Stand: 25.12.2018 13:53 Uhr  | Archiv

So feiern unsere Nachbarn Weihnachten

Lebkuchenherz mit der Aufschrift Merry Christmas © imago/Dean Pictures
Den englischen Weihnachtsgruß versteht fast jeder.

Alle Jahre wieder. Zum Weihnachtsfest gehören in vielen Familien feste Rituale, die häufig schon seit Generationen gepflegt werden: vom Gottesdienst am Heiligen Abend bis zum Festessen am ersten Weihnachtstag. Aber wie halten es unsere Nachbarn in Europa und Christen in aller Welt? Fast jedes Land hat seine eigenen Traditionen - und die können von unseren Vorstellungen erheblich abweichen. Ein Blick über die Grenzen:

Dänemark mag es hyggelig

Dänische Weihnachtskerze mit Zahlen von 1 bis 24 brennt. © imago/Dean Pictures
Mit jedem Tag im Dezember wird die Weihnachtskerze kleiner.

Bei unseren nördlichen Nachbarn geht es in der Weihnachtszeit besonders gemütlich zu - einfach hyggelig. An der großen Adventskerze brennt jeden Tag eines der 24 Segmente ab. Das Weihnachtsfest selbst beginnt schon am 23. Dezember mit dem "kleinen Heiligabend". Der Tannenbaum wird in der Wohnung aufgestellt und mit Weihnachtsherzen geschmückt, die Dänen naschen Plätzchen und genießen heißen Glögg. Das Festessen wird am Abend des 24. serviert, es gibt Ente, Gans oder Schweinebraten und zum Dessert Weihnachtsgrütze mit einer versteckten Mandel. Danach dürfen die Geschenke ausgepackt werden.

Sinterklaas beschenkt die Niederlande

Der holländische Weihnachtsmann Sinterklaas mit seinem Helfer Zwarte Piet © imago/VI Images
Sinterklaas beschenkt die Kinder schon in der Nacht zum 6. Dezember.

Wenn wir Weihnachten feiern, ist für die Kinder in den Niederlanden der Spaß schon vorbei. Sie haben dem Abend des 5. Dezember entgegengefiebert, denn dann kommt Sinterklaas vorbei. Der holländische Nikolaus und sein Helfer Zwarte Piet treffen mit dem Schiff in den Häfen ein und bringen Geschenke. Es folgt ein fröhlicher Familienabend mit gutem Essen und Süßigkeiten. Der Rest der Weihnachtszeit bis zum Heiligen Abend verläuft eher gelassen. Der Geburt Christi wird mit einem Gang in die Kirche und einem weiteren festlichen Essen gedacht.

Truthahn und Plumpudding in Großbritannien

Auf der Insel ist der 25. Dezember der wichtigste Weihnachtstag. Am Heiligen Abend bereiten die Briten das Festessen vor, den gefüllten Truthahn und den Plumpudding, in dem Münzen oder kleine Geschenke für die Kinder versteckt werden. Abends hängen Socken am Kamin, die "Father Christmas" in der Nacht mit Präsenten füllt. Größeres legt er direkt unter den Weihnachtsbaum, wo es die Kinder am nächsten Morgen finden. Am Weihnachtstag wird in der reichlich mit Girlanden geschmückten Wohnung festlich gespeist, "Christmas Crackers" krachen - Knallbonbons, aus denen kleine Gaben fallen. Nicht fehlen dürfen Weihnachtskarten mit festlichen Motiven, die die Post millionenfach durch das Land befördert.

Spanien feiert an der Krippe

Weihnachtskrippe auf Teneriffa © imago/Lindenthaler
In der Weihnachtszeit bauen Spanier ihre Krippen auf.

Ganz in der biblischen Tradition steht im katholischen Spanien die Krippe im Mittelpunkt des Weihnachtsfestes. Ob handlich klein für das Wohnzimmer oder lebensgroß in öffentlichen Gebäuden und Kirchen, eine üppig geschmückte Krippe fehlt nirgends. Am Heiligen Abend versammelt sich die Familie gut gekleidet zu einem Festessen. Danach geht die jüngere Generation aus, die Älteren treffen sich um Mitternacht zur "Hahnenmesse" in der Kirche. Am 25. Dezember stehen weitere Gottesdienste an oder man genießt den freien Tag. Die Geschenke bringen erst die Heiligen Drei Könige am 6. Januar. Fast das wichtigste Ereignis hat in Spanien bereits am 22. Dezember stattgefunden: Die Preise der Weihnachtslotterie werden im Fernsehen live gezogen und Millionen Menschen hoffen auf den Hauptgewinn "El Gordo" - der Dicke.

