährige. Zusätzliche Testpflichten hält er "in Bereichen mit vulnerablen Personen wie Altenheimen und Krankenhäuser für angemessen und effektiv".

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 18.11.2021 | 18:25 Uhr

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