Stand: 22.03.2019 19:25 Uhr

Was ist zu tun, wenn jemand stirbt?

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Fast wie ein Bett: Sarggestaltung auf einer Bestattungsmesse.

Soll das letzte Hemd aus Seide und mit Perlenknöpfen verziert sein oder tut es auch eines aus Baumwolle? Vielleicht würde die Verstorbene gern in ihrem Lieblingskleid bestattet werden - in einem Sarg oder einer Urne? Wer sich um die Bestattung eines Angehörigen oder nahen Freundes kümmern muss, wird eventuell mit überraschend vielen Detailfragen konfrontiert.

Vorher über Bestattungswünsche sprechen

Da sich fast jeder einmal um eine Beerdigung oder Urnenbeisetzung kümmern muss, ist es sinnvoll und hilfreich, sich im Vorwege mit den Aufgaben zu beschäftigen. Behutsam zur Sprache gebracht, kann man auch mit den Eltern darüber sprechen und sie nach ihren Wünschen fragen. Dabei hilft es, auch über die eigenen Vorstellungen zu reden.

Soll es eine Erd- oder Feuerbestattung sein? Welche Art von Urnengrab: In einem anonymen Hain auf dem Friedhof, in einem Friedwald, in einer Urnenwand (Kolumbarium) oder auf See? Bis zum endgültigen Abschied ist eine Menge zu entscheiden.

Ratgeber

"Was tun, wenn jemand stirbt?"
Ein Ratgeber in Bestattungsfragen.
Zu beziehen über die Verbraucherzentralen
21. Auflage 2015
Preis: 9,90 Euro.

Frist bis zur Überführung eines Toten

Leben Menschen zum Zeitpunkt ihres Todes in Seniorenwohnheimen oder befinden sich im Krankenhaus, kümmert sich das Personal um die ersten Schritte. Stirbt jemand aber zu Hause, müssen die Angehörigen selbst einen Arzt verständigen, damit der Tod festgestellt und der Totenschein ausgestellt werden kann.

Ohne dieses Dokument kann ein Bestatter oder eine Bestatterin nicht tätig werden. Nach den verschiedenen Länder-Bestattungsgesetzen bleiben der Familie in der Regel 36 Stunden Zeit, um ein Unternehmen mit dem Transport des oder der Toten in eine Leichenhalle zu beauftragen (Ausnahmen: in Brandenburg und Sachsen 24, in Thüringen 48 Stunden). Dort bleibt die Leiche, bis die Beisetzung stattfindet.

Was nimmt ein Bestattungsunternehmen?

Neben den Kosten für Sarg oder Trauerfeier können eine ganze Reihe weiterer Kostenpunkte eine Bestattung teuer machen: unter anderem etwa Musik, Blumenschmuck oder eine professionelle Trauerrede. Bestattungsunternehmen übernehmen auf Wunsch auch Formalitäten wie die Bestellung der Sterbeurkunde, die Kündigung von Versicherungen oder das Drucken von Trauerkarten. Die Kosten für eine klassische Bestattung variieren von Bundesland zu Bundesland. 4.500 Euro - ohne die Gestaltung des Grabes sind keine Seltenheit.

Beispielkosten für eine Bestattung
LeistungKosten
Beratungsgespräche, Kosten für Verwaltungs- und Organisationsleistungenmax. 300 Euro
Transporte- innerorts bis zu 250 Euro
- außerorts ca. gut 1 bis 2 Euro pro Kilometer
Waschen, Einkleiden und "Einbetten"von 100 bis 400 Euro
Ausrichtung einer kleinen Trauerfeierbis zu 500 Euro
Sarg- für Feuerbestattungen: ab ca. 400 Euro
- für Erdbestattungen: ab ca. 500 Euro
Urnevon 50 bis 1.000 Euro
Verbrennungvon 150 bis 500 Euro
Grabsteinab 400 Euro
Friedhofsgebührenbis zu 5.000 Euro

Große Spannbreiten bei Friedhofsgebühren

Wird der Leichnam eingeäschert, stellt das Krematorium zwischen 150 und 500 Euro in Rechnung. Die Ausgaben sind damit aber noch nicht erledigt: Wenn es eine klassische Grabstätte und kein Platz auf einem anonymen Urnenhain oder eine Seebestattung sein soll, muss auch noch ein Grabstein gekauft werden. Ein günstiger kostet mindestens 400 Euro, nach oben sind je nach Materialwahl, Größe und Gestaltung kaum Grenzen gesetzt.

