Stand: 08.09.2016 00:00 Uhr  - NDR Info  | Archiv

Kontowechsel wird bald leichter

von Lena-Maria Reers, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Immer öfter erheben Banken wieder Gebühren für Dienstleistungen rund ums Girokonto. Für Kunden, die sich darüber ärgern, gibt es eine gute Nachricht: Ab Mitte September sind Banken dazu verpflichtet, den Kontowechsel zu erleichtern. Was genau wird sich durch das sogenannte Zahlungskontengesetz ändern?

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"Auch die alte Bank muss dem Kunden beim Kontowechsel helfen", sagt Finanzexpertin Josefine Lietzau.

Am Schreibtisch oder am Computer die Kontoauszüge des vergangenen Jahres durchackern und alle regelmäßigen Zahlungseingänge, Lastschriften und Daueraufträge notieren? Das gehört bei einem Kontowechsel bald der Vergangenheit an, sagt Josefine Lietzau vom Verbraucherportal Finanztip: "Durch das neue Gesetz müssen die Banken dem Kunden beim Kontowechsel helfen. Sie müssen die Daten der vergangenen 13 Monate rausrücken und sie müssen die darin vermerkten Lastschriften und Daueraufträge übertragen."

Auch die alte Bank muss beim Wechsel helfen

Bisher hat nur die neue Bank einem Wechselwilligen geholfen. Doch ab dem 18. September ist auch die alte Bank gesetzlich zur Unterstützung verpflichtet. Dabei ist der zeitliche Ablauf genau geregelt. Nachdem der Kunde bei der neuen Bank den Kontowechsel beantragt hat, muss diese innerhalb von zwei Tagen Kontakt zum bisherigen Geldinstitut aufnehmen. Das wiederum hat fünf Tage Zeit, um die Liste aller Daueraufträge, Lastschriften und eingehenden Überweisungen an den Verbraucher und die neue Bank zu übermitteln. Weitere fünf Tage später soll das neue Konto fertig eingerichtet, alle Geschäftspartner informiert und Abbuchungen möglich sein. Ein ambitionierter Zeitplan, sagt auch Lietzau: "Für die Banken kann es schwer sein, das innerhalb von zwölf Tagen hinzukriegen, aber darum kommen sie nicht herum, weil es gesetzlich so festgelegt ist. Wenn es nicht klappt, müssen sie tatsächlich haften."

Datenaustausch wird individuell unter Banken geregelt

Nicht klar geregelt ist in dem Gesetz allerdings, wie die Banken die Daten austauschen sollen. Deshalb hat sich der Bundesverband deutscher Banken dafür eingesetzt, die neue Regelung erst jetzt einzuführen. Dadurch hatten die Banken mehr Zeit, um die notwendigen Prozesse zu optimieren und sich auf Verfahren zu einigen, sagt Verbandssprecher Lars Hofer: "Wie die Daten genau übermittelt werden, das ist Gegenstand individueller Vereinbarungen zwischen den Banken. Im Regelfall werden sie elektronisch übermittelt. Das ist am effizientesten und kostengünstigsten."

Kontowechsel darf nichts kosten

Je nach Bank ist der genaue Ablauf also unter Umständen anders geregelt. In jedem Fall muss der Kunde bestimmen können, wann das neue Konto einen bestimmten Dauerauftrag oder ein Lastschriftmandat übernimmt und wann das alte geschlossen wird. Nach wie vor besteht die Möglichkeit, den Kontowechsel in der Bank oder im Internet durchzuführen. Grundsätzlich muss er für den Kunden kostenlos sein, es sei denn, eine Bank hat mit dem Verbraucher eine andere Vereinbarung getroffen. Außerdem muss der Kunde die Banken schriftlich zur Kontowechselhilfe ermächtigen. Das Ganze sei - so Bankenverbands-Sprecher Hofer - durchaus auch über das gesicherte System des Onlinebankings möglich - also mit PIN- und TAN-Legitimation.

Neues Gesetz vereinfacht Abläufe erheblich

Es kann passieren, dass eine der Banken oder andere Vertragspartner, wie etwa ein Telefonanbieter oder ein Versicherer, sicherheitshalber noch einmal eine schriftliche Bestätigung des Kontowechsels verlangen. Dann hat der Kunde doch wieder Papierkram zu erledigen. Insgesamt aber vereinfacht das neue Gesetz die Abläufe für Bankkunden erheblich, sagt auch Hofer: "Es kann allerdings sein - wie immer bei der Einführung neuer Regeln -, dass es in den ersten Tagen zu dem einen oder anderen Ruckler kommt. Wir empfehlen daher, das neue und alte Konto für einen gewissen Zeitraum parallel zu führen." Nicht von dem neuen Zahlungskontengesetz erfasst sind übrigens Kreditkarten und Kontoverlagerungen ins Ausland.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 08.09.2016 | 07:41 Uhr

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