Stand: 28.04.2014 21:00 Uhr  | Archiv

Worauf Erben achten müssen

Frau auf einer Beerdigung hält eine Rose © fotolia.com Foto: Kzenon
Nach dem Tod eines Angehörigen sind trotz Trauer viele Dinge zügig zu erledigen.

Ein Todesfall in der Familie ist für viele Angehörige ein schwerer Schock. Doch die Hinterbliebenen sind verpflichtet, bereits innerhalb der ersten Tage nach dem Tod viele Dinge zu regeln. Wer bestimmte Fristen verpasst, riskiert hohe finanzielle Belastungen und sogar den Wegfall von Leistungen, etwa aus der Lebensversicherung des Verstorbenen. Rechtsanwalt Dr. Philipp Sticherling gibt Tipps für den Erbfall.

Den Tod feststellen und melden

Ist der Angehörige zu Hause verstorben (nicht im Krankenhaus oder Pflegeheim), muss ein Arzt gerufen werden, der die Todesursache feststellt und den Totenschein ausstellt. Der Todesfall muss dem zuständigen Standesamt spätestens am ersten Werktag nach dem Todestag gemeldet werden. Dabei sind folgende Dokumente vorzulegen:

  • Personalausweis
  • Totenschein
  • Geburtsurkunde
  • Heiratsurkunde
  • bei Witwern: Sterbeurkunde des Ehepartners
  • bei Geschiedenen: Scheidungsurteil

Bestattung planen und bezahlen

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Die Art und Weise der Bestattung bestimmen die nächsten Angehörigen, und zwar auch dann, wenn sie nicht die Erben sind. Sie haben das Recht, aber auch die Pflicht der Totenfürsorge. Das heißt: Sie müssen sich in angemessener Weise um den Leichnam kümmern. Hat der Verstorbene per Testament einer anderen Person die Totenfürsorge übertragen, so ist diese dafür zuständig. Die Kosten für die Beisetzung haben die Erben zu tragen, also nicht die nächsten Angehörigen.

Versicherungen rechtzeitig informieren

Hat der Verstorbene eine Lebens- oder Unfallversicherung, ist schnelles Handeln gefragt. Die Hinterbliebenen müssen den Tod innerhalb einer bestimmten Frist melden, sonst erlischt der Anspruch auf Leistungen. Die Fristen stehen in den Vertragsbedingungen. Sie sind oft sehr kurz, zum Beispiel 24 oder 72 Stunden nach dem Tod. Am besten melden Sie den Todesfall zunächst telefonisch und zur Sicherheit auch schriftlich per Einschreiben mit Rückschein. Nur so können Sie beweisen, dass die Meldung den Versicherer erreicht hat.

Testament unverzüglich abliefern

Oft hinterlassen Verstorbene ein sogenanntes privatschriftliches, also nicht beim Notar hinterlegtes Testament. Wer es besitzt, muss es unverzüglich im Original beim Nachlassgericht abliefern. Das Nachlassgericht ist das Amtsgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen. Wer ein Testament nicht abliefert, macht sich wegen Urkundenunterdrückung strafbar. Es droht eine Geldstrafe oder Haft bis zu fünf Jahren.

Erbschein beantragen und Erbe melden

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Bei gesetzlicher Erbfolge oder privatschriftlichem Testament wird in bestimmten Fällen zum Nachweis des Erbrechts ein Erbschein benötigt, etwa zur Vorlage bei der Bank oder zur Berichtigung eines Grundbucheintrags. Der Erbschein ist beim Nachlassgericht oder beim Notar zu beantragen.

Wer Vermögen erbt, muss dies innerhalb von drei Monaten beim Finanzamt melden. Zuständig ist die Erbschaftssteuerstelle.

Nachfolge im Mietvertrag regeln

Hat der Verstorbene zur Miete gewohnt, ist die Rechtsnachfolge so geregelt:

  • Ehegatten, Lebenspartner oder Familienangehörigen, die mit dem Verstorbenen gemeinsam zur Miete gewohnt haben, werden automatisch neuer Mieter. Sie haben jedoch das Recht, den Mietvertrag innerhalb eines Monats nach Kenntnis des Todes zu kündigen.
  • Haben auch andere Personen den Mietvertrag unterschrieben, bleiben sie Mieter. Sie können allerdings innerhalb eines Monats nach Kenntnis des Todes mit der gesetzlichen Frist kündigen, also spätestens am dritten Werktag eines Kalendermonats zum Ablauf des übernächsten Monats.
  • Gibt es keine Personen, die das Mietverhältnis antreten, sind die Erben an der Reihe. In diesem Fall haben sowohl die Erben als auch der Vermieter das Recht, den Mietvertrag innerhalb eines Monats nach Kenntnis des Todes zu kündigen.

Rente für "Sterbevierteljahr" beantragen

Während der sogenannten Sterbeübergangszeit - im Volksmund auch "Sterbevierteljahr" genannt - bekommen Witwen beziehungsweise Witwer eine Übergangsrente. Sie wird bis zum Ende des dritten Kalendermonats nach dem Monat gezahlt, in dem der Ehegatte verstorben ist. Die Rente entspricht der Altersrente des Verstorbenen. Die Auszahlung muss innerhalb von 30 Tagen nach dem Tode des Rentenbeziehers beim Renten-Service der Post beantragt werden.

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 09.01.2017 | 22:00 Uhr

Informationen zur Sendung

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