Stand: 06.09.2016 00:00 Uhr  | Archiv

Was tun bei einer Erhöhung der Kontogebühren?

Das kostenlose Giro-Konto scheint besonders bei Filialbanken und Sparkassen ein Auslaufmodell zu sein. Viele Finanzinstitute erhöhen aktuell die Gebühren für Kontoführung und Kreditkarten. Die meisten Kunden nehmen das widerspruchslos hin - das müssen sie aber nicht.

Bild vergrößern
Finanzexperte Achim Tiffe rät dazu, sich den Widerspruch gegen eine Gebührenerhöhung auf jeden Fall bestätigen zu lassen.

Nur selten hängen Finanzinstitute Gebührenerhöhungen an die große Glocke. Sie können sich auch unscheinbar am Ende der monatlichen Kontoübersicht verstecken. Wenn etwa eine Bank die Jahresgebühr für die ausgegebene Kreditkarte von 34,90 auf 39,90 Euro erhöhen will - was rechtlich zulässig ist, wenn sie das zwei Monate vorher ankündigt.

Banken dürfen bei einem Girokonto die Gebühr in den meisten Fällen einseitig anpassen, sagt Achim Tiffe, Rechtsanwalt für Finanzdienstleistungen in Hamburg: "Der Kunde kann natürlich widersprechen. Dies kann formfrei schriftlich oder per Mail geschehen. Den Eingang der Mail sollte man sich aber bestätigen lassen. Das Schreiben sollte man entweder direkt in der Filiale abgeben oder per Einschreiben verschicken."

Nachverhandlungen sind theoretisch möglich

Widerspricht der Bankkunde nicht, gilt das als Zustimmung. Dann muss er die höheren Gebühren zahlen. Und kann er - wenn er widerspricht - mit der Bank oder Sparkasse nachverhandeln? Das sei durchaus realistisch, meint Lars Hofer, Sprecher des Bundesverbandes deutscher Banken: "Das ist von Kreditinstitut zu Kreditinstitut unterschiedlich. Im Regelfall ist es so, dass die internen Vorgaben Ermessensspielräume zulassen und man dementsprechend mit seinem individuellen Berater über die Konditionen zumindest stellenweise verhandeln kann."

Verbraucheranwalt sieht kaum Gestaltungsspielraum

Für Verbraucheranwalt Tiffe ist das jedoch Wunschdenken. Nach seinen Erfahrungen haben Bankmitarbeiter im standardisierten Kundengeschäft kaum Gestaltungsspielraum. Das bestätigt auch Josefine Lietzau vom Verbraucherportal Finanztip: "Kunden können relativ wenig gegen eine Gebührenerhöhung machen. Ein Community-Mitglied von Finanztip hat das Ganze mal probiert. Er hat Widerspruch eingelegt, und die Bank hat das nicht akzeptiert und wird das Konto kündigen, wenn er jetzt nicht die Gebühren akzeptiert. Für die Kunden ist das Beste, was sie dann machen können, sich einfach eine neue Bank zu suchen."

Kunden sollten sich Plan B zurechtlegen

Das bedeutet aber auch, dass man schon beim eingelegten Widerspruch mögliche Konsequenzen im Blick haben sollte, rät Fachanwalt Tiffe: "Sie sollten sich vorher schon mal einen Plan B zurechtlegen: Zu welcher Bank will ich wechseln und ist das wirklich von Vorteil für mich? Gerade verletzliche Verbraucher - also die im Dispositionskredit stehen - sollten sich vorher erkundigen, ob die neue Bank sie auch nehmen würde."

Wer das beachtet, erlebt keine unangenehmen Überraschungen. Auch dann nicht, wenn das Kreditinstitut versuchen sollte, den Widerspruch auszusitzen und zu ignorieren. Spätestens dann könnte die Zeit reif sein, das Girokonto zu wechseln. Nach einer aktuellen Studie des Digitalverbandes Bitkom haben drei Viertel der Deutschen das in ihrem Leben noch nie gemacht - weil sie einen sehr hohen Aufwand befürchten.

Weitere Beiträge aus der Serie "Neues Zahlungskontengesetz"

Das Ende des Null-Euro-Gehaltskontos

Aufgrund der aktuellen Niedrigzinspolitik erheben viele Banken wieder Kontoführungsgebühren bei Girokonten. Doch auch bei kostenlosen Konten sollte man genau hinsehen. mehr

Kontowechsel im Selbstversuch

Viele Deutsche scheuen einen Kontowechsel, weil er mit zu viel Aufwand verbunden ist. NDR Info Redakteur Jens Brommann hat die Erfahrungen seines Selbstversuchs aufgeschrieben. mehr

Kontowechsel wird bald leichter

Ab 18. September gelten neue Regeln für den Kontowechsel. Altes und neues Kreditinstitut müssen den Umzug möglichst einfach gestalten. Dazu gehört auch die Übertragung von Daueraufträgen. mehr

Welche Bank passt zu mir?

Mit der Erleichterung des Kontowechsels wird auch ein Wechsel der Bank attraktiver. Doch welche Bank bietet mir die besten und günstigsten Konditionen? Ein Vergleich lohnt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 06.09.2016 | 07:41 Uhr

Mehr Ratgeber

01:45
NDR Info

Strom sparen im Haushalt

21.08.2018 09:41 Uhr
NDR Info
08:25
Mein Nachmittag

So friert man richtig ein

20.08.2018 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
05:25
Markt