Stand: 17.11.2016 20:00 Uhr  | Archiv

Wie gesund ist Milchersatz?

Verbraucher verzichten aus unterschiedlichen Gründen auf Kuhmilch: Veganer lehnen tierische Erzeugnisse ab und Menschen, denen Milch nicht gut bekommt, umgehen ihre Laktoseintoleranz. Doch auch wer Kuhmilch verträgt, greift im Supermarkt immer öfter zu Milchalternativen. Herkömmliche Milch ist in Verruf geraten - Drinks aus Soja, Reis, Hafer oder Mandeln liegen im Trend.

Mandelmilch

Neben Reformhäusern und Bioläden bieten mittlerweile auch große Supermärkte den Mandeldrink an. Mandelmilch enthält wenig Eiweiß und Kalzium - ist dafür aber reich an Spurenelementen und Vitaminen und kann deshalb als eine gesunde Milchalternative dienen. Der Mandeldrink hat ein nussiges Aroma und eignet sich besonders gut zum Backen oder in Verbindung mit Müsli. Im Kaffee flockt Mandelmilch leider. Und auch beim Thema Umweltschutz ist Achtsamkeit gefragt: Der Anbau von Mandeln verschlingt viel Wasser, die Transportwege aus den warmen Regionen dieser Welt sind häufig sehr lang.

Mandelmilch selbst gemacht!

Für einen Liter Mandelmilch benötigen Sie 200 Gramm Mandeln, Wasser und optional etwas Honig, Zucker oder Agavendicksaft.

Zuerst bedecken Sie die Mandeln vollständig mit Wasser und lassen diese acht bis zehn Stunden quellen. In einem zweiten Schritt pürieren Sie die Mandeln zusammen mit einem Liter Wasser - solange, bis eine weiße Flüssigkeit ohne Stückchen entsteht. Im Anschluss passieren Sie die Mandelmilch, dafür legen Sie das Sieb am besten mit einem Mulltuch aus. Sie können die fertige Mandelmilch nach Belieben süßen.

Sojamilch

Der Sojadrink ist der Klassiker unter den Milchalternativen und gehört deshalb zum Standardsortiment der meisten Supermärkte. Wenn der Drink nicht zusätzlich gesüßt ist, schmeckt er leicht bitter. Sojadrinks liefern viel Folsäure und pflanzliche Proteine und enthalten fast so viel Eiweiß wie Kuhmilch, jedoch weniger Kalzium - das wird bei der Herstellung künstlich hinzugefügt. Für Kaffee ist Sojamilch gut geeignet, der Milchersatz lässt sich problemlos aufschäumen.

Sojamilch ist reich an sogenannten Isoflavonen (gelblich gefärbte Pflanzenfarbstoffe), die dem weiblichen Sexualhormon Östrogen ähneln. In Asien glaubt man an die heilende Wirkung dieser Stoffe, hierzulande sind sie umstritten, man spricht von einer "unklaren Wirkung" - das Bundesinstitut für Risikoforschung rät deshalb, Säuglingen und Kleinkindern keine Sojamilch zu verabreichen. Da in Südamerika riesige Flächen Regenwald für den Sojaanbau abgeholzt werden, sind Drinks mit Soja aus Europa zu empfehlen.

Hafermilch

Der Haferdrink ist ein kalorienhaltiger Milchersatz: Bei der Herstellung wird Getreidestärke in Zucker umgewandelt - daher der leicht süßliche Geschmack. Hafermilch eignet sich gut zum Kochen und Backen - ist aber relativ nährstoffarm. Der Milchersatz enthält keine Laktose und kein Milcheiweiß - und ist deshalb gut für Allergiker. Beim Kauf sollte auf das BIO-Siegel geachtet werden: Es garantiert, dass sich das Hinzufügen von Kalzium oder anderen Inhaltsstoffen in einem angemessenen Rahmen bewegt.

Reismilch

Wie beim Haferdrink handelt es sich bei der Reismilch um einen kalorienhaltigen und nährstoffarmen Drink - und ist daher keine empfehlenswerte Alternative zu Kuhmilch. Reisdrinks sind laktose-, milcheiweiß- und glutenfrei - deshalb greifen, ähnlich wie bei der Hafermilch, vor allem Allergiker zu diesem Milchersatzprodukt. Die wässrige Milch hat einen neutralen Geschmack und eignet sich für die Herstellung von Süßspeisen aller Art. Beim Kaffeetrinken sollte auf diesen Milchersatz besser verzichtet werden - die Milch lässt sich schlecht aufschäumen.

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Kokosmilch ist eine gesunde Alternative zu herkömmlicher Milch.
Kokosmilch

Bei der Herstellung von Kokosmilch wird das Fruchtfleisch aus der Schale gelöst und gemahlen, die Kokosraspel werden anschließend gepresst. Kokosmilch ist reich an Kalium, Natrium und Magnesium und enthält gesunde Fettsäuren - kein Wunder, dass die Milch in tropischen Ländern ein Grundnahrungsmittel darstellt. Die nussig-fruchtige Milch eignet sich besonders gut zum Kochen - zu beachten ist aber der intensive Eigengeschmack, der nicht zu allen Gerichten passt. Kokosmilch haftet der Ruf an, besonders fettreich zu sein. Dabei liegt der Fettgehalt von durchschnittlich 14 bis 16 Prozent deutlich unter dem von Sahne (30 Prozent). Kokosmilch (in Dosen oder im Tetrapack erhältlich) gibt es in Supermärkten, Asia- und Bioläden zu kaufen.

Dinkelmilch

Drinks aus Dinkel riechen und schmecken stark nach Getreide - bei purem Genuss gewöhnungsbedürftig. Der Milchersatz enthält wenig Eiweiß, kaum Vitamine und Mineralstoffe und wird häufig mit Kalzium angereichert. Menschen, die auf Milcheiweiß allergisch reagieren, vertragen Dinkelmilch gut. Davon abgesehen ist Dinkelmilch kein vollwertiger Ersatz für Kuhmilch. Der ballaststoffreiche Drink ist in Reformhäusern und Bioläden erhältlich.

Welche Milch macht's wirklich?

Dass Milchersatzprodukte auch für diejenigen Menschen gesünder sind, die nicht unter einer Unverträglichkeit leiden, bezweifeln Ernährungswissenschaftler. Die Drinks aus Milchersatz bestehen häufig zu großen Teilen aus Wasser (z. B. Mandelmilch) und enthalten zumeist viel Zucker (z. B. Hafermilch). Kalzium und Vitamine werden oft auf künstliche Art und Weise zugesetzt. Deshalb sind die Milchalternativen nicht gesünder als herkömmliche Kuhmilch - nur teurer.

Weitere Informationen
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plietsch.

"Milch macht müde Männer munter!" - hieß es doch immer. Und heute? Milch gilt plötzlich als ungesund, als Dickmacher, als Risiko. Plietsch begibt sich auf Spurensuche. mehr

Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 18.11.2016 | 16:10 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Wie-gesund-ist-Milchersatz,milch528.html

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