Frankreich: Weihnachten für Genießer

Für die Franzosen steht gutes Essen ganz oben auf dem Weihnachtsprogramm. Der Heilige Abend beginnt als normaler Arbeitstag, abends geht es erst zur "Mitternachtsmesse" (die meist schon am frühen Abend stattfindet), dann wird ausgiebig geschlemmt: Truthahn mit Maronen, Austern, Pasteten und Champagner. Die Kinder müssen noch auf die Geschenke warten, denn "Pere Noel", der Weihnachtsmann, legt sie erst in der Nacht zum 25. Dezember, dem einzigen Weihnachtsfeiertag, unter den Tannenbaum.

Panettone und der Segen des Papstes in Italien

Panettone, der italienische Weihnachtskuchen © imago/BE&W
Panettone gehört in Italien zu Weihnachten wie bei uns Stollen.

Vom 8. Dezember bis zum 6. Januar dauert die Weihnachtszeit in Italien. Es beginnt mit dem Feiertag Mariä Empfängnis. Der Weihnachtsbaum - meist mit Wurzel oder aus Plastik - wird ins Haus geholt und geschmückt. Am Heiligen Abend trifft sich die Familie, besucht einen Gottesdienst, isst gemeinsam und genießt Panettone, den Weihnachtskuchen. Fleisch kommt erst am 25. auf den Tisch. Manchmal hat das Christuskind Geschenke unter den Baum oder an die Krippe gelegt. Wer Pech hat, muss bis zum 6. Januar warten - allerdings nicht auf die Heiligen Drei Könige, sondern auf die gute Hexe Befana, denn sie bringt die Geschenke. Wichtig für alle Katholiken: Am Mittag des 25. sendet der Papst aus Rom den Segen "Urbi et orbi" in die Welt.

Polen: Gäste willkommen

Fasten im Advent

Neben der Fastenzeit vor Ostern kennt die christliche Tradition eine zweite Fastenzeit im Advent. Sie beginnt nach dem Essen der Martinsgans am 11. November und endet nach 40 Tagen (ohne Sonntage) am 25. Dezember mit dem Weihnachtsfest.

Im katholischen Polen spielen christliche Traditionen eine wichtige Rolle. Zum Auftakt der Familienfeier am Heiligen Abend werden die Weihnachts-Evangelien verlesen, dann teilt jeder seine Oblate mit den anderen. In Anlehnung an Fastenbräuche gibt es beim Festmahl traditionell kein Fleisch, sondern verschiedene Fischgerichte. Wenn an der Tafel ein Platz leer bleibt, hat sich niemand verzählt, sondern die Familie erinnert damit an verstorbene Verwandte und hält den Stuhl für einen möglichen Überraschungsgast frei. Da man erwartet, dass das gesamte kommende Jahr wie der Heilige Abend werden wird, sind Streit und Hektik tabu.

Griechenland: Geschenke erst an Silvester

Am Heiligen Abend denken die Kinder in Griechenland noch nicht an Geschenke, denn die gibt es erst am Abend des 31. Dezember. Am 24. ziehen sie singend mit Instrumenten von Haus zu Haus und verkünden die Geburt Jesu. Als Dank erwarten sie kleine Geschenke oder Geld. Am 25. kommen die Familien mit dem Ende der Fastenzeit im Advent zu einem festlichen Essen zusammen, beliebt ist gefüllter Truthahn. In den Wohnzimmern stehen Schüsseln mit traditionellem Weihnachtsgebäck. Abends werden Feuer angezündet, um freche Kobolde zu vertreiben.

Australien feiert am Strand

Am anderen Ende der Welt ist in der Weihnachtszeit Hochsommer, die Tage sind lang. Kein Wunder also, dass Australier die Weihnachtstage gern am Strand verbringen. Trotz kurzer Hosen fehlt die Weihnachtsdeko mit künstlichen Tannenbäumen, bunten Kugeln und aufgeblasenen Schneemännern in den Vorgärten nicht. Auch das üppige Festmenü am Heiligen Abend, gern mit einem gebratenen Truthahn oder Fisch, erinnert an Europa. Auf die Geschenke müssen Kinder bis zum nächsten Morgen warten, denn erst in der Nacht zum 25. klettert Santa Claus durch den Kamin.

Weitere Informationen
Auf einem historischen Bild etwa von 1910 steht ein Paar neben einem geschmückten Weihnachtsbaum. © fotolia Foto: Patricia

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Handgeschriebenes Notenblatt, O du fröhliche, Weihnachten © fotolia Foto: bidaya

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Dieses Thema im Programm:

15.12.2014 | 15:15 Uhr