Stand: 17.02.2020 15:48 Uhr

Wie sieht das Essen der Zukunft aus?

Professor Mark Post von der Universität Maastricht präsentiert künstliches Fleisch in einer Petrischale. © picture alliance/dpa Foto: David Parry / Pa Wire Handout
Fleisch aus dem Reagenzglas könnte in Zukunft eine Alternative zu Fleisch aus herkömmlicher Produktion sein.

Die Bevölkerung auf der Erde wächst stetig, der Klimawandel schreitet voran und die Gesellschaft in den Industrienationen altert. Auf all diese Entwicklungen reagiert auch die Ernährungsindustrie. Wissenschaftler forschen an alternativen Anbaumöglichkeiten und neuen Nahrungsquellen, die die Ernährung zukünftiger Generationen sicherstellen sollen.

VIDEO: Wie sieht die Ernährung der Zukunft aus? (12 Min)

Steaks aus dem Reagenzglas?

Konventionelle Fleischproduktion schadet Umwelt und Klima. Und die Haltungsbedingungen für Tiere stehen in der Kritik.  Eine Alternative könnte in Zukunft Fleisch aus dem Labor sein. Forscher beschäftigen sich seit einigen Jahren mit dem sogenannten In-vitro-Fleisch. Dafür werden einem lebenden Tier mithilfe einer Biopsie Muskelstammzellen entnommen. Die Zellen werden in einer Nährlösung kultiviert und vermehren sich. Aus den Stammzellen entwickeln sich Muskelzellen, die zu Muskelfasern zusammenwachsen.

Bereits 2013 formten Forscher der Universität Maastricht aus so gewonnenen Muskelfasern einen Burger. 2016 präsentierte ein Start-up-Unternehmen in den USA das erste In-vitro-Fleischbällchen. Allerdings fehlen bisher Verfahren, solches Laborfleisch als Massenware herzustellen. Unter anderem beschäftigen sich Wissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie mit "Visionen von In-vitro-Fleisch". Das Bundesforschungsministerium unterstützt das Projekt.

Insekten als Alternative zu konventionellem Fleisch?

Eine nachhaltige Alternative zu konventionellem Fleisch könnten auch Insekten sein. Einige Supermärkte bieten bereits Grillen, Mehlwürmer und Heuschrecken an, die aus Zuchtanlagen stammen und nachhaltig produziert wurden. Für Insekten spricht vor allem ihr hoher Proteingehalt. Doch in Deutschland finden es immer noch viele eklig, Insekten zu essen.

Quallen - Nutztiere der Zukunft?

Dänische Gastrophysiker forschen an der Frage, ob Quallen ein geeignetes Nahrungsmittel der Zukunft sein könnten. Ohrenquallen gibt es überall an der Ostseeküste, in manchen Sommern sogar mehr als den meisten Badegästen lieb ist. Die Meerestiere bestehen fast zu 98 Prozent aus Wasser, enthalten keinen Zucker und kein Fett und kaum Kalorien. Naturbelassen sind sie allerdings eher ungenießbar, weil sie sehr schleimig und wabbelig sind.

Beim Kochen würden sich Quallen einfach auflösen, getrocknet zerfallen sie zu Pulver. Die Forscher entziehen den Glibbertieren mit Alkohol Wasser, ohne ihre Struktur zu zerstören. Zwei Tage werden die Quallen eingeweicht und dann getrocknet. Das Ergebnis sind Quallenchips, die durch Frittieren noch knuspriger werden. Sterneköche haben schon Interesse angemeldet.

Kräuter aus dem Mini-Gewächshaus

Bei einem Berliner Start-up-Unternehmen wachsen Kräuter, Gemüse und Salate nicht mehr auf dem Feld, sondern in Mini-Gewächshäusern, die direkt im Supermarkt oder Restaurant stehen: Inmitten der Stadt, ohne weite Transportwege, ohne großen Flächenverbrauch und unter ökologischen Gesichtspunkten. Die Pflanzen bekommen bestimmte Nährstoffe, wenig Wasser und gedeihen unter künstlichem Licht. Chemische Pflanzenschutzmittel seien nicht nötig, betonen die Betreiber, die bereits mehrere Lebensmittelmärkte mit ihren Geräten beliefern.

Joghurt aus Erbsenpulver

Wie neu entwickelte Lebensmittel die Gesundheit älterer Menschen erhalten und verbessern können, erforschen Wissenschaftler des Projekts "NutriAct", das vom Bundesforschungsministerium unterstützt wird. So entwickeln sie mithilfe innovativer Lebensmitteltechnologien beispielsweise einen Joghurt aus Erbsenpulver, der statt Milch viel pflanzliches Protein enthält. Ziel des Projekts sind Empfehlungen zur gesunden Ernährung im Alter, die die Menschen gut annehmen und dauerhaft umsetzen können.

Dieses Thema im Programm:

tagesschau24 | WissensCheck | 25.02.2020 | 09:05

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