Stand: 21.01.2016 12:27 Uhr  | Archiv

So günstig tankt der Norden

von Axel Franz, NDR.de
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Im Sommer 2012 zeigten die Preistafeln der Tankstellen Werte um 1,70 Euro.

Wer hätte das vor wenigen Jahren erwartet? Im Sommer 2012 berichteten die Medien vom teuersten Benzin aller Zeiten: ein Liter Superbenzin kostete rund 1,75 Euro. Jetzt, knapp vier Jahre später, tanken Autofahrer für weniger als 1,20 Euro - ein Abschlag von fast einem Drittel. Die einst scheinbar unaufhaltsame Aufwärtsspirale bei den Spritpreisen hat sich seit Sommer 2014 nachhaltig in die Gegenrichtung gedreht. Nach Beobachtungen des ADAC lag der Dieselpreis im Januar 2016 im bundesweiten Schnitt erstmals seit sechs Jahren unter einem Euro.

Vielfahrer profitieren kräftig

Das kostet Kraftstoff im Norden

Kiel
Super: 1,159 Diesel: 0,879

Hamburg
Super: 1,189 Diesel: 0,899

Rostock
Super: 1,189 Diesel: 0,919

Schwerin
Super: 1,179 Diesel: 0,949

Hannover
Super: 1,169 Diesel: 0,899

Oldenburg
Super: 1,179 Diesel: 0,919

Osnabrück
Super: 1,229 Diesel: 0,959

Göttingen
Super: 1,209 Diesel: 0,918

günstigster Anbieter in Euro/Liter
Stand: 21.1.2016 / 14 Uhr

Wer täglich viel mit dem Auto fährt, spürt die Preissenkung im Geldbeutel deutlich. Besonders Speditionen, Busunternehmer und Taxifahrer, die bei steigenden Preisen rasch um ihren Gewinn fürchten und öffentlich laut jammern, können sich jetzt still über gesunkene Kosten freuen. Doch wer günstig tanken will, muss die Preise genau beobachten. Oft ändern sie sich selbst im Verlauf eines Tages erheblich. Den billigsten Kraftstoff gibt es meist am frühen Abend zwischen 18 und 20 Uhr. Internetseiten und Apps bieten aktuelle Preise von allen Tankstellen im Vergleich.

Wildes Auf und Ab beim Ölpreis

Ein wesentlicher Faktor für den Kraftstoffpreis ist der Ölpreis. Für die Nordsee-Sorte Brent lag er Ende 2001 bei weniger als 20 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) und stieg dann mehrere Jahre lang drastisch an - auf mehr als 140 Dollar im Sommer 2008. Mit der Finanzkrise stürzte der Preis steil ab und lag wenige Monate später nur noch bei gut 40 Dollar. Als sich die Wirtschaft erholte, zog auch der Ölpreis an, auf 125 Dollar im Sommer 2012 - und nahm den Benzinpreis mit. Da Rohöl weltweit in US-Dollar abgerechnet wird, spielt auch der Wechselkurs zum Euro eine wichtige Rolle für den Tankstellenpreis. Je höher der Euro bewertet wird, desto günstiger können Europäer Öl einkaufen. Im Zeitraum Mitte 2012 bis jetzt verlor der Euro jedoch rund zehn Prozent an Wert und verhinderte so noch niedrigere Benzinpreise. Außerdem begrenzen Steuern und staatliche Abgaben, die rund 70 Prozent des Spritpreises ausmachen, sowie Produktions-, Transport- und Vertriebskosten den Preisverfall an der Tankstelle. So betragen allein die Energie- und Ökosteuer pro Liter Benzin 65,5 Cent - unabhängig vom Ölpreis.

Preiskampf der Öl-Länder

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Ein Rohstoff bewegt die Welt

Ein Zeitstrahl bei tagesschau.de zeigt die Geschichte des Erdöls. extern

Gründe für die rasante Talfahrt des Ölpreises gibt es viele. Neben einer in zahlreichen Ländern schwächelnden Wirtschaft ist es vor allem das Überangebot auf dem Ölmarkt. Seit die USA immer mehr Öl aus Ölsand und Ölschiefer gewinnen, sind die traditionellen Anbieter im Nahen Osten sowie Russland, Venezuela und Mexiko unter Druck geraten. Da sie zum großen Teil von den Öl-Einnahmen abhängen, wollen sie ihre Förderung jedoch nicht drosseln, sondern versuchen, den Preiskampf zu gewinnen. Experten gehen davon aus, dass derzeit täglich mindestens eine Million Barrel Öl mehr gefördert als verbraucht wird. Nach dem Ende von Wirtschaftssanktionen drängt nun zusätzlich Öl aus dem Iran auf den Weltmarkt.

Bleiben Öl und Benzin günstig?

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Im Januar 2016 lag der Preis für Diesel bundesweit unter einem Euro, für Super um 1,20 Euro.

Neben Autofahrern profitieren auch Haushalte, die mit Öl heizen, von den günstigen Preisen. Heizöl kostet derzeit so wenig wie zuletzt 2004. Ob und wann die Preise wieder steigen werden, können auch Fachleute nicht sicher vorhersagen. Zeichen für eine rasche Trendwende sehen die meisten Beobachter im Moment nicht. Allerdings kamen die heftigen Bewegungen in der jüngeren Vergangenheit für viele auch überraschend. Keine gute Idee wäre es, bei steigenden Preisen Benzin in der Garage horten zu wollen. Selbst in zugelassenen Kanistern dürfen dort wegen der Brandgefahr nur 20 Liter aufbewahrt werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info / 21.01.2016 / 08:40 Uhr

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