Stand: 20.04.2018 15:29 Uhr  | Archiv

Welches Plastik lässt sich recyceln?

Im Selbstversuch hat Markt Autor Uwe Leiterer schon auf Zucker und Fleisch verzichtet. Jetzt möchte er herausfinden, ob er ohne Plastik leben kann - und wie sich der Verzicht auf seine Gesundheit auswirkt. Im Blog berichtet Uwe jede Woche über seine Erfahrungen.

von Uwe Leiterer

Wer Plastik vermeiden will, sollte sich die Verwertungsketten unseres Plastikmülls genauer anschauen. Denn von Recycling kann man in den meisten Fällen gar nicht sprechen. Da verwundert es kaum, dass der Rat für Nachhaltigkeit der Bundesregierung bei Plastikverpackungen nur eine Recyclingquote von 36 Prozent ermittelt. Der Rest wird verbrannt oder landet in wenigen Fällen auf der Deponie.

Probleme beim Plastik-Recycling

Wenn mehrere Kunststoffe aneinander haften, zum Beispiel harte Plastikschalen mit weichem Deckel, gibt es ein Problem: Die automatischen Sortieranlagen können den Plastikmüll nicht zuordnen. Denn nur sortenreines Plastik lässt sich wiederverwerten. Nicht wiederverwerten lässt sich Plastik mit angetackertem Papier oder Metall. Zum Beispiel lässt sich ein Joghurtbecher mit Aluminiumdeckel nicht wiederverwerten - es sei denn, man entfernt das Metall. Auch schwarzes Plastik wird in Sortieranlagen oft nicht erkannt.

Getränkekartons schwer zu recyceln

Aus gebrauchten Getränkekartons entstehen durch das Recycling keine neuen Getränkekartons, sondern andere Stoffe mit minderwertigeren Eigenschaften. Ähnlich ist es bei sogenanntem Leichtverpackungsmaterial. 

Denn Getränkekartons wie die weitverbreiteten Tetrapaks bestehen nicht nur aus Karton, sondern auch aus plastikbeschichtetem Aluminium, einer Plastikaußenhaut und einer Plastikausgießtülle. Die verschiedenen Stoffe zu trennen, ist höchst aufwendig und lohnt sich deshalb in der Regel nicht: Meist ist es günstiger, die Getränkekartons einfach zu verbrennen.

Recycling bei PET-Verpackungen

"Echtes" Recycling gibt es bei Plastikverpackungen aus PET (Polyethylenterephthalat). Aus dem Kunststoff werden vor allem Getränkeflaschen hergestellt. 95 Prozent des PET-Mülls wird wieder zu PET. Aus dem recycelten Granulat dürfen jedoch keine Lebensmittelverpackungen hergestellt werden - wohl aber Zelte, Regenjacken oder Handschuhe.

Eine Woche des Scheiterns

Wer seinen Verpackungsmüll reduzieren will, sollte das im Urlaub machen. Denn sonst eignet sich das Vorhaben nur für Leute, die viel Freizeit haben. Diese Woche hatte ich das Vergnügen, mit Markt Moderator Jo Hiller einen Film über Garten-Tipps zu produzieren. Die bittere Konsequenz für meine Familie: Weil ich keine Zeit hatte, plastikfrei einzukaufen, mussten wir aus der Konserve leben,

Und wenn es im Supermarkt schnell gehen muss, passieren Fehler. So habe ich völlig aus Gewohnheit am Obststand eine Plastiktüte abgerissen und mit Äpfeln gefüllt. Auch die Tintenpatronen für meine jüngste Tochter bekam ich nur in Plastik. Um mich zu entlasten, übernahm meine Frau den Einkauf am Wochenende - und kam gleich mit drei Plastikverpackungen zurück. Sie hat es erst an der Kasse bemerkt.

Mir ist klar geworden: An das Leben ohne Plastik muss ich mit präziser logistischer Planung herangehen. Diese Woche versuche ich es mit einem plastikfreien Einkauf auf dem Wochenmarkt in Hamburg-Bahrenfeld

Weitere Informationen

Leben ohne Plastik: Kann das gelingen?

Ein Leben ohne Plastik probiert Markt Autor Uwe Leiterer im Selbstversuch aus. Gelingt der Verzicht auf Verpackungsmüll? Und wie wirkt er sich auf die Gesundheit aus? mehr

Dieses Thema im Programm:

Markt | 16.04.2018 | 20:15 Uhr

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