Außerdem wird noch eine Friedhofsgebühr von ein paar Hundert bis zu etwa 5.000 Euro fällig, je nach Friedhofsgemeinde sowie Größe und Lage des Grabes. Eine kostengünstigere Alternative bieten Bestattungs-Discounter: Komplett-Pakete sind schon für einige Hundert Euro zu haben. Welche Leistungen darin genau enthalten sind, sollte man sich aber exakt erklären lassen. Dienstleistungen wie das Erstellen von Traueranzeigen oder ein Trauergespräch sind hier eher nicht zu erwarten. Und die Friedhofsgebühren fallen natürlich zusätzlich an.

Der Zwang zur Bestattung auf dem Friedhof

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In Deutschland dürfen Verstorbene nur auf einem Friedhof oder dafür ausgewiesenen Flächen bestattet werden.

Im Unterschied zu anderen Ländern, wie etwa der Schweiz oder den USA, besteht in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert der sogenannte Friedhofszwang. Das bedeutet, dass Tote oder deren Asche nur auf Friedhöfen oder dafür ausgewiesenen Flächen - etwa in einem Friedwald - bestattet werden dürfen. Eine Ausnahme ist die Seebestattung.

Geregelt ist der Umgang mit Toten und deren Asche jeweils in den Bestattungsgesetzen der Bundesländer. Eine einheitliche Vorschrift in fast allen Ländergesetzen ist, dass ein öffentlicher Zugang zu einem Grab gewährleistet sein muss. Begründet wird das mit der Würde der Toten und der Achtung der Totenruhe.

Seit 2015 gibt es eine Ausnahme: Das Land Bremen hat den Friedhofszwang für Krematoriumasche abgeschafft. Bremer Bürger können zu Lebzeiten schriftlich erklären, dass sie ihre Asche im eigenen Garten bestattet wissen möchten. Sie müssen außerdem einen sogenannten Totensorgeberechtigten bestimmen, der die Bestattung übernimmt.

Zudem bedarf es seiner eidesstattlichen Versicherung des Grundstücksbesitzers, dass er mit dem Verstreuen einverstanden ist. Im Fach-Jargon meint das Wort bestatten einfach: den Elementen übergeben. Somit darf die Asche auch verstreut werden. Auch Nordrhein-Westfalen und Berlin haben ihre Gesetze auch liberalisiert. 

Die wichtigsten Dokumente: Sterbeurkunde und Erbschein

Angehörige und Freunde sollten über den Todesfall informiert werden. Eine Benachrichtigungsliste, die der Verstorbene selbst noch vor seinem Tod zusammengestellt hat, ist dabei eine große Hilfe. Für die Regelung der anstehenden Formalitäten brauchen die Erben des Verstorbenen zwei wichtige Dokumente: eine Sterbeurkunde und den Erbschein.

Die Sterbeurkunde stellt das Standesamt aus. Da in einigen Fällen Original-Dokumente gebraucht werden, sollten gleich mehrere Ausführungen gekauft werden. Sie kosten meist zwischen 5 und 12 Euro, je nach Bundesland und Gemeinde.

Im Falle einer Erbschaft dient der Erbschein dazu, sich gegenüber Dritten zweifelsfrei als Erbe zu legitimieren. Er ermöglicht zum Beispiel den Zugang zu den Konten des Verstorbenen oder die Überschreibung einer Immobilie auf den eigenen Namen. Beantragt wird das Schriftstück beim Nachlassgericht des zuständigen Amtsgerichts.

Die Kosten dafür ergeben sich aus der Höhe des anfallenden Erbes. Eventuell kann ein notarielles Testament den Erbschein ersetzen. Das spart eine Menge Kosten, aber ein Testament wird nicht immer anerkannt.

Verträge und Mitgliedschaften abmelden und kündigen

Verschiedenste Unternehmen wie Versicherungen, Stromversorger, Telefonanbieter müssen schriftlich über den Tod ihres Kunden unterrichtet werden, um die jeweiligen Verträge zu kündigen. Dafür ist in einigen Fällen eine Kopie, manchmal auch eine Original-Sterbeurkunde erforderlich. Hilfreich für die Kündigung von Daueraufträgen, etwa für Miete, Sportvereinsbeiträge oder Zeitungsabonnements, ist ein genauer Blick auf die Kontoauszüge des Verstorbenen.

Schwieriger wird es, wenn der Tote kostenlose Mitgliedschaften im Internet wie etwa bei Facebook oder anderen sozialen Netzwerken gepflegt hat. Auch um den "digitalen Nachlass" sollten sich die Hinterbliebenen kümmern. Denn die Profile mit ihren persönlichen Daten und allen Fotos sowie Videos bestehen ja erst einmal fort.

Wenn die Zugangsdaten nicht bekannt sind, mit deren Hilfe sich ein digitales Profil einfach selbst löschen lassen könnte, ist auch hier ein Brief oder eine E-Mail samt einer Kopie der Sterbeurkunde der richtige Weg. Die Abwicklung von Todesfällen wird äußerst unterschiedlich gehandhabt.

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